PD1-Inhibitor Pembrolizumab: Vielversprechend bei rezidivierten oder metastasierten Kopf-Hals-Tumoren

Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

12. Juni 2015

Prof. Dr. Tanguy Seiwert

Chicago – In der bislang größten Studie mit einem Immuntherapeutikum erwies sich der PD1-Inhibitor Pembrolizumab bei Patienten mit fortgeschrittenem Kopf-Hals-Tumor als gut wirksam. Prof. Dr. Tanguy Seiwert, Chicago, stellte die vorläufigen Ergebnisse aus der KEYNOTE-012-Studie beim ASCO-Kongress 2015 vor. „Bei einem von vier Patienten wurde ein Ansprechen erreicht, dies ist zweimal so viel wie das bisher beste Ergebnis bei gezielter Therapie“, kommentierte er.

Kopf-Hals-Tumoren sind relativ häufig, sie gehören zu den 5 häufigsten Krebserkrankungen weltweit. Die rezidivierte/metastasierte Erkrankung ist schwer zu therapieren. „Sie hat eine ähnliche schlechte Prognose wie Lungenkrebs“, erläuterte Seiwert. Das mediane Gesamtüberleben der Patienten liegt nach einer Erstlinientherapie bei 13 Monaten, bei zuvor therapierten Patienten bei 6 Monaten. Zur Standardbehandlung gehört initial eine Platin-haltige Chemotherapie mit oder ohne Cetuximab, in der zweiten Linie werden Methotrexat, Docetaxel und Cetuximab eingesetzt.

In einer Expansionskohorte der Phase-1b-Studie KEYNOTE-012 wurden nun 132 vorbehandelte Patienten mit dem PD1-Inhibitor Pembrolizumab in einer Dosierung von 200 mg i.v. alle 3 Wochen behandelt. Sie litten unter einem fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumor und wurden unabhängig vom PD-L1- und vom HPV-Status in die Studie eingeschlossen.

Hohe Krankheitskontrollrate, anhaltendes Ansprechen

 
Eine Krankheitskontrollrate von fast 50 Prozent ist bemerkenswert, vor allem bei einer so stark vorbehandelten Patientengruppe. Prof. Dr. Tanguy Seiwert
 

Bei Behandlung mit Pembrolizumab wurde eine Gesamtansprechrate von 24,8% erreicht. Sie war bei HPV-positiven Patienten mit 20,6% und HPV-negativen Patienten mit 27,2% ähnlich gut. Ein komplettes und partielles Ansprechen sowie eine stabile Erkrankung erreichten 49,6% der Patienten.

„Eine Krankheitskontrollrate von fast 50 Prozent ist bemerkenswert, vor allem bei einer so stark vorbehandelten Patientengruppe“, kommentierte Seiwert. Bei 56% der Patienten verkleinerte sich der Tumor. Die mediane Dauer des Ansprechens ist bislang noch nicht erreicht. 86% der Responder befanden sich am Stichtag 23. März 2015 noch in Remission.

Die unerwünschten Wirkungen entsprachen den bisher in anderen Studien beobachteten. Am häufigsten waren Fatigue (15,2%), Hypothyreoidismus (9,1%), verminderter Appetit (7,6%), Hautausschlag (7,6%), trockene Haut (6,8%) und Fieber (6,8%). In wenigen Fällen kam es zu immunologisch bedingten Nebenwirkungen wie interstitieller Lungenerkrankung vom Grad 2 (n = 1), Grad-3-Kolitis (n = 1) sowie Grad-3-Pneumonitis (n = 2).

 
Die Ergebnisse dieser Studie sind ein weiteres gutes Beispiel dafür, dass eine PD1-Immuntherapie besser wirkt und weniger Nebenwirkungen hat als bisher verfügbare Substanzen. Prof. Dr. Gregory A. Masters
 

Prof. Dr. Gregory A. Masters, Newark, ASCO-Experte für Kopf-Hals-Tumoren, kommentierte: „Die Ergebnisse dieser Studie sind ein weiteres gutes Beispiel dafür, dass eine PD1-Immuntherapie besser wirkt und weniger Nebenwirkungen hat als bisher verfügbare Substanzen. Die Bandbreite der Patienten, die auf Pembrolizumab angesprochen haben, ist größer als in allen bisherigen Studien. Wir brauchen aber noch größere Studien mit längere Nachbeobachtungszeit, um den Effekt dieser Therapie auf das Überleben der Patienten zu untersuchen.“

Derzeit wird Pembrolizumab in 2 Phase-3-Studie bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren im Vergleich zu einer Standard-Chemotherapie untersucht.

 

REFERENZEN

1. ASCO Annual Meeting, 31. Mai bis 2. Juni 2015, Chicago (Abstact LBA 6008)

 

Kommentar

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