Fortschritte bei Diagnose und Therapie von Zöliakie, Reizdarmsyndrom, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und eosinophiler Ösophagitis

William F. Balistreri, MD

Interessenkonflikte

8. Januar 2016

In diesem Artikel

Reizdarmsyndrom

Vermeidung von GODMUP

Eine Ernährung, die geringe Mengen an gärungsfähigen Oligosacchariden, Disacchariden, Monosacchariden und Polyolen (GODMUP) enthält, senkt die Frequenz und Schwere gastrointestinaler Symptome bei Erwachsenen und Kindern mit Reizdarmsyndrom (RDS). Ursächlich hierfür werden Änderungen in der Komposition der Darmflora angesehen, die zu weniger Gährungsprozessen und damit Gasproduktion führen. Allerdings zeigen mehr als 25% kein Ansprechen.

Chumpitazi et al. wollten herausfinden, ob das klinische Ansprechen durch die Zusammensetzung der Darmflora oder deren metagenomisches funktionelles Potenzial vor dem Beginn einer GODMUP-reduzierten Ernährung vorhergesagt werden könnte [8]. Nach einem anfänglichen Kontrollzeitraum erhielten die Studienteilnehmer entweder eine GODMUP-reduzierte Diät oder eine typische amerikanische Ernährung mit der Möglichkeit des Cross-Overs. Die vorläufigen Ergebnisse dieser Studie lassen vermuten, dass die Zusammensetzung der Darmflora und die Biomarker des Stoffwechselwegs mit einem klinischen Ansprechen auf eine Ernährung mit geringen GODMUP bei Patienten mit RDS assoziiert sind. Da ein diszipliniertes Einhalten einer reduzierten GODMUP-Diät häufig schwierig ist, könnten Darmflora-bezogene Biomarker dabei helfen, einzelne Patienten mit RDS zu identifizieren, die am ehesten auf eine Ernährung mit reduzierten GODMUP ansprechen.

Piacentino et al. untersuchten zusätzlich die Auswirkung verschiedener Diäten auf die abdominelle Gasbildung und Schmerzen im Rahmen [9]:

  • 1. einer GODMUP-reduzierten und glutenfreien Diät (GOD-GF)

  • 2. einer GODMUP-reduzierten und normalen Gluten-haltigen Diät (GOD-NG) und

  • 3. einer GODMUP-normalen und unbegrenzten Gluten-haltigen Diät (GOD-UG).

Patienten unter einer GOD-GF und GOD-NG-Diät zeigten Verbesserungen hinsichtlich der Intensität abdomineller Gasbildung und der Frequenz abdomineller Schmerzen. Von den Probanden unter einer GOD-NG-Diät profitierten 72% auch nach deren Fortführung, die restlichen Probanden fanden die Diät „zu monoton“. 52% derjenigen, die im GOD-GF-Arm waren, führten die Ernährung weiter, während die restlichen Teilnehmer im GOD-GF-Arm ihre Diät als zu restriktiv ansahen und von einem nur teilweisen Profitieren von dieser Diät berichteten.

Folglich zeigt sich, dass die Mehrheit der Patienten mit RDS mittel- und langfristig von der Erhaltung einer GODMUP-reduzierten Ernährungsweise profitieren. Das Vermeiden glutenhaltiger Lebensmittel scheint hierbei keinen zusätzlichen Nutzen zu bringen und beeinflusst die Compliance negativ.

Vedolizumab bei chronisch-inflammatorischen Darmerkrankungen

Der humanisierte, monoklonale Immunglobulin G1-Antikörper Vedolizumab gegen Integrin inhibiert die Migration von T-Lymphozyten in intestinale Gewebe und wurde kürzlich für die Therapie bei Erwachsenen mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (CED) zugelassen. Obwohl zum Gebrauch von Vedolizumab bei Kindern keine Daten existieren, könnte es eine therapeutische Option für Kinder sein, die unter einer refraktären Erkrankung leiden, die auf aktuelle Standardbehandlungen nicht anspricht.

Hinsichtlich des Einsatzes von Vedolizumab bei Kindern sind auf dem Treffen in 2015 zwei Studien mit klinischen Erfahrungen präsentiert worden. Singh et al. begannen eine Vedolizumab-Therapie mit einer Dosis von 6mg/kgKG bei einem Dosismaximum von 300mg/Dosis [10]. Die Infusionen fanden nach 0, 2, und 6 Wochen statt, gefolgt von Infusionen alle 8 Wochen. Laut ihrer Erfahrungen war der Einsatz von Vedolizumab sicher bei ähnlicher Wirksamkeit, wie sie in den Studien zur Erwachsenenpopulation beschrieben worden war. Die Wirkung von Vedolizumab war höher bei Patienten mit Colitis ulcerosa und Morbus Crohn mit Beteiligung des Kolons.

Conrad et al. untersuchten den Einsatz von Vedolizumab bei Kindern mit refraktärer CED [11]. Die Dosierung war dieselbe wie in der vorherigen Studie (d.h. Standard-Regime von 300mg zu den Wochen 0,2 und 6 mit anschließender Erhaltungsgabe im 8-Wochen-Rhythmus). Eine klinische Verbesserung konnte vom Start der Studie bis zur 14. Woche bei 50% der Patienten beobachtet werden; Infusionsreaktionen wurden nicht registriert.

Obwohl diese Studien nur geringe Patientenzahlen vorweisen können, scheint eine bescheidene Verbesserung bezüglich der Erkrankungsaktivität und der einhergehenden Reduktion der Steroideinnahme bei der Mehrheit der Patienten zu verzeichnen zu sein. Eine weitere, prospektive Nachsorge einer größeren, mit Vedolizumab behandelten Kohorte wird zusätzliche Daten bezüglich der Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Kindern mit CED erbringen.

Kommentar

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