Impfen gegen Hautkrebs: IVAC-Studie testet individuelle Vakzine für Melanom-Patienten

Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

15. September 2015

München – Moderne Immuntherapeutika wie Ipilimumab, Pembrolizumab und Nivolumab haben die Therapie des Melanoms zwar verbessert, jedoch schreitet die Erkrankung immer noch bei rund 60% der Patienten fort. Mit einer individuell hergestellten Vakzine wird versucht, die beim jeweiligen Patienten vorliegenden spezifischen Mutationen zu erreichen.

In einer laufenden Phase-1-Studie an 5 Patienten konnten Forscher bislang bei 30 von 60 Zielmutationen eine T-Zellantwort beobachten. Die Studienergebnisse stellte Prof. Dr. Ugur Sahin, Abteilung für Experimentelle und Translationale Onkologie, III. Medizinische Klinik der Universitätsmedizin Mainz, beim 25. Hautkrebskongress in München 2015 vor [1].

„Die Immuncheckpoint-Blockade verzögert die Progression des Melanoms und kann Patienten heilen“, erläuterte Sahin. „Aber immer noch gehen etwa 60 Prozent der Patienten in die Progression.“ Es bestehe also nach wie vor ein hoher Bedarf an neuen Therapiemöglichkeiten. Für das Ansprechen auf einen Checkpoint-Inhibitor müssen die T-Zellen Mutationen erkennen und so „enthemmt“ werden. Die T-Zellen würden aber nicht jede Mutationen erkennen, es sei wie bei einer Lotterie, nur etwa jede 200. Mutation werde erkannt. „Je mehr Mutationen, umso besser ist das für die Behandlung“, so Sahin weiter.

Die Immuncheckpoint-Blockade verzögert die Progression des Melanoms und kann Patienten heilen. Aber immer noch gehen etwa 60 Prozent der Patienten in die Progression. Prof. Dr. Ugur Sahin

Weil das maligne Melanom und auch das Lungenkarzinom sehr häufig Mutationen aufweisen, ist hier die Wahrscheinlichkeit für eine Enthemmung der T-Zellen relativ hoch. Damit erkläre sich auch die relativ gute Wirksamkeit von PD1-Blockern wie Pembrolizumab und Nivolumab bei diesen Tumoren.

Individuelle Vakzine

Weil jeder Tumor ein unterschiedliches Mutationsmuster hat, wird an der Universitätsmedizin in Mainz eine individuelle Vakzine (IVAC) entwickelt. Die Entwicklung wird durch neue Verfahren ermöglicht, mit denen ein komplettes Genom in kurzer Zeit zu akzeptablen Kosten analysiert werden kann.

Um für eine solche individuell hergestellte Vakzine eine Zulassung zu erhalten, wurde in Kooperation mit den Behörden ein komplexes Verfahren entwickelt, in dem jeder Schritt durch eine Standard Operating Procedure (SOP) definiert ist. Das Endprodukt ist zwar variabel, aber der Prozess, der zum Endprodukt führt, bleibt immer gleich. Die Herstellung benötigt nur etwa einen Tag, der Freigabe-Prozess dauert aber etwa 2 Wochen.

Je mehr Mutationen, umso besser ist das für die Behandlung Prof. Dr. Ugur Sahin

Erste Anwendung am Menschen

In einer Phase-1-Studie, der IVAC-MUTANOM-Studie wird an den Universitätskliniken in Mainz, Mannheim und Wien erstmalig die Wirkung einer individuellen Vakzine am Menschen untersucht. Bei den Patienten wird das so genannte Cancer Mutanome analysiert, das Grundlage für die Herstellung der Vakzine ist. Die polyepitopischen RNA-basierten rekombinanten Impfstoffe werden intranodal appliziert.

Wie die bislang vorliegenden Ergebnisse zeigen, waren bei 60 behandelten Mutationen 30 immunogen, die Impfung löste also eine T-Zellreaktion aus. „Das Verfahren ist machbar und sicher“, so das Fazit von Sahin. In weiteren Untersuchungen muss nun die klinische Wirksamkeit geklärt werden.

REFERENZEN:

1. 25. Deutscher Hautkrebskongress, 10. bis 12. September 2015, München

Kommentar

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