Kinderwunsch bei Brustkrebs-Patientinnen: Schwangerschaft erhöht nicht das Rezidivrisiko

Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

9. Oktober 2015

Wien – „Kann eine Frau mit Brustkrebs schwanger werden? Ja, sie kann!“ So lautete die eindeutige Aussage von Prof. Dr. Sibylle Loibl, Sana Klinikum Offenbach, beim Europäischen Krebskongress in Wien [1]. Es gäbe ausreichend gute Daten dafür, dass eine Schwangerschaft das Rezidivrisiko für ein Mammakarzinom nicht erhöhe.

Etwa 10 bis 20% aller Brustkrebserkrankungen treten bei Frauen im gebärfähigen Alter auf. Zudem steigt bei uns das durchschnittliche Alter der Frauen bei der ersten Schwangerschaft. Die Frage, ob eine Schwangerschaft nach Brustkrebserkrankung möglich ist, wird daher immer häufiger gestellt.

Amenorrhö durch Chemotherapie

Prämenopausale Frauen, die eine adjuvante Chemotherapie erhalten, haben ein erhöhtes Risiko für eine Amenorrhö. „Das Alter spielt für die Erholung von der Amenorrhö eine große Rolle“, erläuterte Loibl. Die Amenorrhö dauert bei Frauen im Alter unter 40 Jahren kürzer als bei älteren Frauen.

 
Kann eine Frau mit Brustkrebs schwanger werden? Ja, sie kann! Prof. Dr. Sibylle Loibl
 

Zudem ist die Dauer der Amenorrhö von der Therapie abhängig. Wie eine Auswertung der NSABP-B-30-Studie zeigt, hielt die Amenorrhö bei einer adjuvanten Therapie mit Doxorubicin/Docetaxel nur bei 37,9% der Frauen über ein Jahr an, während bei Behandlung mit Doxorubicin/Cyclophosphamid gefolgt von Docetaxel 69,8% und mit Docetaxel/Doroxubicin/Cyclophosphamid 57,7% der Frauen nach 12 Monaten noch amenorrhoisch waren.

Der beste Marker für die Beurteilung der ovariellen Reserve sei das Anti-Müller-Hormon (AMH), das einfach zu messen sei, sagte Loibl. Ein AMH über 20 pmol/l bedeute eine noch ausreichende Fertilität, ein AMH unter 3,8 pmol/l sei mit Unfruchtbarkeit assoziiert.

Endokrine Therapie pausieren

Häufig werde auch heute noch Frauen mit Mammakarzinom abgeraten, schwanger zu werden. Dies sei aber nicht gerechtfertigt, betonte Loibl. Verschiedene Untersuchungen zeigten, dass das Rezidivrisiko durch eine Schwangerschaft nicht erhöht werde, und dies sei unabhängig vom Rezeptorstatus. Auch die Wartezeit von 2 Jahren nach Abschluss der ersten Therapie hält Loibl nicht für begründet. Es mache für ein Brustkrebsrezidiv keinen Unterschied, ob eine Frau innerhalb der ersten 2 Jahre nach der Primärtherapie oder erst nach dieser Zeit schwanger werde.

 
Das Alter spielt für die Erholung von der Amenorrhö eine große Rolle. Prof. Dr. Sibylle Loibl
 

Für die endokrine Therapie sei keine Mindestdauer definiert. Sie werde im Allgemeinen mindestens 18 bis 24 Monate durchgeführt. Wichtig sei es, bei der Planung das Rezidivrisiko bei Absetzen der endokrinen Therapie und das Risiko eines zu hohen Alters für eine Schwangerschaft abzuwägen. Und wichtig sei es außerdem, die endokrine Therapie nach der Geburt des Kindes fortzuführen.

Wie sich eine Unterbrechung der endokrinen Therapie bei Frauen mit Östrogenrezeptor-positivem frühem Mammakarzinom mit Kinderwunsch auf das Brustkrebs-freie Intervall auswirkt, wird derzeit in der POSITIVE-Studie prospektiv untersucht. Aufgenommen werden Frauen im Alter zwischen 18 und 42 Jahren. Ihre endokrine Therapie wird abgesetzt.

Nach einer Washout-Periode von 3 Monaten haben sie 2 Jahre Zeit, um schwanger zu werden und das Kind noch einige Monate zu stillen. Anschließend wird die endokrine Therapie bis zu Gesamtdauer von 5 oder 10 Jahren weitergeführt. Insgesamt sollen in die Studie 516 Frauen eingeschlossen werden.

 

REFERENZEN:

1. The European Cancer Congress (ECC), 25. bis 29. September 2015, Wien

Kommentar

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