Studie bei AKW-Mitarbeitern: Auch eine längere niedrige Strahlenbelastung steigert das Risiko, an Krebs zu sterben

Axel Viola

Interessenkonflikte

30. Oktober 2015

Dauerhafte ionisierende Strahlung niedriger Dosis erhöht die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben – auf einem niedrigen Niveau. Das ist das Ergebnis einer Kohortenstudie, die im British Medical Journal veröffentlicht worden ist [1]. Das Ergebnis überrascht, weil bisher davon ausgegangen worden ist, dass Hochdosisstrahlung die weitaus schädlichere Strahlung ist. Ein Abgleich mit Daten von Überlebenden der beiden Atombombenabwürfe in Japan während des 2. Weltkriegs zeigt aber, dass sich das Risiko pro Strahlungseinheit ähnlich stark erhöht – egal ob im Niedrig- oder Hochdosisbereich.

Für die aktuelle International Nuclear Workers Study (INWORKS) sind die Daten von mehr als 308.000 Arbeitern aus Atomkraftwerken in Frankreich, Großbritannien und den USA herangezogen worden. Genutzt wurden dabei die Dosimeter-Daten. Die Daten zur Strahlenexposition wurden mit Registerdaten zu den Todesursachen korreliert.

Assoziation zwischen Strahlungsexposition und Todesrate …

Die Ergebnisse zeigen einen linearen Anstieg der Rate für Krebserkrankungen im Zusammenhang mit der Dauer der Strahlungsexposition der Arbeiter. Dabei stieg die Mortalitätsrate – ohne Todesfälle aufgrund einer Leukämie – um 48% pro Gray (Gy) in einem Zeitraum von 10 Jahren.

Mit der Maßeinheit Gy wird die durch ionisierende Strahlung verursachte Energiedosis beziffert; sie beschreibt die aufgenommene Energie pro Masse. Ähnlich waren die Assoziationen zwischen Todesrate und soliden Tumoren und bezogen auf die jeweiligen Länder. Im Durchschnitt waren die Mitarbeiter im Beobachtungszeitraum (1944 bis 2005) einer arbeitsbedingten Gesamtstrahlungsdosis von 20,9 Milli-Gray ausgesetzt.

Von den 66.632 bekannten Todesfällen der Kohorte bis zum Ende des Beobachtungszeitraums konnten 19.064 Todesfälle Krebserkrankungen (ohne Leukämie) zugeordnet werden. Todesfälle aufgrund solider Tumoren traten bei 17.957 Arbeitern auf.

Um die Möglichkeiten anderer Ursachen für den krebsbedingten Tod als die ionisierende Strahlung zu evaluieren, werteten die Wissenschaftler um Prof. Dr. David B. Richardson von der University of North Carolina/USA den Datenfundus auch hinsichtlich Krebserkrankungen aufgrund von Rauchen aus. Sie rechneten dazu Lungenkrebserkrankungen (5.802 Todesfälle) aus der Gesamtmenge heraus. Es zeigte sich, dass der lineare Bezug zwischen Strahlungsexposition und Mortalitätsrate erhalten blieb.

… auch ohne Rauchen und Asbest

Ähnliches galt, wenn Krebserkrankungen aufgrund von Asbestbelastungen herausgerechnet wurden. Auch dann zeigte sich die Korrelation zwischen Strahlungsbelastung und Todesfälle aufgrund solider Tumoren auf unverändertem Niveau. Statistisch gesehen war der beobachtete Anstieg der Mortalitätsrate zwar nur gering, aber aufgrund des eindeutigen Zusammenhangs zwischen Dosis und Wirkung wahrscheinlich.

Limitationen der Aussagekraft der Studie sehen die Autoren in möglichen Messfehlern der Dosimeter, in der Praxis der Datenerfassung vor allem in den Anfangsjahren der Datenerfassung. Außerdem gibt es keine Daten, die die Strahlenexposition der Arbeiter außerhalb der Atomkraftwerke beziffern.

 

REFERENZEN:

1. Richardson DB, et al: Brit Med J 2015; 351:h5339

Kommentar

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