Ambulante Spezialfacharzt-Versorgung: Für „absehbar alle chronisch-entzündlichen Rheumaformen“?

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

22. September 2015

Überweisungserfordernis auf dem Prüfstand

Für Kliniken, die schon in der ASV sind, wird es keinen Dauer-Bestandsschutz geben, stattdessen ist eine Übergangsregelung geplant: Kliniken, die jetzt schon nach der alten Regelung Leistungen nach §116 erbringen, können dann noch 3 Jahre wie gehabt fortfahren, bevor sie auf die neue Anlage zu §116b switchen müssen.

Ändern wird sich die Mindestmenge – bislang 240 Fälle: „Sie kann nur größer werden, weil nun ja auch Patienten mit nicht-schweren Verläufen eingeschlossen werden können. Es gibt noch keine konkreten Überlegungen, wir warten hier auf die Vorschläge der Berufsverbände“, so Klakow-Franck. Auf dem Prüfstand steht auch die Überweisungserfordernis: „Es muss eine Überweisung vorliegen, wir werden aber wohl offen lassen, ob es sich dabei um einen Hausarzt handelt oder um einen niedergelassenen Rheumatologen“, berichtet Klakow-Franck.

Beraten wird auch, ob auch Patienten auf Verdachtsdiagnose künftig eingeschlossen werden. „Ich fände das sinnvoll, denn gerade diese Patienten könnten von einer frühzeitigen interdisziplinären Diagnostik profitieren“, so Klakow-Franck. Auch die 24-Stunden-Notfallregelung ist noch offen: Der BDRh-Vorschlag sieht dazu eine Kooperation mit einer Akutklinik vor.

 
Die Aufhebung der Eingrenzung auf die schweren Verlaufsformen kann aber nicht bedeuten, dass nun jeder Patient in die ASV eingeschlossen wird. Das wäre kontraproduktiv. Dr. Regina Klakow-Franck
 

Gemeinsame Sprechstunde noch sehr strittig

„Die Aufhebung der Eingrenzung auf die schweren Verlaufsformen kann aber nicht bedeuten, dass nun jeder Patient in die ASV eingeschlossen wird. Das wäre kontraproduktiv“, betonte Klakow-Franck. Die Beratungen darüber, wie das bewerkstelligt werden kann, dauern an. Spätestens 2 Jahre nach Inkrafttreten einer Anlage soll der G-BA evaluieren, wie sich diese im Hinblick auf die Qualität, Inanspruchnahme und Wirtschaftlichkeit der ASV-Versorgung ausgewirkt hat.

Klakow-Franck hob hervor, dass das Anzeigeverfahren derzeit noch alles andere als „rund“ läuft: Manche erweiterten Landesausschüsse verlangten Unterlagen, die hinterher 3 Aktenordner füllen: „So etwas schreckt dann an der ASV interessierte neue Teams eher ab. Wir sind im Gespräch, um für die erweiterten Landesausschüsse Regelungen zu schaffen, die umsetzbar und möglichst unbürokratisch sind.“

Offene Fragen gibt es auch noch jede Menge: Überlegt wird beispielsweise, ob bei der speziellen Qualifikation, die jeweils von den einzelnen Ärzten eines ASV-Teams gefordert ist, zwingend immer den Nachweis eines entsprechenden Schwerpunkts nach der Weiterbildungsordnung vorliegen muss oder ob nicht die KV-Zulassung reicht. Auch werde diskutiert, ob sämtliche Leistungen im EBM-Ziffernkranz vom ASV-Team so vorgehalten werden müssen, dass beim Anzeigeverfahren schon en detail nachgewiesen ist, dass man alles auch schon mal abgerechnet hat. Es gebe erweiterte Landesausschüsse, die dem kompletten Nachweis forderten: „Das ist ein riesiger bürokratischer Aufwand“, so die Expertin.

 
Unser Ziel: Ein Rheumatologe auf 50.000 erwachsene Einwohner wird in keiner Region erreicht. Dr. Edmund Edelmann
 

Auch die „gemeinsame Sprechstunde“ habe zu vielen Nachfragen geführt. Denn viele interessierte Teams hielten diese Sprechstunde für nicht umsetzbar: „Im G-BA wird das derzeit noch sehr strittig beraten.“ Als problematisch bezeichnet Klakow-Franck auch, dass die Budgetbereinigung noch nicht gelöst sei. Die sieht auch Edelmann als Problem, fügt aber hinzu, dass dies von den KVen auch ein wenig „hochgeschaukelt“ würde. In beiderseitigem Willen lasse sich dies vernünftig lösen, so Edelmann, und verweist auf die Selektivverträge im Hausarztbereich.

Bis Mitte 2016 soll alles entschieden sein

Der Berufsverband setzt in die ASV die Hoffnung, die flächendeckende Unterversorgung abbauen zu können. „Unser Ziel: Ein Rheumatologe auf 50.000 erwachsene Einwohner wird in keiner Region erreicht“, betont Edelmann. „Ende 2014 nahmen 750 Rheumatologen an der vertragsärztlichen Versorgung teil, gebraucht werden aber rund 1.400 Rheumatologinnen und Rheumatologen“, so Edelmann weiter.

Mit dem Abbau der Unterversorgung bessere sich die rheumatologische Versorgung. Bessere Rahmenbedingungen durch die extrabudgetäre Vergütung böten die Chance auf mehr Nachwuchs in der Rheumatologie. Gelinge dies, komme den Patienten geringere Wartezeiten, ein schnellerer Zugang zum Rheumatologen und eine frühere Diagnose zugute. Darüber hinaus gewährleiste die Förderung der Spezialisierung durch die ASV eine höhere Qualität der Versorgung. Edelmann betonte allerdings die Notwendigkeit einer Managementgesellschaft für das Abrechnungswesen.

Die G-BA Beratungen sind auf Ende dieses Jahres festgesetzt, Klakow-Franck rechnet mit der Anlage für Mitte 2016. Dann soll das Hin und Her um die „Dauerbaustelle“ ASV für die Rheumatologie abgeschlossen sein.

 

REFERENZEN:

1. 43. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, 2. bis 5. September 2015, Bremen

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....