Von ALBATROSS bis PLATFORM – Europäische Kardiologen stellen neueste Studienergebnisse in London vor

Interessenkonflikte

25. August 2015

Hot Line III, Montag, 31. August

Derumeaux betonte auch, wie viele Schwierigkeiten die Behandlung von Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen und Diabetes in der Praxis macht – viele von ihnen haben eine ausgeprägte kardiovaskuläre Erkrankung, die eventuell durch die Diabetestherapie sogar noch verschlimmert werden könne. Mit Spannung erwartet würden dementsprechend die Follow-up-Analysen zweier großer kardiovaskulärer Endpunktstudien bei Patienten mit Diabetes, die vor kurzem bei den American Diabetes Association 2015 Scientific Sessions präsentiert worden waren und nun unter dem Aspekt der in Europa gängigen Praxis nochmals beleuchtet werden.

In TECOS (Trial Evaluating Cardiovascular Outcomes with Sitagliptin in Patients with Type-2 Diabetes) mit nahezu 15.000 Teilnehmern fand sich unter der Behandlung mit dem Di-Peptidyl Peptidase-4 (DPP-4) Inhibitor Sitagliptin (Januvia®, Merck), der den HbA1C –Wert senkte, keine Erhöhung des kardiovaskulären Ereignisrisikos – vor allem war das Risiko für eine Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz nicht erhöht. Und in der über 6.000-Teilnehmer-Studie ELIXA (Evaluation of Lixisenatide in Acute Coronary Syndromes) fanden sich ebenfalls weder Hinweise auf günstige noch auf schädliche kardiovaskuläre Konsequenzen bei Patienten mit Diabetes, die den als Injektion zu verabreichenden Glucagon-Like Peptide (GLP-1) Agonisten Lixisenatid (Lyxumia®, Sanofi) direkt nach einem akuten Koronorsyndrom (ACS) erhalten hatten.

Ebenfalls auf der Agenda: Eine Studie mit dem „Dritt-Generationen“-Mineralokortikoid-Rezeptor Antagonisten Finerenon, unter dem früheren Namen BAY94-8862 von Bayer entwickelt. Die ARTS-HF Studie umfasste Patienten mit Diabetes und/oder chronischer Nierenerkrankung, die wegen einer Verschlechterung ihrer chronischen Herzinsuffizienz hospitalisiert wurden. „Es geht darum zu prüfen, wie effektiv die frühe Aldosteron-Blockade bei diesen Patienten – vor allem bei denjenigen mit chronischer Nierenerkrankung – in der Prävention von Komplikationen ist“, erläutert Derumeaux. Der neue Wirkstoff wird dabei mit dem Aldosteron-Inhibitor Eplerenon verglichen.

Vorgestellt wird zudem noch die randomisierte SCOT-Studie (Standard Care vs Celecoxib Outcome Trial). Sie hat 7.300 Patienten mit Arthrose oder rheumatoider Arthritis über 4 Jahre und länger verfolgt, um die (kardiovaskuläre) Sicherheit einer chronischen Therapie mit herkömmlichen nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID, nonsteroidal anti-inflammatory drugs) gegen Celecoxib (Celebrex®, Pfizer) zu prüfen.

Wie lang eine duale Antiplättchentherapie (Clopidogrel plus ASS) nach Koronarintervention mit Versorgung mit einem DES (Drug Eluting Stent) dauern sollte, hat die Optimal Duration of Dual Antiplatelet Therapy After Drug-Eluting Stent Implantation (OPTIDUAL) Studie geprüft. Sie verglich 12 Monate Therapie mit 48 Monaten bei mehr als 1.800 Patienten. Bei der einjährigen Therapie wurde Clopidogrel nach 12 Monaten gestoppt, ASS aber weiter gegeben – wie es den derzeitigen Empfehlungen entspricht. Endpunkte waren Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall oder schwere Blutungen.

Hot Line IV, Montag, 31. August

Diese Sitzung ist dem „zweiten Akt“ für den ersten Vertreter einer neuen Medikamentenklasse bei Herzinsuffizienz gewidmet, den Angiotensin-Rezeptor/Neprilysin Inhibitor (ARNI) mit der Abkürzung LCZ696 (Entresto®, Novartis), der nun auch bei Hypertonie untersucht wird. Die randomisierte, doppel-blinde Studie PARAMETER (Prospective Comparison of Angiotensin Receptor Neprilysin Inhibitor With Angiotensin Receptor Blocker Measuring Arterial Stiffness in the Elderly) hat die systolischen zentralen Blutdruckveränderungen über 12 Wochen bei 454 mindestens 60 Jahre alten Patienten im Visier, die entweder den ARNI oder den Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) Olmesartan erhalten hatten.

In der gleichen Sitzung präsentiert wird ATTEMPT-CVD (A Trial of Telmisartan Prevention of Cardiovascular Diseases), in der 1.228 Patienten mit Hypertonie und Diabetes, Nierenfunktionsstörungen, KHK, früherem Schlaganfall oder PAVK randomisiert, aber offen entweder mit dem ARB Telmisartan oder mit einer Standardtherapie ohne ARB behandelt wurden. Eine Hauptkomponente der Studie: die Beurteilung des prädiktiven Werts verschiedener Biomarker, die ausgangs und dann über 3 Jahre gemessen wurden, die beinhalten Bestimmungen der Nierenfunktion, natriuretische Peptide, Adiponektin im Serum und im Harn und hsCRP.

