Schuppenflechte: Digitale Phototherapie bestrahlt nur erkrankte Bereiche und schont gesunde Haut

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

31. März 2015

UV-Licht ist seit langem ein probates Mittel gegen Psoriasis. Allerdings schädigen sowohl die therapeutische Bestrahlung als auch häufiges Sonnenbaden, das die Patienten intuitiv selbst nutzen, die gesunden Hautbezirke. Vorteilhaft wäre eine gezielte UV-Therapie nur der befallenen Hautbezirke. Exakt das hat jetzt das Team um Prof. Dr. Thomas Werfel der Medizinischen Universität Hannover (MHH) versucht: mit der digitalen Phototherapie.

„Im Prinzip ist das eine spannende Sache“, sagt Dr. Carsten Weishaupt, Oberarzt an der Klinik für Hautkrankheiten des Universitätsklinikums Münster, auf Nachfrage von Medscape Deutschland. „Eine lokale UV-Strahlentherapie ist bei Hauterkrankungen mit begrenzter Ausbreitung möglicherweise ein sinnvoller Ansatz“, so der Oberarzt an der Klinik für Hautkrankheiten des Universitätsklinikums Münster. Denn die Crux der hilfreichen Ganzkörperbestrahlung bei Psoriasis ist ja: „Je mehr UV-Licht die Haut abbekommt, desto stärker die Hautalterung und desto eher kann Hautkrebs entstehen.“

 
Eine lokale UV-Strahlen-therapie ist bei Hauterkrankungen mit begrenzter Ausbreitung möglicherweise ein sinnvoller Ansatz. Dr. Carsten Weishaupt
 

Weishaupt berichtet von Patienten, deren Symptome mit UV-Therapie zwar erfolgreich behandelt werden konnten, die Jahre später dann aber in der Tumorsprechstunde auftauchten. „Das will man natürlich verhindern“. Für ihn ist deshalb der Clou an dem neuen Ansatz, dass nur die erkrankte Haut bestrahlt, die gesunde Haut hingegen geschont wird.

UV-Licht gezielt auf den Psoriasis-Plaque lenken

Psoriasis ist nicht selten – 2 bis 3% aller Europäer sind von der Schuppenflechte betroffen. Auch die herkömmliche PUVA-Behandlung nutzt UV-Licht. Der Photosensibilisator 8-Methoxypsoralen (8-MOP) wird im Bad oder als Creme aufgetragen oder oral eingenommen und mit UV-A, also langwelligem UV-Licht kombiniert.

Für ihre Studie hatten Werfel und sein Team 28 Personen mit exazerbierter Psoriasis vulgaris der digitalen Phototherapie unterzogen, die als skintrek bezeichnet wird. Hierbei zerteilt man den Lichtstrahl der UV-Lampe in mehr als 800.000 dünne Einzelstrahlen, die auf die Hautoberfläche projiziert werden. Das Besondere: Das Gerät kann so programmiert werden, dass die Strahlen konturgenau nur jene Hautstellen belichten, die von der Schuppenflechte befallen sind. „Das UV-Licht trifft wirklich nur dort auf die Haut, wo es gebraucht wird, therapeutisch, nämlich in den Bereichen erkrankter Haut“, erklärt Werfel.

Die Vergleichsgruppe ohne digitale Phototherapie umfasste 13 Probanden. Alle Patienten wurden zunächst sensibilisiert: In der skintrek-Gruppe erhielten 8 Patienten die PUVA-Creme-Therapie, 11 Patienten die PUVA-Bad-Therapie und 9 Patienten eine UVB Lichttherapie. Die Vergleichsgruppe wurde ausschließlich mit PUVA-Bad (n=9) oder mit UVB Lichttherapie (n=4) behandelt.

Es zeigte sich eine signifikante Verbesserung des PASI (Psoriasis Area and Severity Index) von im Median 6,25 zu Studienbeginn auf 2,75 am Therapieende in der skintrek-Creme-Gruppe (54%). In der skintrek-Bad-Gruppe lag der Wert bei 3,0 (von 6,4 ,51%). In der Skintrek-UVB-Gruppe sank der PASI von 5,5 auf 2,0.

 
Ein Vorteil von skintrek ist die gezielte Bestrahlung nur der betroffenen Haut. Prof. Dr. Ulrich Mrowietz
 

„Die gezielte skintrek PUVA und skintrek UVB der inflammatorischen Psoriasis vermeidet Haut-Pigmentierung und ist konventionellen PUVA-Therapien und schmalbandiger UVB-Lichttherapie nicht unterlegen“, so das Fazit von Werfel und seinen Kollegen.

Therapieprinzip ist nicht neu

„Das Therapieprinzip ist nicht neu und basiert auf einer Breitspektrum-UVB-Behandlung. Es ist damit vergleichbar mit dem Excimerlaser mit Schmalspetrum 308nm UVB“, erklären Prof. Dr. Ulrich Mrowietz, Leiter des Psoriasis-Zentrums am Universitätsklinikum Kiel und Prof. Dr. Thomas Schwarz, Direktor der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie am Universitätsklinikum Kiel, auf Nachfrage.

„Ein Vorteil von skintrek ist die gezielte Bestrahlung nur der betroffenen Haut“, sagt Mrowietz. Es stelle sich aber die Frage, wie lange das Gerät benötige, um einen Patienten mit 10% befallener Hautoberfläche zu scannen und gezielt so zu bestrahlen, dass jeder Plaque die genau gleiche UV-Dosis erhält. „Funktioniert das Prinzip auch bei der so genannten kleinfleckigen Psoriasis?“, gibt Schwarz deshalb zu bedenken.

Zum wahrscheinlich höheren Zeitaufwand für Patient und Betreiber kämen vermutlich hohe Gerätekosten hinzu. Ein weiterer Punkt: „Eine UV-Therapie einschließlich UVB wird in der geltenden S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris nicht zur Langzeiterhaltungstherapie empfohlen. Damit wird das Anwendungsspektrum des Gerätes zumindest bei der Psoriasis weiter eingeengt“, so Mrowietz und Schwarz.

Die alleinige Therapieform werde die digitale Phototherapie aber sicherlich nicht darstellen, schon weil sie nicht für alle Patienten infrage kommt, sondern am ehesten für Patienten mit lokalen Läsionen, erklärt Weishaupt. Allerdings bleibt diese Therapieform vermutlich nicht auf die Psoriasis begrenzt. „Ich bin gespannt, was der Ansatz bei Vitiligo bewirken kann“, sagt Weishaupt.

Bei Psoriasis-Patienten hängt sie Wirkung zudem davon ab, wie ausgeprägt die Schuppenflechte ist: „Für Patienten mit niedrigen bis mittleren PASI-Werten ist die Methode sicherlich geeignet. Sind aber z.B. 70 Prozent der Körperoberfläche betroffen oder der ganze Körper, dann ist eine lokale Bestrahlung wenig sinnvoll.“

Noch entspreche die Arbeit eher einer Pilot-Studie mit recht kleiner Patientenzahl: „Es müsste natürlich ein größeres Kollektiv untersucht werden. Sinnvoll wäre auch zu ermitteln, welche UV-Dosis für welche Patienten am besten geeignet ist, inwiefern die gesunde Haut geschont wird und wie und in welchem Umfang dadurch Hautkrebs verhindert werden kann“, erklärt Weishaupt.

 

REFERENZEN:

1. Werfel T, et al: British Journal of Dermatology (online) 30.1.2015

 

Kommentar

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