MEINUNG

Deutscher Ärztinnenbund: Der Weg zur Gleichberechtigung in der Medizin ist noch lang

Dr. Christiane Groß

Interessenkonflikte

1. September 2015

Dr. Christiane Groß

Traumberuf Ärztin? Einerseits natürlich ja. Andererseits haben Frauen auch noch nach über 100 Jahren seitdem die erste Frau in Deutschland zum Medizinstudium zugelassen wurde, im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen mit  vielen Hindernissen in der beruflichen Praxis zu kämpfen. Von den Bedingungen in Klinik und Praxis handelt das vorliegende aktuelle Medscape Deutschland Dossier über Ärztinnen in Deutschland.

Fest steht: Ärztinnen sind aufgrund des herrschenden Ärztemangels gesucht wie nie zuvor. Doch zu welchen Bedingungen arbeiten Sie? In mehreren Beiträgen wird eindrucksvoll dargestellt, dass wir von der Gleichstellung in der Medizin im Jahr 2015 leider noch weit entfernt sind, obwohl zunehmend mehr Frauen Medizin studieren. Dies spiegelt sich jedoch nicht auf allen Karrierestufen wider: Ärztinnen sind mehrheitlich Assistenzärztinnen, männliche Ärzte sind und werden Oberarzt oder Chefarzt.

 
Fest steht: Ärztinnen sind aufgrund des herrschenden Ärztemangels gesucht wie nie zuvor.
 

Ärztinnen müssen hohe Barrieren überwinden, um an die Spitze zu gelangen. Hinzu kommt, dass die Karrieren von Frauen nicht so strukturiert verlaufen wie die der männlichen Kollegen. Auch für Ärztinnen stellt sich, wie bei anderen Frauen mit anderen Berufen in Deutschland die Frage, wie sie Beruf und Privatleben vereinbaren können.

Kann Mutterschutz beispielsweise ein Hemmschuh für Ärztinnen sein, wenn sie als Chirurginnen  nicht mehr operieren dürfen? Läuft dies gar auf ein Beschäftigungsverbot hinaus? Wo bleibt ganz grundsätzlich die Umsetzung von familienfreundlichen Arbeitsbedingungen und von flexiblen Arbeitszeiten? Wie geht man mit der um ein Vielfaches verlängerten Weiterbildungszeit bei Teilzeitstellen um? Wie schaffen wir es alte Rollenklischees – Mütter sind in erster Linie für die Kinder zuständig – zu überwinden? Auch diesen Fragen wird in dem Dossier nachgegangen.

 
Die Karrieren von Frauen verlaufen nicht so strukturiert wie die der männlichen Kollegen.
 

Warum bedeutet Elternzeit fast zwangsläufig einen Karriereknick? Auf Chefarztsesseln und Lehrstühlen sind Medizinerinnen selten anzutreffen. Daher begründet die Initiative „Pro Quote Medizin“ auch, warum sie eine feste Frauenquote befürwortet. In ärztlichen Gremien muss man Ärztinnen ebenfalls mit der Lupe suchen, sie sind kaum präsent. Dass dies unter anderem an einer abschreckenden Diskussionskultur liegt, beschreibt ein weiterer Beitrag. Nicht zuletzt fragt man sich, warum Ärztinnen außerhalb von tariflichen Stellen und auch in der Niederlassung deutlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen und welche Hürden eine Niederlassung hat.

 
Auf Chefarztsesseln und Lehrstühlen sind Medizinerinnen selten anzutreffen.
 

Für den Deutschen Ärztinnenbund e.V. (DÄB) als Netzwerk von Ärztinnen aller Fachrichtungen und Medizinstudentinnen sind die Schilderungen in diesem Dossier eine Aufforderung zum Handeln. Dies bedeutet, dass sich der seit mehr als 90 Jahren bestehende Verband auch weiter für bessere Karrierechancen von Ärztinnen, die Vereinbarkeit von Familie und Privatleben und mehr und zeitlich passende Einrichtungen für Kinderbetreuung ebenso einsetzt wie für eine höhere Beteiligung von Ärztinnen an berufspolitischen Gremien. Damit der Traum vom Traumberuf für  junge Ärztinnen nicht nur ein Traum bleibt.

 

Kommentar

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