MEINUNG

SARS, Ebola und MERS-CoV: Wieso Zoonosen zu einer zunehmenden Gefahr werden

Sabine Ohlenbusch

Interessenkonflikte

7. Oktober 2015

In diesem Artikel

Medscape Deutschland: Damit könnte einer der Haupt-Übertragungswege recht einfach eliminiert werden. Sollte der Verzehr von Bushmeat einfach verboten werden?

Dr. Leendertz: Der Verkauf des Bushmeats in kleinen Restaurants und auf dem Markt ist momentan eingestellt worden, aber ich fürchte, die Menschen werden die Gefahr schnell vergessen. Der Verzehr des Wildfleisches ist kulturell verankert, es hat beinahe den Status einer traditionellen Medizin. Es geht für den Jäger nicht nur darum, dass er Hunger hat. Die Tradition und der Glaube daran, dass Bushmeat besondere Kraft gibt, sind viel wichtiger. Es ist auch fast überall teurer als beispielsweise Rindfleisch. Meiner Ansicht nach wird diese Tradition so schnell nicht durch eine Epidemie getilgt. Es wird deshalb nicht so einfach sein, den Verzehr von Bushmeat dauerhaft zu unterbinden.

Medscape Deutschland: Rechnen Sie mit einem erneuten Aufflammen des Ebola-Ausbruchs in Westafrika?

Infolge der Globalisierung verbreiten sich Zoonosen jetzt aber viel weiter und viel schneller. Dr. Fabian Leendertz

Dr. Leendertz: Mir scheint, dass die Maßnahmen dort greifen und die Menschen informiert und diszipliniert sind. Ich glaube, dass der Ausbruch auf ein Ende zugeht – zum Glück. Das Virus ist deshalb aber noch nicht ausgestorben, es verbleibt in seinen noch nicht genau bekannten und beschriebenen Reservoirs. Es wird immer wieder eine unglückliche Begebenheit entstehen, bei der es sich auf den Menschen überträgt und eine lokale Epidemie entsteht, die über die weltweite Vernetzung der Menschen auch nach Europa kommen kann. Die große Hoffnung ist, dass die Bevölkerung und Gesundheitsbehörden vor Ort sensibilisiert sind, um einen ‚Flächenbrand‘ zu vermeiden, wie wir ihn gerade in Westafrika gesehen haben.

Medscape Deutschland: Die Ebola-Epidemie ist nur ein Beispiel für Zoonosen der jüngsten Vergangenheit. Wieso wird die Übertragung von Krankheiten zwischen Mensch und Tier zu einer zunehmenden und globalen Gesundheitsgefahr?

Dr. Leendertz: Menschen und Tiere hängen gesundheitlich zusammen – und zwar in beide Richtungen. Wir denken sehr anthropozentrisch, aber Tiere infizieren sich genauso beim Menschen wie umgekehrt. Mensch und Tier rücken räumlich näher zusammen, auch Mensch und Wildtier. Dadurch verändern sich die Qualität und die Quantität der Kontakte. So gab es z.B. Epidemien von humanen respiratorischen Viren bei wildlebenden Schimpansen. Andersrum ist die Gefahr ist groß, dass ein Erreger, der den Sprung auf den Menschen geschafft hat, sich schnell weiterverbreitet. Ein gutes Beispiel hierfür ist das HI-Virus, das auch ursprünglich vom Schimpansen auf den Menschen übertragen worden ist. Wenn derartige Übertragungen früher in einem Urwaldgebiet stattgefunden haben, hatte es nur lokal Konsequenzen. Infolge der Globalisierung verbreiten sich Zoonosen jetzt aber viel weiter und viel schneller.

Kommentar

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