MEINUNG

Feinstaub als Risiko: Vorsichts-Maßnahmen bei Reisen nach Asien

Shari Langemak

Interessenkonflikte

23. März 2015

Dr. Axel Telzerow

Die Reisezeit hat noch nicht ganz begonnen, dafür aber die Vorbereitungen für die vielleicht beste Zeit im Jahr. Zu diesen Vorbereitungen sollten aber nicht nur die Buchung von Flug und Hotel gehören, sondern ebenso eine medizinische Beratung, wie sie auf der Pressekonferenz des Centrum für Reisemedizin (CRM) in Berlin diskutiert worden ist.

Bei dieser Beratung sollten jedoch nicht nur Impfungen und Tropenkrankheiten thematisiert werden – sondern auch die Luftverschmutzung, warnt Dr. Axel Telzerow vom Reisemedizinischen Zentrum der B.A.D. Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH in Frankfurt. Im Gespräch mit Medscape Deutschland erklärt er, in welchen Regionen kardiovaskuläre und pulmonale Schäden drohen, und wie Reisende sie vermeiden können.

Medscape Deutschland: Wenn es um die reisemedizinische Beratung geht, dann dachten Ärzte lange zuerst einmal an Infektionskrankheiten. Wieso ist Feinstaub in letzter Zeit ein ebenso wichtiges Thema geworden?

Dr. Telzerow: Gerade in Asien beobachten wir zurzeit eine massive Urbanisierung. Dabei entstehen Megacities mit dichtem Verkehr und einer hohen Feinstaub- und Schadstoffbelastung, die durch Müllverbrennung und Heizungsabgase noch verstärkt wird. Die gesundheitlichen Folgen davon werden bereits sichtbar: In städtischen Gebieten nehmen kardiovaskuläre und pulmonale Erkrankungen weiter zu.

 
Lokale Reizungen der Atemwege können bereits nach kurzer Exposition auftreten.
 

Medscape Deutschland: Reisende sind meist aber nur kurz dieser Belastung ausgesetzt.

Dr. Telzerow: Lokale Reizungen der Atemwege können bereits nach kurzer Exposition auftreten, insbesondere wenn die Smog-Belastung hoch ist. Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen der Lunge und des Herzens sind gefährdet, ebenso wie Schwangere, Senioren und kleine Kinder.

Medscape Deutschland: Müssen diese Risikopersonen asiatische Großstädte ganz meiden?

Dr. Telzerow: Sie sollten zumindest nur kurze Aufenthalte einplanen und sich vorher über die Luftqualität informieren. Darüber hinaus gelten natürlich dieselben Sicherheitsmaßnahmen wie für alle Reisenden: Die Zeit im Freien – insbesondere Sport – sollte bei hohen Feinstaubwerten reduziert werden. Hierbei lohnt es sich, auf die Daten der amerikanischen Botschaften zurückzugreifen, die fortwährend Updates zur Schadstoffbelastung herausgibt. Damit können Reisende ihre Aktivität und ihre Zeit im Freien an die aktuelle Luftverschmutzung anpassen.

Medscape Deutschland: Nicht jeder kann allerdings den ganzen Tag im Büro oder gar zuhause bleiben. Wie hilfreich sind Masken?

 
Masken sollten einen Feinstaubfilter haben und eng am Gesicht ansitzen, damit sie auch den gewünschten Schutz erzielen.
 

Dr. Telzerow: Masken sind für die genannten Risikopersonen sehr wichtig, allerdings auch bei allen anderen Reisenden sinnvoll. Sie sollten einen Feinstaubfilter haben und eng am Gesicht ansitzen, damit sie auch den gewünschten Schutz erzielen. Allerdings können die Masken nicht den ganzen Tag über einen längeren Zeitraum getragen werden, da sich sonst der Atemwegswiderstand erhöht. Darüber hinaus sollte man bei Langzeitaufenthalten über einen HEPA-Filter (High Efficiency Particulate Air Filter) im Büro und in seiner Unterkunft nachdenken.

Medscape Deutschland: Angenommen ich bin jung, gesund und mache mir über all das keine Gedanken – was für Risiken drohen mir nach ein paar Monaten im Smog?

Dr. Telzerow: Während Gesunde Reserven zur Kompensation besitzen, können bei vorerkrankten Reisenden die Effekte früher eintreten. Die Langzeit-Nebenwirkungen ähneln den Kurzzeitnebenwirkungen – allerdings mit dauerhaften Folgen. Die Entzündungen der Atemwege können sich chronifizieren, außerdem erhöht sich das kardiovaskuläre Risiko.

 
Im Norden sterben die Menschen bis zu mehrere Jahre früher als im Süden, da in der südlichen Hälfte Chinas keine Kohle-Heizungen mit entsprechender Zusatzbelastung der Luft betrieben werden.  
 

Medscape Deutschland: Wenn über Schadstoffbelastung geredet wird, dann denken Reisende zuerst an Shanghai und Peking. Welches sind erfahrungsgemäß die am meisten belasteten Regionen?

Dr. Telzerow: Tatsächlich gibt es in chinesischen Großstädten eine bedenkliche Schadstoff-Belastung. Interessant ist aber, dass in einigen Studien ein Nord-Süd-Gefälle beschrieben wird: Im Norden sterben die Menschen bis zu mehrere Jahre früher als im Süden, da in der südlichen Hälfte Chinas keine Kohle-Heizungen mit entsprechender Zusatzbelastung der Luft betrieben werden. Allerdings ist China bei Weitem nicht das einzige Land mit Smog-belasteten Megacities. Auch in Städten wie Delhi, Karatschi und Ulan Bator sollten Reisende Vorsicht walten lassen. Eine Beratung durch einen Reisemediziner vorab ist deshalb auf alle Fälle sinnvoll.

 

 

Kommentar

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