Nebenwirkungsfreie Krebstherapie: Sport hat zahlreiche positive Auswirkungen während und nach einer Tumorbehandlung

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

15. Dezember 2015

Intensiver Sport ist ein wirksames Mittel gegen Krebs: Körperliche Aktivität verringert die Nebenwirkungen einer Chemo- oder antihormonellen Therapie, steigert die Leistungsfähigkeit und stärkt das Selbstbewusstsein. Wer regelmäßig Sport treibt, beugt zudem einer Krebserkrankung vor. Sportlich Aktive senken ihr Risiko, an Krebs zu erkranken, durchschnittlich um 20 bis 30%, dies schreibt die Deutsche Krebsgesellschaft. Tritt dennoch Krebs auf, haben Patienten, die vor ihrer Erkrankung regelmäßig Sport getrieben haben, ein geringeres Rückfallrisiko. Und nach einer Tumorerkrankung reduziert körperliche Aktivität die Gefahr eines Rückfalls.

Daher wirbt ein neuer Ratgeber „Sport, Bewegung und Krebs“ des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und des Krebsverbandes Baden-Württemberg e.V. dafür, Sport zu treiben und Bewegung in den Alltag einzubauen – gerade auch während einer Chemo-oder Strahlentherapie [1]. Welche Vorteile das hat, ist noch längst nicht bei jedem angekommen. „Überzeugungsarbeit leisten müssen wir immer wieder. Aber es ist auch deutlich besser geworden in den letzten Jahren und wir hoffen, dass unsere Broschüre diese Entwicklung weiter stützt“, sagt Dr. Joachim Wiskemann, Herausgeber des Ratgebers und Leiter der Initiative „OnkoAktiv„ am NCT gegenüber Medscape Deutschland.

Der Ratgeber richtet sich nicht nur an Patienten, die an Krebs erkrankt sind oder waren. „Unsere Broschüre ist auch eine sehr gute Lektüre für die medizinischen Fachberufe die sich so mit dem Thema auseinandersetzen können“, betont Wiskemann.

Sport lindert Nebenwirkungen einer Chemo - oder Strahlentherapie

Dass Sport die Nebenwirkungen einer Chemo- oder Strahlentherapie verringern kann, zeigten immer mehr Studien, erläutert er. Etwa eine Arbeit, die die positive Wirkung von Aerobic bei Brustkrebspatientinnen unter Chemotherapie untersucht hat. Eine vor kurzem erschienene holländische Studie weist nach, dass Sport während einer Chemo nicht nur die kardiorespiratorische Fitness und körperliche Funktionen verbessert, sondern auch Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen reduziert. Dass Sport auch Stress und Fatigue verringern und die körperliche Fitness vor, während und nach einer Stammzelltransplantation (HSCT) steigern kann, zeigt eine weitere Arbeit von Wiskemann und seinen Kollegen.

Durch Sport ließen sich zudem eine ganze Reihe von Nebenwirkungen verringern: Fatigue, körperliche Schwäche, Muskelabbau, Bewegungseinschränkungen nach OP, Lymphödeme der oberen Extremitäten, Schmerzen, Knochendichte, Polyneuropathie, Blutbildveränderungen, Ängstlichkeit, Depressivität und Schlafprobleme. Er verbessert das Körperbild und letztendlich auch die Lebensqualität, zählt Wiskemann auf. „Verursacht werden die Nebenwirkungen durch Medikamente, durch den Tumor selbst und durch die Inaktivität, die meist mit der Diagnosestellung und dem Therapiesetting (Krankenhaus) einhergeht.

 
Wir sind davon überzeugt, dass eine Brustkrebs- patientin kein anderes Bewegungsprogramm zur Bekämpfung der Fatigue benötigt als ein Patient mit Prostatakrebs. Dr. Joachim Wiskemann
 

Nebenwirkungen der Behandlungen stehen im Mittelpunkt

Die neue Broschüre orientiert sich nicht an der bestehenden Krebsdiagnose, sondern stellt die Nebenwirkungen der Behandlung in den Mittelpunkt. Dadurch werden alle Tumorerkrankungen angesprochen.

„Eine Diagnoseorientierung ergibt z.B. beim Brustkrebs aus bewegungstherapeutischer Sicht auch gar keinen Sinn. Vieles hängt doch sehr stark davon ab, wie man operiert wird – komplette Brust entfernt oder nur ein Teil –, ob man eine Chemo- und oder Strahlentherapie erhält oder eine Immunbehandlung“, erklärt Wiskemann und fügt hinzu „die Therapien, Medikamente, Operationen verursachen dann mehr oder weniger Nebenwirkungen, das ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich.“

Daher orientiere man sich an den direkten Problemen der Patienten und nicht an übergeordneten Kategorien, die aus Sicht der Sport- und Bewegungstherapie nicht wirklich relevant sind. „Wir sind davon überzeugt, dass eine Brustkrebspatientin kein anderes Bewegungsprogramm zur Bekämpfung der Fatigue benötigt als ein Patient mit Prostatakrebs.“ Wichtig seien dann noch persönliche Vorlieben und Einschränkungen des Patienten, die natürlich berücksichtigt werden sollten. „Wir glauben, dass wir damit eine deutlich größere Zahl an Patienten und Interessierten ansprechen“, erklärt Wiskemann.

Geeignete Sportarten

Welche Sportarten sind geeignet? „Gut untersucht sind Ausdauertraining in Form von zügigem Walking und auf dem Fahrradergometer und Krafttraining – sowohl am Gerät oder als auch mit Kleingeräten oder durch eigenes Körpergewicht. Auch andere Sportarten sind durchaus empfehlenswert, aber nicht so gut untersucht“, berichtet Wiskemann.

Ungünstig sind Sportarten, die unkontrollierten Körperkontakt ermöglichen wie Spielsport- oder Kampfsportarten. „Das gilt allerdings nur für die Patienten, die beispielsweise noch verletzliche Stellen haben wie z.B. noch nicht verheiltes Nabengewebe, einen Port oder ein Stoma.“

Hausärzte sollten Krebspatienten, die über Nebenwirkungen klagen, gezielt auf die Möglichkeit Sport zu treiben ansprechen, rät Wiskemann und fügt hinzu: „Die Broschüre kann dabei eine ärztliche Beratung gut unterstützen. Und falls man gar nicht weiter weiß, dann findet man in der Broschüre Kontaktdaten zu Experten in der Nähe, die einem gerne weiterhelfen.“

Die Broschüre steht ab sofort zum kostenlosen Download auf den Webseiten des Krebsverbandes Baden-Württemberg und des Netzwerks OnkoAktiv zur Verfügung. Sie kann auch als gedrucktes Exemplar bestellt werden.

 

REFERENZEN:

1. Krebsverband Baden-Württemberg e.V., Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen: Sport, Bewegung und Krebs

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....