HELIOS-Studie mit Ibrutinib: Ein Ergebnis, das „die Welt der rezidivierten chronisch lymphatischen Leukämie verändert“

Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

2. Juni 2015

Prof. Dr. Asher Chanan-Khan

Chicago – Die zusätzliche Gabe des Brutontyrosinkinasehemmers Ibrutinib zur bisherigen Standardtherapie aus Bendamustin/Rituximab verringert bei Patienten mit rezidivierter chronisch lymphatischer Leukämie (CLL) das Risiko für eine Progression oder Tod um 80%. „Das ist eine der schlüssigsten Studien, die bei Patienten mit CLL durchgeführt wurden. Sie belegt eindeutig, dass Ibrutinib eine wichtige Substanz für die Behandlung dieser Erkrankung ist“, sagte Prof. Dr. Asher Chanan-Khan, Jacksonville, Florida, USA, bei der Präsentation der Ergebnisse beim ASCO-Kongress in Chicago [1].

Die CLL ist eine der häufigsten Leukämien bei Erwachsenen. Seit vielen Jahren wird sie standardmäßig mit Chemotherapie in Kombination mit Rituximab behandelt. So kann sie oft über lange Zeit kontrolliert, jedoch nicht geheilt werden. Letztendlich werden alle Patienten gegen diese Therapie resistent. Für Patienten mit Krankheitsverschlechterung oder Rezidiv stehen derzeit kaum Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Als Standard gilt derzeit die Kombination aus Bendamustin und Rituximab.

Mit dem Brutontyrosinkinasehemmer Ibrutinib ist in einer Phase-1b-Studie in Kombination mit Bendamustin/Rituximab eine Ansprechrate von 93,3% und ein progressionsfreies Überleben von 70,3% nach 3 Jahren erreicht worden. Die nun von Chanan-Khan beim ASCO-Kongress vorgestellte Phase-3-Studie HELIOS hat die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Ibrutinib (additiv zu Bendamustin/Rituximab) versus Placebo bei vorbehandelten CLL-Patienten untersucht.

In der von der Firma Janssen finanzierten Studie erhielten je 289 Patienten Ibrutinib (420 mg oral täglich) bzw. Placebo – dies jeweils zusätzlich zu 6 Zyklen Bendamustin/Rituximab. Die Behandlung mit Ibrutinib bzw. Placebo erfolgte bis zur Progression der Erkrankung und wurde nur bei inakzeptabler Toxizität abgebrochen. Patienten der Placebo-Gruppe konnten bei Progression mit Ibrutinib weiter behandelt werden.

Der primäre Endpunkt der Studie war das von einer unabhängigen Gruppe beurteilte progressionsfreie Überleben (PFS). Zu den sekundären Endpunkten gehörten die Gesamtansprechrate, das Gesamtüberleben, die Rate an minimaler Resterkrankung sowie die Sicherheit der Therapie.

Interimsanalyse belegt PFS-Verlängerung

Chanan-Khan präsentierte beim ASCO-Kongress die Ergebnisse einer geplanten Interimsanalyse nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 17 Monaten. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Studie den primären Endpunkt erreicht. Das Sicherheitskomitee empfahl deshalb eine Entblindung.

 
Die Therapie dieser Patienten wird nun nicht mehr nur mit Bendamustin/Rituximab, sondern mit Bendamustin/Rituximab plus Ibrutinib erfolgen. Prof. Dr. Asher Chanan-Khan
 

Das Ergebnis hat „die Welt bei der rezidivierten CLL verändert“, so Chanan-Khan: Die Kombination mit Ibrutinib reduzierte das Risiko für Progression oder Tod um 80%. Im Median waren die Patienten in der Kontrollgruppe 13,3 Monate progressionsfrei; in der Ibrutinib-Gruppe ist der mediane Wert dafür bislang noch nicht erreicht (Hazard-Ratio: 0,203; p < 0,0001). Die Kurven für das progressionsfreie Überleben begannen sich früh, nämlich bereits nach 4 Monaten, zu trennen.

Die Gesamtansprechrate betrug in der Ibrutinib-Gruppe 82,7%, in der Kontrollgruppe 67,8% (p < 0,0001). Die endgültigen Daten zum Gesamtüberleben liegen derzeit noch nicht vor. Doch bislang liegt das Sterberisiko in der Inbrutinid-Gruppe um 37% niedriger, ein Unterschied, der mit einem p-Wert von 0,0598 knapp nicht signifikant ist – allerdings, wie Chanan-Khan einschränkte, dadurch abgeschwächt wird, dass zum Zeitpunkt der Analyse schon 90 Patienten der Kontrollgruppe in die Ibrutinib-Gruppe gewechselt waren.

Die Art und Häufigkeit der Nebenwirkungen entsprachen dem, was aus bisherigen Studien bekannt war. Am häufigsten traten Übelkeit und ein Abfall der weißen Blutzellen auf.

Potenter Therapieansatz

HELIOS ist die zweite randomisierte Phase-3-Studie, die zeigt, dass Ibrutinib bei Patienten mit vorbehandelter CLL den Rückfall signifikant verzögert. „Die Therapie dieser Patienten wird nun nicht mehr nur mit Bendamustin/Rituximab, sondern mit Bendamustin/Rituximab plus Ibrutinib erfolgen“, so das Fazit von Chanan-Khan.

ASCO-Expertin Prof. Dr. Merry-Jennifer Markham, Gainesville, Florida, USA, sagte: „Wir haben nun einen weiteren sehr potenten Therapieansatz für CLL-Patienten, bei denen die anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Diese Ergebnisse belegen, dass wir bessere Ergebnisse erzielen können, wenn wir neue Therapien mit etablierten Behandlungsmöglichkeiten kombinieren.“

Als einer der nächsten Schritte wird Ibrutinib in Mono- und Kombinationstherapie bei bislang unbehandelten Patienten mit symptomatischer und asymptomatischer CLL untersucht werden.

 

REFERENZEN

1. ASCO Annual Meeting, 29. Mai bis 2. Juni 2015, Chicago (Abstract LBA7005)

 

Kommentar

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