Wie sich Impfskeptiker am besten überzeugen lassen: Über Krankheitsrisiken informieren!

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

17. August 2015

Menschen mit einer skeptischen Einstellung gegenüber Impfungen sind eher bereit, diese zu ändern, wenn ihnen überzeugend die Gefahren von Infektionskrankheiten dargestellt werden, als wenn versucht wird, ihre Skepsis mit Gegenargumenten zu zerstreuen. Dies ergab eine amerikanische Studie, die von der Arbeitsgruppe um Dr. Zachary Horne, Abteilung für Psychologie an der Universität von Illinois in Champaign, in Proceedings of the National Academy of Science publiziert worden ist [1].

„Diese Studie zeigt, dass eine gezielte, von Fakten getragene Information das Verhalten gegenüber Impfungen positiv beeinflussen kann. Dieses Verfahren übertraf alternative Interventionen, in denen versucht wurde, Impf-Mythen zu widerlegen“, so das Fazit der Autoren.

Alternative Meinung anbieten anstatt existierende widerlegen

 
Diese Studie zeigt, dass eine gezielte, von Fakten getragene Information das Verhalten gegenüber Impfungen positiv beeinflussen kann. Dr. Zachary Horne und Kollegen
 

Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, sind häufig der Meinung, dass durch die Impfung nicht selten schwerwiegende unerwünschte Wirkungen ausgelöst werden können. Versuche, diese Meinung zu ändern, scheitern oft, weil Menschen dazu neigen, offensichtliche Belege, die ihrer Meinung widersprechen, zu ignorieren oder herunterzuspielen. Zudem ist es oft schwierig, überzeugende Belege für das Fehlen von Risiken vorzulegen. Daher ist es meist leichter, eine existierende Meinung durch eine alternative Meinung zu ersetzen.

Diese Überlegungen veranlassten die Arbeitsgruppe um Horne zu untersuchen, wie sich die Einstellung von Impfskeptikern zum Impfen ändert, wenn sie darüber informiert werden, dass die Wahrscheinlichkeit, an einer bestimmten Infektion zu erkranken, ohne Impfung hoch ist und dass die Folgen dieser Erkrankung schwerwiegend sein können.

Erhebung mit Fragebogen

Über das Internet rekrutierte die Arbeitsgruppe 315 Personen, die einen Fragebogen zu ihrem Impfverhalten und anderen Gesundheitsfragen ausfüllen sollten. Danach wurden die Teilnehmer in 3 Gruppen randomisiert.

Die erste Gruppe erhielt Informationen zu den Risiken von Erkrankungen, die durch Impfen verhindert werden können. Hierzu gehörten der Bericht einer Mutter, deren Kind an Masern erkrankt war, Bilder von Kindern mit Masern, Mumps und Röteln und 3 kurze Hinweise zur Bedeutung der Impfung von Kindern.

Die zweite Gruppe sollte eine Zusammenfassung aktueller Forschungsergebnisse lesen, in der dargestellt wurde, dass Impfen das Risiko für Autismus bei Kindern nicht erhöht. Die Kontrollgruppe erhielt Material zu einem wissenschaftlichen Thema, das mit dem Impfen nichts zu tun hatte.

Nach der Lektüre der Unterlagen mussten die Studienteilnehmer den Fragebogen zum Impfverhalten nochmals ausfüllen. Sie wurden zu ihrem Impfverhalten in der Vergangenheit und ihrem künftigen Verhalten befragt.

Die Auswertung der Befragungen zeigte, dass Menschen, die Informationen zur Erkrankung und ihren Risiken gelesen hatten, positiver in ihrer Einstellung gegenüber dem Impfen wurden als Menschen, die Informationen zu Autismus durch Impfen (p = 0,017) oder zu einem völlig anderen Thema erhalten hatten (p = 0,003).

Dieser Effekt war bei den Personen mit ausgeprägter Skepsis stärker als bei Personen, die weniger skeptisch gegenüber dem Impfen waren. Eltern und Nicht-Eltern zeigten ähnliche Reaktionen auf die verschiedenen Interventionen.

 

REFERENZEN:

1. Horne Z, et al: Proc Natl Acad Sci (online) 3. August 2015

 

Kommentar

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