Diabetisches Makulaödem: Aflibercept ist bei geringerer Sehschärfe anderen VEGF-Hemmern überlegen

Nadine Eckert

Interessenkonflikte

2. März 2015

Prof. Dr. Albert Augustin

Das Designmolekül Aflibercept ist den humanisierten Antikörpern Bevacizumab und Ranibizumab bei der Therapie des diabetischen Makulaödems überlegen, wenn die Ausgangs-Sehschärfe der Patienten bei 20/50 oder darunter liegt. Patienten mit besserer Sehschärfe profitieren von allen 3 VEGF-Inhibitoren gleichermaßen. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Diabetic Retinopathy Clinical Research Network (DRCR.net), einer US-Organisation, die klinische Forschung zu diabetesbedingten Retinaerkrankungen fördert [1].

Die Hauptsäule der Therapie des diabetischen Makulaödems war mehr als 25 Jahre lang die fokale Laser-Photokoagulation der Mikroaneurysmen in der Netzhaut. „Doch dann kamen die Ergebnisse klinischer Studien zu VEGF-Inhibitoren heraus. Das hat zu einem dramatischen Wandel weg von der Lasertherapie hin zur primären Therapie mit intravitrealen Injektionen eines von drei VEGF-Hemmern – Aflibercept, Bevacizumab oder Ranibizumab – geführt“, schreibt Dr. Daniel F. Martin vom Cleveland Clinic Cole Eye Institute in einem Editorial [2]. „Die große Frage war, ob sich die drei Medikamente in ihrer Wirksamkeit beim diabetischen Makulaödem unterscheiden“, sagt Prof. Dr. Albert Augustin, Direktor der Augenklinik am Städtischen Klinikum Karlsruhe.

Ab 20/50 profitieren Patienten eher von Aflibercept

 
Der relative Effekt der drei Substanzen hängt von der Ausgangs-sehschärfe ab. Dr. Adam Glassman und Kollegen
 

An 89 Kliniken wurden die 3 VEGF-Inhibitoren bei 660 Erwachsenen mit diabetischem Makulaödem verglichen. Die Studienteilnehmer erhielten ein Jahr lang alle 4 Wochen eine Injektion mit 2,0 mg Aflibercept, 1,25 mg Bevacizumab oder 0,3 mg Ranibizumab direkt in den Glaskörper.

Die Veränderung der Sehschärfe ermittelten die DRCR.net-Forscher um Dr. Adam Glassman vom Jaeb Center for Health Research in Tampa mithilfe von Buchstabentafeln. Nach 1-jähriger Therapie mit Aflibercept konnten Patienten, die zu Studienbeginn 69 bis 78 Buchstaben lesen konnten (entspricht etwa einer Sehschärfe von 20/40–20/30) im Schnitt 8,0 Buchstaben mehr lesen. Unter Bevacizumab waren es 7,5 Buchstaben mehr und unter Ranibizumab 8,3 (keine signifikanten Unterschiede).

 
Dass Aflibercept bei einer bestimmten Sehschärfe Bevacizumab und Ranibizumab überlegen ist, hat die Studie eindeutig gezeigt. Prof. Dr. Albert Augustin
 

Aber: Bei Patienten, die anfangs nur 69 Buchstaben oder noch weniger (20/50 oder schlechter) erkennen konnten, lag die durchschnittliche Verbesserung unter Aflibercept dagegen bei 18,9 Buchstaben – verglichen mit 11,8 Buchstaben unter Bevacizumab und 14,2 unter Ranibizumab (signifikanter Unterschied zwischen Aflibercept und den anderen beiden Wirkstoffen).

„Der relative Effekt der drei Substanzen hängt von der Ausgangssehschärfe ab“, schlussfolgern die Autoren. „Bei nur leichter anfänglicher Beeinträchtigung der Sehschärfe gab es im Schnitt keine Unterschiede zwischen den drei Medikamenten. Doch bei schlechteren Sehschärfen zu Beginn war Aflibercept effektiver als Bevacizumab und Ranibizumab.“

Nebenwirkungen, Hospitalisierungen, Todesfälle oder schwere kardiovaskuläre Ereignisse unterschieden sich zwischen den 3 Gruppen nicht.

Therapie mit VEGF-Hemmern muss nachhaltiger werden

„Dass Aflibercept bei einer bestimmten Sehschärfe Bevacizumab und Ranibizumab überlegen ist, hat die Studie eindeutig gezeigt“, sagt Augustin. Dies sei auch für die Praxis bedeutsam, da eine Sehschärfe von 20/50 bei Diabetikern häufig anzutreffen sei. „Es ist interessant zu wissen, dass es, ausgehend von einer guten Gebrauchssehschärfe, einen Unterschied zwischen den drei Medikamenten gibt.“

 
Auf lange Sicht werden wir es nicht leisten können, eine große Zahl von Diabetikern alle vier Wochen ins Auge zu spritzen. Prof. Dr. Albert Augustin
 

Augustin ergänzte: „Auf lange Sicht werden wir es nicht leisten können, eine große Zahl von Diabetikern alle vier Wochen ins Auge zu spritzen. Das ist logistisch weder für die Ärzte noch die Patienten zu leisten – von den Kosten ganz zu schweigen. Abgesehen von Avastin® kosten diese Medikamente über 1.000 Euro pro Injektion. Das heißt, die Forschung darf jetzt nicht stehen bleiben. Ein nächster Schritt könnten zum Beispiel Slow-Release-Devices sein. Oder möglicherweise lässt sich auch mit einer Kombination mehrerer Medikamente mehr Nachhaltigkeit erzeugen.“

 

 

 

REFERENZEN:

1. The Diabetic Retinopathy Clinical Research Network: NEJM (online) 18. Februar 2015

2. Martin DF, et al: NEJM (online) 18. Februar 2015

 

Kommentar

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