Hochintensiver fokussierter Ultraschall als schonende Therapieoption bei Prostatakrebs

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

21. Oktober 2015

Hamburg – Active Surveillance, radikale Prostatektomie und verschiedene Bestrahlungsverfahren sind die klassischen Therapieoptionen beim Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom. Auch HIFU – hochintensiver fokussierter Ultraschall – wird seit mehreren Jahren zur PCA-Therapie eingesetzt. Inwieweit die MRT-geführte transurethrale Ultraschall-Ablation (MRT-TULSA) eine Option beim Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom darstellen könnte, wurde in einer kleinen Phase-1-Studie getestet, deren 12-Monatsergebnisse Dr. Valentin Popeneciu, Assistenzarzt an der Urologischen Klinik der Universität Heidelberg, auf dem Urologenkongress vorgestellt hat [1].

„Es handelt sich um eine neue, thermoablative Therapie, die darauf abzielt, die herkömmliche hochintensive fokussierte Ultraschall-Methode (HIFU) zu verbessern. Ein Vorteil der getesteten Methode ist, in Echtzeit die Dosis messen zu können. Unser Ziel war, die Sicherheit und Durchführbarkeit der Methode zu prüfen“, erklärte Propeneciu.

Die MRT-Thermometrie-gesteuerten HIFU verbindet die Genauigkeit der MRT-Bildgebung mit der fokussierten Ultraschallerhitzung. Damit ist es möglich, punktgenau und in Echtzeit während der Behandlung die Temperatur an jedem Punkt der Prostata zu messen. Über eine Sonde wird das Tumorgewebe per Ultraschall zerstört, zum Teil wird es über die Harnröhre abgestoßen und zum Teil in Bindegewebe umgewandelt. Der Schließmuskel wird bei dieser Therapie erkannt und nicht mitbehandelt, so dass eine Inkontinenz unwahrscheinlich ist. Je nach Lokalisation des Prostatatumors ist eine Schonung der Potenznerven möglich, so dass auch eine Impotenz vermieden werden kann.

 
Ein Vorteil der getesteten Methode ist, in Echtzeit die Dosis messen zu können. Dr. Valentin Popeneciu
 

Phase-1-Studie mit 30 Patienten

In die multizentrische Studie eingeschlossen wurden zwischen März 2013 und März 2014 30 Patienten ab 65 Jahren. Am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ) nahmen 14 Patienten teil, an der Western University in London, Ontario, Kanada 12 Patienten und am William Beaumont Hospital in Royal Oak, Minnesota USA, 4 Patienten. Voraussetzung für den Einschluss war die lokale Begrenztheit des PCA (cT1c-T2a, N0, M0), ein PSA-Wert von höchstens 10 ng/ml und ein Gleason Score von höchstens 6. Die kanadischen Patienten wiesen einen Gleason Score von bis zu 7a auf.

Lagen die durchschnittlichen PSA-Werte der Probanden prä-operativ noch bei knapp unter 10, sanken sie postoperativ nach einem Monat auf knapp über 2, nach 3 Monaten war ein Anstieg auf 3,5 zu verzeichnen, nach 6 Monaten sanken sie dann wieder auf 2 und nach 12 Monaten lagen sie bei unter 2. (p < 0,0001). Der International Prostate Symptom Score (IPSS) lag prä-operativ bei 13 Punkten, nach 3 Monaten bei 10, nach 6 Monaten bei 8 und nach 12 Monaten bei 7 (p = 0,094).

Deutlich geschrumpfte Prostata – aber 55 Prozent positive Biopsien …

„Nach einem Jahr wiesen alle Patienten deutlich geschrumpfte Prostatae mit 51% Prozent Fibrose auf“, so Propeneciu. „Allerdings fanden wir bei 16 von 29 Patienten positive Biopsien.“ Zwar wiesen auch die positiven Biopsien eine 61%ige Reduktion der gesamten Karzinomlänge per Biopsiezylinder auf – „dennoch waren wir von diesen Ergebnissen überrascht“, berichtete Propeneciu.

 
Die Methode ist für eine fokale und individualisierte Behandlung geeignet, sie weist nur wenige Nebenwirkungen auf, lässt sich ambulant durchführen, sie ist nicht-invasiv und wiederholbar. Dr. Valentin Popeneciu
 

Er erklärt die positiven Biopsien damit, dass in der Studie das Hauptaugenmerk auf der Sicherheit der Anwendung gelegen habe, dementsprechend sei die für die Tumorzellen letale Dosis sehr vorsichtig und mit einem Sicherheitsabstand zur Prostata von 1 bis 2 mm (± 1,3 mm) appliziert worden. „Unser primärer Endpunkt waren Machbarkeit und Sicherheit, sekundärer Endpunkt war die onkologische Sicherheit“, so Propeneciu. Aufgrund des gewählten Sicherheitsabstands seien Tumorzellen verblieben.

Der Eingriff wurde ambulant durchgeführt. Es gab keine Fehler bei der MRT-Ultraschall-Fusion, keine intraoperativen Komplikationen und keinen rektalen Verletzungen oder Fistelbildung. Infolge der Ablation trat kein Fall von Inkontinenz auf und es gab auch keine Nebenwirkungen Grad 4 oder höher. Eine Grad 3 Nebenwirkung – Epididymitis – wurde antibiotisch behandelt und heilte komplett aus. Mehrheitlich traten akute Grad-1- und Grad-2-Infektionen des Urogenitaltraktes auf, die antibiotisch behandelt wurden. Ein Harnverhalt G 1 bei 3 Patienten konnte mit verlängerter oder Re-Katheterisierung behoben werden. Eine erektile Dysfunktion trat bei 16,7% der Patienten auf.

27 Patienten gingen im Anschluss an die Behandlung in die Active Surveillance, 2 Patienten entschieden sich für eine radikale Prostatektomie. „Die Methode ist für eine fokale und individualisierte Behandlung geeignet, sie weist nur wenige Nebenwirkungen auf, lässt sich ambulant durchführen, sie ist nicht-invasiv und wiederholbar“, fasste Propeneciu zusammen. Das Follow up soll über 5 Jahre gehen.

 

REFERENZEN:

1. 67. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie, 23. bis 26. September 2015, Hamburg

Kommentar

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