Krebspatienten: Acht hochspezifische klinische Zeichen weisen auf einen nahen Tod hin

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

13. März 2015

Acht spezifische klinische Zeichen weisen bei Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen auf einen bevorstehenden Tod innerhalb der nächsten 3 Tage hin. Für die medizinische Versorgung und für Angehörige kann diese Information sehr hilfreich sein, meinen Dr. David Hui vom MD Anderson Cancer Center, Houston, Texas, und seine Kollegen. Die US-Ärzte haben bei 357 Krebspatienten systematisch alle 12 Stunden 52 körperliche Befunde dokumentiert. Die Ergebnisse sind im Februar 2015 online in Cancer publiziert worden.

Die „Diagnose“ eines nahen Todes ist immer traurig, aber die Information kann für Patienten, Angehörige und Kliniker wichtig sein. So können entfernt wohnende Angehörige und Freunde den Patienten noch einmal besuchen oder sie können den Patienten in seinen letzten Stunden begleiten. Auch die Therapiemaßnahmen können angepasst werden: Der Schwerpunkt verschiebt sich zu Maßnahmen, die dem Patienten seine letzten Stunden und Tage primär erleichtern.

Bislang gibt es nur wenige Studien, in denen diagnostische Zeichen eines nahen Todes untersucht worden sind. Die Mehrzahl der bislang vorliegenden Untersuchungen beschränkte sich auf Patienten, die sich bereits im Sterbeprozess befanden.

Daher untersuchten Hui und seine Kollegen die körperlichen Symptome von 357 Patienten in den letzten Lebenstagen, die auf die Palliativstationen in 2 Krebszentren aufgenommen worden waren. Sie dokumentierten systematisch 52 körperliche Symptome alle 12 Stunden – von der Aufnahme der Patienten bis zum Tod oder bis zu ihrer Entlassung.

Acht hochspezifische Zeichen

Während der Studie starben 57% der Patienten. Die Autoren identifizierten 8 am Krankenbett diagnostizierbare Zeichen, die auf einen Tod des Patienten innerhalb der nächsten 3 Tage hinweisen. Diese Zeichen waren:

  • • fehlender Pupillenreflex,

  • • verminderte Reaktion auf verbale und visuelle Reize,

  • • Unfähigkeit zum Schluss der Augenlider,

  • • ausgeprägtes „Mund-Nase-Dreieck“,

  • • Halsüberstreckung mit einem Nach-Hinten-Fallen des Kopfes,

  • • grunzende Laute durch Vibration der Stimmbänder insbesondere beim Ausatmen

  • • und Blutungen im oberen Gastrointestinaltrakt.

Außer den gastrointestinalen Blutungen beruhten alle Symptome auf Störungen neurokognitiver und neuromuskulärer Funktionen. Diese Zeichen wurden mit einer Häufigkeit von 38 bis 78% bei den Patienten beobachtet, die innerhalb der nächsten 3 Tage starben.

Am höchsten war die Spezifität bei fehlendem Pupillenreflex (99%) und Unfähigkeit zum Schluss der Augenlider (Spezifität 98%). Sehr viel geringer war sie bei gastrointestinalen Blutungen mit 5%.

Mit einer einfachen Beobachtung der Symptome des Patienten am Krankenbett lässt sich also erkennen, ob der Patient in seine letzte Lebensphase eingetreten ist, was für den Patienten selbst, für die versorgenden Ärzte und Pfleger und vor allem auch für die Angehörigen sehr hilfreich sein kann.

 

REFERENZEN:

1. Hui D, et al: Cancer 2015; 121(6):960-967

 

Kommentar

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