Nicht jeder Halbseiten-Kopfschmerz ist Migräne – Therapiestrategien bei verschiedenen Kopfschmerzsyndromen

Manuela Arand

Interessenkonflikte

1. Juli 2015

Berlin – Schwere unilaterale  Schmerzen, begleitet von autonomen Symptomen wie Rhinorrhö, konjunktivaler  Injektion und Lidödem, kennzeichnen die trigemino-autonomen Kopfschmerzsyndrome  (TAK). Zu ihnen zählen der Cluster-Kopfschmerz, paroxysmale Hemikranien sowie das  SUNCT-Syndrom. Die Schmerzen beschränken sich meist auf Orbita, Supraorbital-  und Temporalregion.

„Trigemino-autonome  Kopfschmerzen kommen selten vor, aber man muss sie sorgfältig diagnostizieren,  weil viele davon exzellent, doch sehr selektiv auf bestimmte therapeutische  Optionen ansprechen“, betonte Prof. Dr. Arne May, Institut für Systemische Neurowissenschaften,  Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, beim ersten Kongress der European  Academy for Neurology [1].

Cluster-Kopfschmerz:  Sauerstoff, Sumatriptan oder Dihydroergotamin wirken am schnellsten

 
Trigemino-autonome Kopfschmerzen kommen selten vor, aber man muss sie sorgfältig diagnostizieren, weil viele davon exzellent, doch sehr selektiv auf bestimmte therapeutische Optionen ansprechen. Prof. Dr. Arne May
 

Am einfachsten zu erkennen, aber nach Mays Erfahrung  trotzdem oft verkannt, dürfte der Cluster-Kopfschmerz sein. Massive, strikt  einseitige Kopfschmerzen werden von ipsilateralen parasympathischen und  sympathischen Symptomen begleitet: Nase und Auge laufen, die Pupille ist eng,  das Lid hängt.

Der Schmerz dauert meist nur kurz – unbehandelt zwischen  15 und 180 Minuten –, wird von den Patienten aber als unerträglich beschrieben.  Meistens treten mehrere Attacken während einiger Wochen bis Monate auf, gefolgt  von einer längeren Kopfschmerzpause von mindestens 2 Wochen.

Die Patienten brauchen dringend eine sehr rasch wirksame  Akutmedikation, weil der Schmerz binnen kürzester Zeit sein Maximum erreicht.  „Die schnellste und zuverlässige Wirkung erreichen wir mit Sauerstoff,  Sumatriptan s. c. oder Dihydroergotamin i. m.“, so May.

Daneben sollte eine effektive Prävention angestrebt  werden, auch weil Patienten während der Cluster mehrere Attacken pro Tag  erleiden können und dann eine Übertherapie mit Akutmedikation droht. Zur  Verfügung stehen Steroide, die sehr schnell wirken, Verapamil, Methysergid  sowie die Antikonvulsiva Gabapentin und Topiramat.

Paroxysmale  Hemikranien: Indomethacin Mittel der Wahl

Noch wesentlich mehr Attacken als beim  Cluster-Kopfschmerz finden sich bei den paroxysmalen Hemikranien: Bis zu 40  kurze, aber starke Schmerzspitzen pro Tag sind beschrieben. Auf den ersten  Blick können sie leicht mit dem Cluster-Schmerz verwechselt werden, die  Attacken sind aber kürzer (meist 2 bis 45 Minuten) und die autonomen Symptome  schwächer.

Die Abgrenzung gegen den Cluster-Schmerz ist auch deshalb  wichtig, weil die Hemikranien gut und schnell auf Indomethacin ansprechen – das  gilt sogar als diagnostisches Kriterium –, aber kaum auf andere NSAR oder  Triptane. Es kann sinnvoll sein, Retardpräparate zu geben, um nächtlichen  Schmerzdurchbrüchen vorzubeugen, empfahl der Schmerztherapeut.

SUNCT: Selten, aber  extrem viele Attacken – und schwer behandelbar

SUNCT steht für kurzdauernde einseitige neuralgiforme  Kopfschmerzen (short-lasting unilateral neuralgiform headache) mit  Konjunktiva-Injektion und Tränenfluss. SUNCT zählt laut May zu den seltensten  Kopfschmerzformen überhaupt. Es ist durch eine extrem hohe Attackenfrequenz gekennzeichnet  – bis zu 200 pro Tag, bis zu 30 pro Stunde. Die Schmerzstärke ist eher gering, die  autonomen Symptome dafür umso stärker ausgeprägt. Die einzelnen Attacken dauern  sehr kurz, in der Regel wenige Sekunden bis 2 Minuten.

Diese Kopfschmerzform ist ausgesprochen schwer  behandelbar, wie May erläuterte: „SUNCT ist bemerkenswert refraktär gegen fast  alle unsere Therapien.“ Insbesondere für die Akutsituation fehlt es an  Optionen. Präventiv könnte sich neueren Berichten zufolge Lamotrigin bewähren,  und laut May kann man wahrscheinlich Topiramat oder Gabapentin als Zweitlinientherapie  in Erwägung ziehen.

 

REFERENZEN:

1. Erster Kongress der European Academy of  Neurology (EAN), 20. bis 23. Juni 2015, Berlin

 

Kommentar

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