Mit dem Antikörper Elotuzumab bleiben Patienten mit multiplem Myelom deutlich länger progressionsfrei

Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

18. Juni 2015

Prof. Dr. Sagar Lonial

(Photo: © ASCO/Todd Buchanan 2015)

Chicago – Die zusätzliche Gabe von Elotuzumab zu einer Standardtherapie aus Lenalidomid und Dexamethason verlängert bei Patienten mit rezidiviertem multiplem Myelom das progressionsfreie Überleben signifikant besser als die Standardtherapie allein. Diese Zwischenergebnisse der Phase-3-Studie ELOQUENT-2 stellte Prof. Dr. Sagar Lonial, Emory University School of Medicine in Atlanta (USA), beim diesjährigen Jahreskongress der ASCO in Chicago vor [1] und publizierte sie parallel im New England Journal of Medicine [2].

„Elotuzumab ist der erste monoklonale Antikörper, für den in Kombination mit Lenalidomid/Dexamethason in einer großen Phase-3-Studie ein Nutzen für das progressionsfreie Überleben gezeigt werden konnte“, so das Fazit von Lonial.

 
Elotuzumab ist der erste mono- klonale Antikörper, für den in Kombination … bei rezidiviertem oder refraktärem multiplen Myelom ein Nutzen für das progressions- freie Überleben gezeigt werden konnte. Prof. Dr. Sagar Lonial
 

Elotuzumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der gegen Signaling Lymphocytic Activation Molecule F7 (SLAMF7) gerichtet ist. SLAMF7 wird auf Myelom- und auf Natürlichen Killer(NK)-Zellen stark exprimiert, ist jedoch nicht im normalen Gewebe zu finden.

Wie Lonial erläuterte, wirkt Elotuzumab über einen dualen Mechanismus: Durch Bindung an SLAMF7 aktiviert es direkt NK-Zellen, nicht jedoch Myelom-Zellen. NK-Zellen aktiviert Elotuzumab zudem über CD16, hierdurch können NK-Zellen Myelomzellen selektiv via Antikörper-abhängige zytotoxische Effekte abtöten.

Vergleich mit Standardtherapie

In einer Phase-2-Studie hatte Elotuzumab bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason das progressionsfreie Überleben verlängert. Daher verglichen nun Lonial und seine Kollegen Wirksamkeit und Verträglichkeit der Dreifachkombination gegen die Standardtherapie aus Lenalidomid und Dexamethason.

In die von Bristol-Myers Squibb und Abbvie finanzierte offene multizentrische Studie wurden 646 Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom aufgenommen. Sie wurden randomisiert mit Elotuzumab plus Lenalidomid/Dexamethason (n = 321) oder Lenalidomid/Dexamethason (n = 325) behandelt. Koprimäre Endpunkte waren das progressionsfreie Überleben und die Gesamtansprechrate.

Lonial berichtete die Ergebnisse einer geplanten Interimsanalyse, die nach einer Mindestnachbeobachtungszeit von 2 Jahren und nach dem Auftreten von 70% der Ereignisse vorgesehen war. Stichtag für diese Zwischenanalyse war der 4. November 2014. Die Patienten der Elotuzumab-Gruppen hatten im Median 19 Behandlungszyklen, die der Kontrollgruppe 14 Zyklen erhalten. In der Elotuzumab-Gruppe werden noch 35% und in der Kontrollgruppe 21% der Patienten weiter behandelt.

Elotuzumab-Patienten lebten mit 19,4 Monaten im Median signifikant länger progressionsfrei als Kontrollpatienten mit 14,9 Monaten (p = 0,0004). 68% der Elotuzumab-Patienten lebten ein Jahr progressionsfrei, 41% sogar 2 Jahre ohne Progression, in der Kontrollgruppe waren es 57% bzw. 27%. Das progressionsfreie Überleben war mit Elotuzumab in allen Subgruppen besser als in der Kontrollgruppe, auch bei Patienten mit Deletion del17p sowie Translokation t(4;14).

 
Diese Studie beinhaltet einen innovativen Therapieansatz – er kombiniert die Präzision einer gezielten, immunbasierten Behandlung mit einer traditionellen Myelomtherapie. Prof. Dr. Julie M Vose
 

Die Gesamtansprechrate lag mit Elotuzumab bei 79%, ohne Elotuzumab bei 66% (p = 0,0002). Die Daten zum Gesamtüberleben sind derzeit noch nicht auswertbar.

Insgesamt wurde der Antikörper gut vertragen. Vor allem bei der ersten Gabe kam es bei etwa 10% der Patienten zu Infusionsreaktionen.

Innovativer Therapieansatz

„Diese Studie beinhaltet einen innovativen Therapieansatz – er kombiniert die Präzision einer gezielten, immunbasierten Behandlung mit einer traditionellen Myelomtherapie. Die Ergebnisse sind sehr ermutigend“, kommentierte ASCO-Expertin Prof. Dr. Julie M Vose, Hämatoonkologin an der Universität von Nebraska, Omaha (USA), die Daten.

 

REFERENZEN:

1. ASCO Annual Meeting, 31. Mai bis 2. Juni 2015, Chicago (Abstract 8508)

2. Lonial S, et al: NEJM (online) 2. Juni 2015

 

 

Kommentar

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