Nicht nur beim Mammakarzinom: Eribulin verlängert auch das Überleben bei fortgeschrittenen Sarkomen

Michael Simm

Interessenkonflikte

22. Oktober 2015

Basel – Der antiproliferative und antiangiogene Wirkstoff Eribulin kann offenbar die Überlebensraten bei bestimmten seltenen Sarkomen im fortgeschrittenen Stadium verbessern. Dies ist das Ergebnis einer randomisierten, multizentrischen Open-label-Studie, in der Eribulin mit einer Standard-Chemotherapie verglichen wurde. Die Studie wurde auf der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Fachgesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie in Basel vorgestellt und auf einer Plenarsitzung als „Best Abstract” ausgezeichnet [1].

Dr. Patrick Schöffski

Der Erstautor der Studie, Dr. Patrick Schöffski, Leiter der Abteilung Allgemeine Medizinische Onkologie am Universitätshospital Leuven, Belgien, stellte die Untersuchung vor. Insgesamt waren 452 Patienten mit einem Leiomyosarkom oder einem adipozytischen Sarkom randomisiert worden, zwei Drittel davon Frauen und 80% über 65 Jahre alt. Alle Patienten hatten mindestens 2 Standardbehandlungen erhalten und einen ECOG-Status von 2 oder weniger.

Wirkstoff Eribulin stört Dynamik der Mikrotubuli

Während die Patienten in einem Studienarm das Chemotherapeutikum Dacarbazin erhielten, bekamen die Patienten in der anderen Gruppe Eribulin. Dies ist das vollsynthetische Analogon der Substanz Halichondrin B1, die ursprünglich aus einem Meeresschwamm isoliert wurde.

Eribulin stört die Dynamik der Mikrotubuli in den Zellen und verhindert damit die Zellteilung; es stört aber gleichzeitig auch das Wachstum von Blutgefäßen. Diese Eigenschaften macht man sich beim Einsatz gegen den fortgeschrittenen oder metastasierten Brustkrebs bereits zunutze – eine Indikation, für die Eribulin aktuell in 59 Ländern zugelassen ist.

 
Wir dürfen feststellen, dass das Überleben signifikant verlängert wurde, und zwar um exakt zwei Monate. Dr. Patrick Schöffski
 

Längeres Überleben, aber schlechtere Verträglichkeit

In der nun vorgelegten Studie gingen die Überlebenskurven nach etwa 9 Monaten auseinander und kamen nach 39 Monaten wieder zusammen, wie Schöffski zeigte. „Wir dürfen feststellen, dass das Überleben signifikant verlängert wurde, und zwar um exakt zwei Monate“, sagte er. Unter Dacarbazin hatte die mittlere Überlebenszeit 11,5 Monate betragen, unter Eribulin waren es 13,5 Monate. Das progressionsfreie Überleben war indes in beiden Gruppen mit durchschnittlich 2,6 Monaten identisch.

Erkauft wurde der Vorteil mit einer schlechteren Verträglichkeit für das neue Präparat: Die häufigsten Nebenwirkungen unter Eribulin waren Neutropenie, Fatigue, Übelkeit, Haarausfall und Verstopfung gewesen. 26% der Patienten in dieser Gruppe mussten ihre Dosis reduzieren, gegenüber 14% unter Dacarbazin.

Gesamtbilanz positiv

Die Gesamtbilanz ist dennoch positiv, meint Schöffski. Dies sei die erste Phase-3-Studie bei solch einem Patientenkollektiv, in der eine Verlängerung der Überlebenszeit gegenüber der Chemotherapie dokumentiert wurde, hob der Onkologe hervor.

„Ich sehe jede Woche Patienten mit diesen sehr seltenen und sehr schwierig zu behandelnden Sarkomen, und dies ist klinisch bedeutsam”, sagte er. Die Studie, die bereits auf dem ASCO und dem ECCO präsentiert wurde, habe man inzwischen zur Publikation eingereicht, der Hersteller von Eribulin hat bei der EMA eine Indikationserweiterung beantragt.

 

REFERENZEN:

1. Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Fachgesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie, 9. bis 13. Oktober 2015, Basel

Kommentar

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