Duktales Karzinom in situ: Anastrozol verzögert das invasive Mammakarzinom – besser als Tamoxifen

Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

16. Juni 2015

Chicago – Der Aromatasehemmer Anastrozol erhöhte bei postmenopausalen Frauen mit einem duktalen Karzinom in situ (DCIS) die brustkrebsfreie Überlebensrate nach 10 Jahren stärker als Tamoxifen. Dies ergab die NSABP-B-35-Studie, deren Daten Prof. Dr. Richard G. Margolese, Montreal (Kanada), beim ASCO-Kongress in Chicago vorstellte [1].

 
Die gute Nachricht ist, dass sowohl Tamoxifen als auch Anastrozol wirksam sind – es scheint jedoch so zu sein, dass es Frauen mit Anastrozol eher länger gut geht. Prof. Dr. Richard G. Margolese
 

„Die gute Nachricht ist, dass sowohl Tamoxifen als auch Anastrozol wirksam sind – es scheint jedoch so zu sein, dass es Frauen mit Anastrozol eher länger gut geht“, so der Kommentar des chirurgischen Onkologen.

Frauen mit einem DCIS haben ein erhöhtes Risiko, an einem invasiven Mammakarzinom zu erkranken. Das DCIS wird deshalb lumpektomiert und bestrahlt. Für die adjuvante Therapie werden Tamoxifen und Aromatasehemmer eingesetzt, um invasiven und nicht invasiven Rezidiven sowie Tumoren an der anderen Brust vorzubeugen.

Margolese und seine Kollegen verglichen nun erstmals in einer Phase-3-Studie eine über 5 Jahre dauernde Therapie mit Tamoxifen und mit Anastrozol. „Das Design war sehr einfach“, so Margolese: In die von den National Institutes of Health (NIH) finanzierte NSABP-B-35 Studie wurden zwischen Januar 2003 und Juni 2006 postmenopausale Frauen aufgenommen, deren DCIS lumpektomiert worden war. Sie waren Hormonrezeptor-positiv und früher nicht an einem invasiven Mammakarzinom oder DCIS erkrankt.

1.538 Frauen nahmen Tamoxifen, 1.539 Anastrozol über 5 Jahre. Im Median wurden sie 9 Jahre beobachtet. 53% der Frauen waren älter als 60 Jahre.

Bessere Wirkung von Anastrozol bei jüngeren Frauen

Nach 10 Jahren waren in der Anastrozol-Gruppe 93,5% der Frauen und in der Tamoxifen-Gruppe 89,2% brustkrebsfrei (Hazard-Ratio 0,73, p = 0,03). Allerdings wirkte Anastrozol nur bei den Frauen im Alter unter 60 Jahren besser als Tamoxifen: Brustkrebsfrei überlebten in dieser Anastrozol-Gruppe 94,9% und in der Tamoxifen-Gruppe 88,2% (HR 0,52, p = 0,003).

Kein signifikanter Unterschied zeigte sich bei den Frauen ab einem Alter von 60 Jahren, in der Anastrozolgruppe überlebten 92,2% 10 Jahre brustkrebsfrei, in der Tamoxifen-Gruppe waren es 90,2% (HR 0,95, p = 0,77).

Das krankheitsfreie Überleben nach 10 Jahren unterschied sich mit 82,7% in der Anastrozol-Gruppe und 77,9% in der Tamoxifen-Gruppe nicht signifikant (HR 0,89, p = 0,21). Die Subgruppenanalyse zeigte aber auch für diesen Parameter eine signifikant bessere Wirkung von Anastrozol bei Frauen unter 60 Jahren (88,8% versus 81,5 %, HR 0,69, p = 0,02).

Das 10-Jahres-Gesamtüberleben war mit 92,5% in der Anastrozol-Gruppe vergleichbar gut wie mit 92,1% in der Tamoxifen-Gruppe (HR 1,11, p = 0,48).

Risiken bei der Therapieentscheidung individuell berücksichtigen

Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen ähnlich häufig. In der Anastrozol-Gruppe kam es etwas häufiger zu osteoporotischen Frakturen; der Unterschied zwischen den Gruppen war jedoch nicht signifikant. Die Einnahme von Tamoxifen ging mit einer erhöhten Rate von Karzinomen des Uterus und thromboembolischen Ereignissen einher, aber auch hier waren die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen nicht signifikant.

Margolese zog aus den Ergebnissen das Fazit, dass für Frauen mit DCIS nun neben Tamoxifen eine weitere wirksame und verträgliche Therapieoption zur Prävention von invasiven Karzinomen zur Verfügung stehe, wobei vor allem Frauen unter 60 Jahren von dem Aromatasehemmer eher profitieren könnten.

ASCO-Experte Prof. Dr. Don S. Dizon, Boston, meinte, dass Aromatasehemmer wie Anastrozol im Vergleich zu Tamoxifen wichtige Vorteile hätten, aber „Patienten und Ärzte müssen immer die ganze Bandbreite der Optionen in ihren Überlegungen berücksichtigen, denn jeder Therapieansatz beinhaltet seine eigenen Risiken und Vorteile“.

 

REFERENZEN:

1. ASCO Annual Meeting, 29. Mai bis 2. Juni 2015, Chicago (Abstract LBA500)

 

Kommentar

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