Hot Line V, Dienstag 1. September

Vor 4 Jahren war in einer Studie bei Patienten mit implantierten Defibrillatoren (ICD) die Thorax-Impedanzmessung durch Optivol® getestet worden, um eine drohende kardiale Dekompensation frühzeitig zu erkennen. Die Idee war, durch das Telemonitoring Daten so zeitnah zu erhalten, dass entsprechende therapeutische Maßnahmen erheblich früher eingeleitet werden können. Doch die Patienten, die den hörbaren Alarm bei Zeichen der Herzinsuffizienz erhielten, hatten nicht wie erhofft weniger Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz sondern sogar mehr. Die Studienautoren vermuteten damals, dass eine Fernabfrage der Impedanzmessungen eine bessere Strategie sein könnte als die für die Patienten hörbaren Alarme.

Diese neue Strategie hat nun OptiLink-HF (Optimization of Heart Failure Management Using Medtronic OptiVol Fluid Status Monitoring and CareLink Network) getestet. Die Ergebnisse werden ebenfalls in der Hotline Session vorgestellt. Die Studie verglich vom Arzt „getriggerte“ Alarme aufgrund der OptiVol Fernabfrage mit kein OptiVol oder keine Fernabfrage bei rund 1.000 Patienten mit biventrikulären Schrittmachern, mit oder ohne ICD, und einer Herzinsuffizienz im NYHA-Stadium 2 oder 3. Der primäre Endpunkt ist die Gesamtmortalität oder eine ungeplante Klinikeinweisung aufgrund kardiovaskulärer Ursache bei einem Follow-up von 18 Monaten.

Ebenfalls auf dem Programm: Die randomisierte, doppelblinde Benznidazole Evaluation for Interrupting Trypanosomiasis (BENEFIT) Studie. Sie analysierte das kardiovaskuläre Outcome nach einer Antiparasiten-Therapy mit Benznidazol bei Patienten mit Chagas Erkrankung, die vor allem in Süd- und Zentralamerika vorkommt. Die Studie umfasst rund 1.000 Patienten, die positiv auf die Erkrankung getestet worden waren, diese wurden zur medikamentösen Therapie oder Placebo für 60 Tage zugewiesen. Das Follow-up betrug mindestens 2 Jahre. Die Studie fand in mehr als 50 Zentren in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Kolumbien und El Salvador statt.

Hot Line VI, Dienstag 1. September 1

Bei der abschließenden Hotline-Session ist laut Derumeaux das Highlight die Präsentation von Daten zur neuen frühen Stratifizierung von Patienten mit Verdacht auf KHK mittels CT-basierter Messung der fraktionierten Flussreserve (FFRCT). Die Prospective Longitudinal Trial of FFRCT: Outcome and Resource Impacts (PLATFORM) Studie vergleicht die Standard Evaluation mit der FFRCT-Strategie bei Verdacht auf KHK, um die Patienten entweder einer koronaren Revaskularisierung oder einem nicht invasiven konservativen Management zuzuweisen. Die Studie umfasst 580 stabile Patienten mit einer mittleren Wahrscheinlichkeit für eine obstruktive KHK und folgt diesen für 90 Tage, wobei ihr Erkrankungsstatus mit dem Standard quantitative Angiographie oder invasiv gemessene FFR verifiziert wird.

Die Sitzung wird auch nochmals ein komplettes Follow-up der bereits früher präsentierten MATRIX-Studie (Minimizing Adverse Hemorrhagic Events by Transradial Access Site and Systemic Implementation of AngioX ) bieten. Es handelt sich um den dual randomisierten Vergleich des transradialen vs transfemoralen Zugangs bei der Koronarintervention und den Vergleich Bivalirudin vs unfraktioniertes Heparin (mit/ohne Glykoprotein-IIb-/IIIa-Inhibitor) bei Patienten mit Nicht-ST-Hebungs- ACS (NSTE-ACS). Wie bereits berichtet, erwies sich der transradiale Zugang als vorteilhaft im Vergleich zum Zugang über die Leiste – dies hinsichtlich Mortalität aber auch schweren Blutungen, während bezüglich des antithrombotischen Medikamentenvergleichs die Ergebnisse weniger eindeutig waren. Weitere Analysen dazu sollen in London vorgestellt werden.

Die 6 Hotline-Sessions werden während des ESC-Kongresses vor dem Hauptauditorium gehalten, jeweils eine Sitzung vormittags von 11:00 bis 12:30 Ortszeit und nachmittags von 16:30 bis 18:00 Uhr am Sonntag, Montag und Dienstag.

Diese Artikel wurde von Sonja Böhm aus Medscape.com übersetzt und adaptiert

REFERENZEN:

1. Kongress der European Society of Cardiology (ESC), 29. August bis zum 2. September 2015, London

Kommentar

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