Vulvakarzinom: Weniger Rückfälle durch adjuvante Strahlentherapie

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

23. März 2015

Frauen mit Vulvakarzinom erleiden nach der operativen Entfernung des Tumors weniger Rückfälle, wenn sie eine adjuvante Strahlentherapie erhalten. „Dies gilt bereits, wenn zwei oder mehr der Lymphknoten in der Leiste vom Krebs befallen sind“, so Studienleiter PD Dr. Sven Mahner, Leitender Oberarzt der Klinik für Gynäkologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE).

Prof. Dr. Eva-Maria Grischke

Weltweit größte Datenbank zum Vulvakarzinom erstellt

Die Ergebnisse der retrospektiven AGO-CaRE-1-Studie sind im Journal of the National Cancer Institute (JNCI) veröffentlicht worden. „Die Daten stellen eine wichtige Entscheidungshilfe für den klinischen Alltag dar und rechtfertigen die ergänzende Strahlentherapie“, erläutert Prof. Dr. Eva-Maria Grischke, Universitäts-Frauenklinik Tübingen, im Gespräch mit Medscape Deutschland.

Denn das Vulvakarzinom ist selten. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 4 von 100.000 Frauen, allerdings mit steigender Tendenz. 2015 werden rund 4.000 Neuerkrankungen erwartet. Und bislang gibt es nur sehr wenige Studien zur optimalen Therapie dieser Erkrankung.

 
Die Daten stellen eine wichtige Entscheidungshilfe für den klinischen Alltag dar und rechtfertigen die ergänzende Strahlentherapie. Prof. Dr. Eva-Maria Grischke
 

Die Prognose der Frauen wird vorwiegend durch den Lymphknoten-Status bestimmt. Bei Frauen ohne Befall der Lymphknoten werden 5-Jahres-Überlebensraten von 70 bis 95% erreicht. Diese sinkt bei Befall der Lymphknoten auf 25 bis 41%. Kontrovers beurteilt werden bislang die prognostische Bedeutung der Zahl der befallenen Lymphknoten sowie der Nutzen einer adjuvanten Strahlentherapie. Diesen Fragen gingen deshalb Mahner und Kollegen in einer großen multizentrischen Kohortenstudie nach.

In der retrospektiven AGO-CaRE-1-Studie trugen sie die Daten von Patientinnen zusammen, die zwischen 1998 und 2008 deutschlandweit in 29 Zentren der Studiengruppe der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) behandelt worden waren. Mit den Behandlungsdaten von 1.618 Frauen liegt nun die weltweit größte Datenbank zu dieser seltenen Krebserkrankung vor.

Adjuvante Radiotherapie senkt Rezidivrisiko bei Metastasen in den Leistenlymphknoten

Nicht überraschend war der Befund, dass die Prognose bei Frauen mit Lymphknotenmetastasen insgesamt deutlich schlechter ist mit einer 3-Jahres-Überlebensrate von 56,2% im Vergleich zu 90,2% bei Frauen ohne Lymphknotenbefall.

 
Damit kann der Benefit einer Bestrahlung für den weiteren Krankheitsverlauf eindeutig bestätigt werden. Prof. Dr. Eva-Maria Grischke
 

Eine der Datenanalysen ergab bei Frauen, bei denen bereits die Lymphknoten in der Leiste befallen waren, dass eine adjuvante Radiotherapie das Risiko für ein Rezidiv deutlich senkte. Ein progressionsfreies Überleben (PFS) nach 3 Jahren erreichten 39,6% der adjuvant bestrahlten Frauen, bei den nicht bestrahlten Patientinnen waren es 25,9% (Hazard-Ratio: 0,67; p = 0,004). „Damit kann der Benefit einer Bestrahlung für den weiteren Krankheitsverlauf eindeutig bestätigt werden“, so Grischke.

 
Eine Verbesserung der adjuvanten Therapie ist dringend erforderlich, insbesondere bei der steigenden Inzidenz des Vulvakarzinoms. PD Dr. Sven Mahner und Kollegen
 

Der Nutzen der zusätzlichen Bestrahlung war mit der Zahl der befallenen Leisten-Lymphknoten assoziiert. Die Hazard-Ratio für das progressionsfrei Überleben bei 2 befallen Lymphknoten betrug 0,44, bei 3 befallenen Lymphknoten 0,37 und bei mehr als 3 befallenen Lymphknoten 0,45. Im Gesamtüberleben nach 3 Jahren bestand zwischen den bestrahlten und unbestrahlten Patientinnen kein signifikanter Unterschied.

Auch mit adjuvanter Strahlentherapie ist die Prognose von Frauen mit Lymphknotenmetastasen relativ schlecht. „Eine Verbesserung der adjuvanten Therapie ist daher dringend erforderlich, insbesondere bei der steigenden Inzidenz des Vulvakarzinoms“, so die Autoren. Eine Möglichkeit sehen sie in der Kombination von Chemotherapie und Bestrahlung in der Adjuvans. Diese Kombination hatte sich auch bei anderen Plattenepithelkarzinomen als wirksam erwiesen. Bisher vorliegende Ergebnisse aus kleinen Studien sind viel versprechend.

 

REFERENZEN:

1. Mahner S, et al: J Natl Cancer Inst. 2015;107(3): dju426

 

Kommentar

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