LEGACY-Studie: Erfolgreiche Gewichtsabnahme bessert auch die Symptome des Vorhofflimmerns

Deborah Brauser

Interessenkonflikte

17. März 2015

San Diego – Vorhofflimmern ist eine häufige Komorbidität bei Adipositas. Neue Forschungsergebnisse, vorgestellt beim Kongress des American College of Cardiology (ACC 2015) in San Diego, legen nahe, dass sich mittels strukturierter Programme, die eine gesunde Ernährung und einen gesunden Lebensstil unterstützen, die Symptomatik des Vorhofflimmern bessern lässt [1].

 
Je mehr Gewicht die Teilnehmer abgenommen haben, desto deutlicher besserten sich die Symptome des Vorhofflimmerns. Dr. Rajeev Pathak und seine Kollegen
 

An der Long-Term Effect of Goal Directed Weight Management on an Atrial Fibrillation Cohort (LEGACY) Studie haben mehr als 300 Erwachsene mit Vorhofflimmern (AF) und einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 27 kg/m2 teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich bei derjenigen Subgruppe, die nach einem vom Arzt geführten Management-Programm innerhalb eines Jahres ihr Gewicht um mindestens 10% reduziert hatte, die AF-Symptomatik im Vergleich zu denen, die weniger abgenommen hatten, deutlich besserte. Wer ein Zehntel seines Gewichts abnahm, hatte zudem eine um das Sechsfache höhere Wahrscheinlichkeit, das Vorhofflimmern komplett los zu werden.  

 
Betrachtet an die ‚duale Epidemie' von Adipositas und Vorhofflimmern, sollten Strategien zur Primär- und Sekundärprävention stärker genutzt werden. Dr. Rajeev Pathak und seine Kollegen
 

Die Ergebnisse wurden auf einer Sitzung mit Late Breaking Trials präsentiert und simultan im Journal of the American College of Cardiology (JACC) publiziert [1]. „Je mehr Gewicht die Teilnehmer abgenommen haben, desto deutlicher besserten sich die Symptome des Vorhofflimmerns“, schreiben die Studienautoren unter Leitung von Dr. Rajeev Pathak, University of Adelaide and Royal Adelaide Hospital, Australien. Sie weisen aber auch darauf hin, dass Gewichtsfluktuationen einen umgekehrten, negativen Effekt haben können. „Betrachtet an die ‚duale Epidemie’ von Adipositas und Vorhofflimmern”, ergänzen sie, „sollten Strategien zur Primär- und Sekundärprävention stärker genutzt werden.”

Dosis-abhängige Effekte

Auch wenn schon einige frühere Studien gezeigt haben, dass eine Gewichtsabnahme auch die Beschwerden durch Vorhofflimmern verringern kann, „war nicht bekannt, ob dies von Dauer ist, ob es einen Dosis-Effekt gibt und welchen Einfluss Gewichtsfluktuationen haben“, so die Untersucher.

Sie nahmen 355 Teilnehmer mit Vorhofflimmern auf und boten ihnen die Teilnahme an einem kurzen motivationsfördernden Gewichtsmanagement-Programm an, das in direktem Kontakt mit dem Arzt individuelle Ziele vorgab und Anregungen für Mahlzeiten- und Verhaltensveränderungen gab. Das Ziel des Programms war eine Gewichtsreduktion um 10%.

Nach dem Programmende wurden die Teilnehmer in 3 Subgruppen entsprechend ihres Diäterfolgs eingeteilt, um zu sehen, ob es eine Dosis-Wirkungsbeziehung gibt:

  • • Gruppe 1 hatte um mindestens 10% abgenommen (n = 135; 64% Männer; mittleres Alter 65 Jahre).

  • • Gruppe 2 hatten ihr Gewicht um 3 bis 9% reduziert (n = 104; 63% Männer, mittleres Alter 63 Jahre).

  • • Gruppe 3 hatte weniger als 3% ab- oder sogar zugenommen (n = 117; 71% Männer; mittleres Alter 61 Jahre).

Der primäre Studienendpunkt war die Belastung durch die Symptome des Vorhofflimmerns, gemessen anhand der AF Severity Scale (AFSS), oder dem Sistieren des Flimmerns, was anhand eines 7-Tage-EKGs verifiziert wurde. Sekundäre Endpunkte waren u.a. das Volumen des linken Vorhofs und die ventrikuläre Wanddicke.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass gemessen am subjektiven Empfinden der Probanden bei Gruppe 1 die Schwere der AF-Symptomatik signifikant stärker abnahm als bei den beiden anderen Gruppen (p < 0,0001 für beide Gruppenvergleiche). Außerdem sistierte bei ihnen die signifikant häufigere Flimmer-Symptomatik komplett, dies sogar ohne Ablation (p < 0,001 für alle vs Gruppe 2 und Gruppe 3).

Wenn das Gewicht schwankt, kehrt das Vorhofflimmern zurück

 
Die Studie zeigt, dass bei übergewichtigen und adipösen Personen mit symptomatischem Vorhofflimmern eine dauerhafte Gewichtsreduktion einen anhaltend günstigen Effekt auf die Symptome des Vorhofflimmerns hat. Dr. Rajeev Pathak und seine Kollegen
 

Zusätzlich stellte sich heraus, dass Gewichtsschwankungen eine ganz wichtige Rolle spielten: Es war doppelt so wahrscheinlich, dass die Arrhythmie wieder auftauchte, wenn der Patient während des Jahres Gewichtsschwankungen von mindestens 6% hatte (p = 0,02).

Und schließlich  reduzierte sich bei Gruppe 1 und 2 das Volumen des linken Vorhof (LAVI) signifikant – bezogen auf die Körperoberfläche (LAVI; p < 0,001 für beide Gruppen), während sich für Gruppe 3 ein signifikanter Anstieg im LAVI ergab (p = 0,02). Die Dicke des Kammerseptums nahm ebenfalls in Gruppe 1 und 2 signifikant ab (p = 0,001 und 0,03), änderte sich aber in Gruppe 3 nicht signifikant.

„Die Studie zeigt, dass bei übergewichtigen und adipösen Personen mit symptomatischem Vorhofflimmern eine dauerhafte Gewichtsreduktion einen dosis-abhängigen Effekt hat und einen anhaltend günstigen Effekt auf die Symptome des Vorhofflimmerns hat“, schreiben die Untersucher.


Dieser Artikel wurde von Sonja Böhm aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

REFERENZEN:

1. Pathak R, et al: JACC (online) 16. März 2015

 

Kommentar

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