Körperliche Fitness schützt vor schlechten Cholesterinwerten über viele Jahre

Nadine Eckert

Interessenkonflikte

20. Mai 2015

Dr. Martin Halle

Der Cholesterinspiegel steigt mit dem Alter an. Aber durch ausreichend körperliche Aktivität und Fitness lässt sich einer Studie zufolge dieser altersbedingte Cholesterinanstieg um bis zu 15 Jahre nach hinten verschieben. „Und man muss kein Spitzensportler sein, um von diesem Effekt zu profitieren“, betont Prof. Dr. Martin Halle im Gespräch mit Medscape Deutschland.

Die Daten stammen aus der Aerobics Center Longitudinal Study. „Die Studie untersucht Menschen, die seit 1970 an der Cooper Clinic in Dallas an allgemeinen Gesundheitsuntersuchungen teilgenommen haben und nachbeobachtet wurden“, berichtet Halle, der an der TU München das Zentrum für Prävention und Sportmedizin leitet. Den Zusammenhang zwischen körperlicher Fitness, Alter und Blutlipiden analysierte nun eine Arbeitsgruppe um Erstautor Dr. Yong-Moon Mark Park von der University of South Carolina, USA,  an mehr als 11.000 gesunden männlichen Studienteilnehmern.

 
Und man muss kein Spitzen-sportler sein, um von diesem Effekt (von Fitness auf den Cholesterinspiegel) zu profitieren. Prof. Dr. Martin Halle
 

Die körperliche Fitness wurde durch Leistungstests auf dem Fahrradergometer ermittelt. Anhand der maximalen Ergebnisse der Leistungstests (Energieverbrauch in METs bei höchster Belastung) wurden die Männer in 3 Fitnesskategorien (niedrig, mittel und hoch) eingeteilt. Gesamt-, LDL-, HDL- und Nicht-HDL-Cholesterin sowie die Triglyzeride wurden morgens im nüchternen Zustand gemessen.

Altersbedingte Lipidveränderungen üblicherweise ungünstig

„Altersbedingte Veränderungen des Lipid- und Lipoproteinprofils sind üblicherweise ungünstig“, schreiben die Autoren. Auch in der Aerobics Center Longitudinal Study entsprachen die Trends dem, was in früheren Studien beobachtet wurde: Gesamt- und LDL-Cholesterin sowie Triglyzeride stiegen bis zu einem bestimmten Alter (Mitte 40 bis Anfang 50) an und nahmen danach wieder ab, während sich das HDL-Cholesterin gerade umgekehrt verhielt.

Neu war, dass die körperliche Fitness sich in unterschiedlichen Altersklassen unterschiedlich auf die Lipidprofile auswirkte: Während die Fitness im jungen und mittleren Alter stark invers mit den Konzentrationen an Gesamt-, LDL- und Nicht-HDL-Cholesterin assoziiert war, war dies bei älteren Männern nicht der Fall.

Schlechtere Cholesterinwerte nach hinten verschieben

Folglich verschob sich das Auftreten eines anomalen Lipidprofils bei den am besten trainierten Männern im Vergleich zu Männern mit der niedrigsten körperlichen Fitness beträchtlich nach hinten. Männer mit niedriger körperlicher Fitness entwickelten häufiger schon in den frühen 30ern hohe Cholesterinwerte, während dies bei den besser trainierten Männern erst mit Mitte 40 der Fall war. Männer mit niedriger körperlicher Fitness hatten außerdem häufiger schon mit Anfang 20 anomale HDL-Cholesterinwerte und mit Mitte 30 anomale Nicht-HDL-Cholesterinwerte. Bei Männern mit hoher körperlicher Fitness blieben diese Werte dagegen über die gesamte Lebensspanne normal.

„Die wichtigste Implikation der vorliegenden Studie ist wahrscheinlich, dass eine Verbesserung der körperlichen Fitness, speziell bei jüngeren oder mittelalten Personen, den Ausbruch sowie Komplikationen der Arteriosklerose beträchtlich hinauszögern könnte, indem sie die Lipoproteinkonzentrationen im Serum günstig beeinflusst“, betonen Dr. Usman Baber und Prof. Dr. Paolo Boffetta vom Institute of Translation Epidemiology an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai, in einem Editorial [2].

Bei den in der Aerobics Center Longitudinal Study untersuchten Teilnehmern handelt es sich um eine Niedrigrisikogruppe. Die Diabetesprävalenz war niedrig, der durchschnittliche BMI lag bei 25,9 kg/m2 und mehr als die Hälfte der Teilnehmer erreichte beim Fahrradergometer-Belastungstest Werte, die für ein niedriges kardiovaskuläres Risiko sprechen.

„Diese Charakteristika sind nicht typisch für Patienten, denen der Arzt in der täglichen klinischen Praxis Sport und Bewegung verschreiben würde“, schreiben Baber und Boffetta. Es sei anzunehmen, dass die von Park und seinen Kollegen in einer Niedrigrisikokohorte beobachteten günstigen Effekte körperlicher Fitness auf Veränderungen des Lipidprofils bei Patienten mit höherem Risiko noch größer ausfallen könnten.

Umsetzung in die klinische Praxis notwendig

 
Es müssen nun Anstrengungen unternommen werden, um diese Erkenntnisse in die klinische und präventive Praxis umzusetzen. Dr. Usman Baber und Prof. Dr. Paolo Boffetta
 

„Es müssen nun Anstrengungen unternommen werden, um diese Erkenntnisse in die klinische und präventive Praxis umzusetzen. Die Öffentlichkeit muss mit mehr Nachdruck auf die Bedeutung körperlicher Aktivität hingewiesen werden und Ärzte sollten ihre Patienten hinsichtlich geeigneter Trainingsprogramme beraten“, so Baber und Boffetta.

Halle betont: „Auch die in dieser Studie fitteste Kategorie von Teilnehmern bewegte sich noch in einem ‚normalen‘ Bereich. Man kann also mit einem im Allgemeinen für jeden machbaren Level an körperlicher Aktivität seinen Fitnesszustand ausreichend beeinflussen, um einen Effekt auf die altersbedingten Veränderungen der Blutlipide zu erreichen – auch was das LDL-Cholesterin anbelangt, von dem häufig behauptet wird, es lasse sich durch Lebensstilmodifikationen kaum beeinflussen.“

 

REFERENZEN:

1. Park YMM, et al: J Am Coll Cardiol. 2015;65(19):2091-2100

2. Baber U, et al: J Am Coll Cardiol. 2015;65(19):2101-2103

 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....