Bessere Langzeit-Überlebensraten für Kinder mit Krebs: Weniger aggressive Therapien verursachen weniger Spätfolgen

Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

4. Juni 2015

Prof. Dr. Gregory T. Armstrong

Chicago – Die späte Sterblichkeit von an Krebs erkrankten Kindern hat in den letzten 30 Jahren abgenommen. Dies bestätigt eine retrospektive Analyse der Childhood Cancer Survivor Study mit mehr als 34.000 Patienten, die Prof. Dr. Gregory T. Armstrong, Memphis (USA), in der Plenarsitzung beim ASCO-Kongress vorgestellt hat [1].

Bei Kindern, die ihre Krebserkrankung 5 Jahre überlebt hatten, sank die kumulative Gesamtsterblichkeit 15 Jahre nach der Diagnose von 10,7% in den Jahren 1970 bis 1974 auf 5,8% in den Jahren 1990 bis 1994. „Vor fünfzig Jahren überlebte nur eines von fünf Kindern eine Krebserkrankung, heute leben noch mehr als 80 Prozent nach fünf Jahren. Sie wachsen jedoch mit einem erhöhten Risiko auf, an Spätfolgen wie Herzerkrankungen oder Zweitkarzinomen zu sterben“, erläuterte Armstrong. „Nun können wir nicht nur mehr Kindern ein Überleben ihrer primären Krebserkrankung ermöglichen, sondern auch ihre Lebensdauer insgesamt durch eine Verringerung der Toxizität mit modernen Therapieregimen verlängern.“

Therapiebedingte Spätfolgen nehmen mit der Zeit zu

Mehr als 83% der Kinder mit einer malignen Erkrankung überleben diese mindestens 5 Jahre. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass bis zu 18% dieser Überlebenden innerhalb von 30 Jahren nach der Diagnose sterben. Hauptursachen hierfür sind die Progression oder ein Rezidiv der primären Krebserkrankung, Unfälle und Suizide sowie Spätfolgen der Krebstherapie.

Während die Zahl der Todesfälle aufgrund einer Progression oder eines Rezidivs der Ersterkrankung über die Zeit ein Plateau erreicht, nehmen die durch therapiebedingte Spätfolgen verursachten Todesfälle über die Zeit immer weiter zu.

 
Nun können wir nicht nur mehr Kindern ein Überleben ihrer primären Krebserkrankung ermöglichen, sondern auch ihre Lebensdauer … verlängern. Prof. Dr. Gregory T. Armstrong
 

In der Behandlung von Kindern mit Krebs wurde daher durch verschiedene Strategien versucht, die Intensität der Therapie zu verringern und damit das Risiko von Spätschäden zu senken. So wird heute zum Beispiel bei Patienten mit ALL auf eine kraniale Bestrahlung verzichtet, beim Morbus Hodgkin wird mit reduzierter Dosis oder ebenfalls gar nicht mehr bestrahlt.

Gesamtsterblichkeit halbiert

Armstrong und seine Kollegen analysierten retrospektiv anhand der Daten der Childhood Cancer Survivor Study das Langzeit-Outcome von 34.033 Patienten mit Krebs in der Kindheit in den Jahren 1970 bis 1999, die mindestens 5 Jahre überlebt hatten. Alle Patienten waren bei der Diagnose jünger als 21 Jahre, sie waren an Leukämie, Lymphom, ZNS-Tumoren, Wilms-Tumor, Neuroblastom, Weichgewebe- oder Knochentumoren erkrankt.

Im Durchschnitt wurden die Krebs-Überlebenden über einen Zeitraum von 21 Jahren nach ihrer Diagnose beobachtet. Im Analysenzeitraum waren 3.958 (12%) der Patienten gestorben, davon waren 1.622 Todesfälle (41%) vorwiegend durch gesundheitsbezogene Ursachen bedingt. 751 Todesfälle waren durch Zweitkarzinome, 243 durch kardiale und 136 durch pulmonale Erkrankungen verursacht.

Die kumulative Gesamtsterblichkeit innerhalb von 15 Jahren nach Diagnose wurde im Untersuchungszeitraum halbiert, sie sank von 10,7% bei Patienten, deren Erkrankung zwischen 1970 und 1974 diagnostiziert worden war, auf 5,8% bei Krankheitsbeginn zwischen 1990 und 1994.

Auch die durch gesundheitsbezogene Ursachen ausgelösten Todesfälle sanken in diesem Zeitraum von 3,5 auf 2,1%. Zum Beispiel nahmen durch Zweittumoren, kardiale und pulmonale Komplikationen bedingte Todesfälle signifikant ab.

Gesundheitsbezogene Ursachen einer späten Sterblichkeit bei Kindern nach Krebserkrankungen innerhalb von 15 Jahren nach der Diagnose (nach Armstrong)

Therapiezeitraum

Gesundheitsbezogene Ursachen

Zweittumor

Kardial

Pulmonal

1970-74

3,5

1,8

0,5

0,5

1975-79

2,9

1,5

0,4

0,2

1980-84

2,7

1,3

0,3

0,3

1985-89

2,2

1,3

0,1

0,2

1990-94

2,1

1,0

0,1

0,1

p-Wert

< 0,001

< 0,001

0,001

0,04

 

Die Verbesserung des Überlebens in jüngerer Zeit war vor allem auf eine Verringerung von Spätkomplikationen der Therapie zurückzuführen, wobei die Risikoreduktion bei Patienten, die einen Wilms-Tumor, ein Hodgkin-Lymphom und eine akute lymphoblastische Anämie (ALL) überlebt hatten, besonders ausgeprägt war. Kardiale Todesfälle traten in jüngerer Vergangenheit bei Überlebenden aller 3 Krebsformen signifikant seltener auf, während Zweittumoren nur bei Patienten mit Wilms-Tumor seltener waren.

Verbesserte Therapiemöglichkeiten – weniger intensive Regime

„Die Strategie der Reduktion der Therapieintensität zur Verringerung der Spätfolgen hat zusammen mit der früheren Entdeckung und der verbesserten Behandlung der späten Effekte zu einer Verlängerung der Lebenszeit der Überlebenden einer Krebserkrankung in der Kindheit geführt“, so das Fazit von Armstrong.

Prof. Dr. Stephen Hunger, pädiatrischer Onkologe aus Aurora im US-Bundesstaat Colorado, ergänzte: „Durch eine sorgfältige Optimierung der Krebsbehandlung von Kindern haben wir die Langzeitergebnisse deutlich verbessert. Die Heilungsraten stiegen an, parallel sanken Todesfälle aufgrund von Therapiekomplikationen. Wir hoffen, dass wir den derzeit beobachteten Trend fortsetzen können, so wie sich unsere therapeutischen Möglichkeiten weiter verbessern.“

 

REFERENZEN

1. ASCO Annual Meeting, 31. Mai bis 2. Juni 2015, Chicago (Abstract LBA2)

 

Kommentar

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