DKFZ-Neuheit: Bei Prostatakrebs entdeckt radioaktiv markiertes PSMA-617 selbst kleinste Tumornester

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

14. Juli 2015

Die organisch-chemische Verbindung PSMA-617 lässt sich, mit unterschiedlichen Nukliden markiert, zur Diagnostik und Therapie von Prostatakrebs einsetzen. Das Theranostikum ist eine Entwicklung der Arbeitsgruppe um Dr. Matthias Eder vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Prof. Dr. Uwe Haberkorn vom Universitätsklinikum Heidelberg hat die Neuentwicklung im Rahmen individueller Heilversuch bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom angewendet: „Die Ergebnisse waren so vielversprechend, dass wir so bald wie möglich in einer klinischen Studie prüfen wollen, ob das PSMA-617 anderen Therapieverfahren überlegen ist“, so der Nuklearmediziner in einer Pressemitteilung des DFKZ und der Universitätsklinik Heidelberg [1].

 
Die Ergebnisse waren so vielversprechend, dass wir so bald wie möglich in einer klinischen Studie prüfen wollen, ob das PSMA-617 anderen Therapieverfahren überlegen ist. Prof. Dr. Uwe Haberkorn
 

Das Prostata-spezifisches Membran-Antigen (PSMA) ist ein Transmembranprotein, das in Prostatakarzinomzellen bis zu 1.000-fach stärker exprimiert wird als in normalen Prostatazellen. „PSMA ist deshalb ein ideales Zielmolekül für die Diagnostik und zugleich auch für zielgerichtete Therapie von Prostatakrebs“, erläutert Eder, Biotechnologe am DKFZ. Von den bisher entwickelten gegen PSMA gerichtet Substanzen sind einige zu instabil, reichern sich in Krebszellen zu wenig an oder werden zu langsam aus dem Organismus ausgeschieden.

Die DKFZ-Arbeitsgruppe entwickelte nun die organisch-chemische Verbindung PSMA-617, die spezifisch an PSMA binden kann und die sich mit verschiedenen Radionukliden markieren lässt. Sie reichert sich stark in Tumoren und Metastasen an und wird in den Krebszellen gut gespeichert.

Diagnostikum mit Gallium-68

Wird PSMA-617 mit schwach radioaktiven Nukliden, z.B. Gallium-68, markiert, lassen sich selbst kleinste Ansammlungen von Prostatakrebszellen mit der Positronenemissionstomografie (PET) sichtbar machen. „Damit können Ärzte kleine Krebsabsiedlungen in anderen Organen aufspüren oder sehr genau verfolgen, ob eine Therapie anschlägt. Bisher klinisch eingesetzte Diagnostika haben längst nicht diese Empfindlichkeit“, erklärt Eder.

 
PSMA ist deshalb ein ideales Zielmolekül für die Diagnostik und zugleich auch für zielgerichtete Therapie von Prostatakrebs. Dr. Matthias Eder
 

Vor allem bei niedrigen Werten des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) und hohem Gleason-Score ist der bisherige diagnostische Standard, die Cholin-PET/CT, wenig sensitiv und spezifisch. Untersuchungen, vor allem mit PSMA-11, zeigten, dass die PSMA-Liganden-PET/CT eine deutlich bessere Sensitivität und Spezifität aufweist. „Diese neue Methode der Bildgebung hat sich mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit national und international ausgebreitet und gilt als Durchbruch in der Diagnostik des rezidivierenden Prostatakarzinoms“, schreibt Dr. Ali Afshar-Oromieh, Nuklearmedizinische Praxis, Freiburg, in einem aktuellen Beitrag in Der Nuklearmediziner [2].

Radiopharmakon mit Lutetium-177 oder Actinium-225

Zum Radiopharmakon wird PSMA-617 durch Markierung mit stärker strahlenden Radioisotopen wie Lutetium-177 oder Actinium-225. Das Radiopharmakon wird selektiv von den Prostatakrebs-Zellen aufgenommen. Diese werden dann von innen heraus bestrahlt und damit zerstört. Im Universitätsklinikum Heidelberg wurden im Rahmen individueller Heilversuche bereits Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs mit radioaktiv markiertem PSMA-617 behandelt.

Nach Therapie mit Lu-177-markiertem PSMA-617 sank bei etwa 70% der Patienten der PSA-Spiegel stark ab, nach Behandlung mit Ac-225-markiertem PSMA-617 fiel der PSA-Spiegel sogar bei allen Patienten. PET/CT-Aufnahmen bestätigten darüber hinaus, dass die Metastasen kleiner wurden oder gar nicht mehr nachweisbar waren.

 

REFERENZEN:

 

Kommentar

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