Chronisches Erschöpfungs-Syndrom: Komischer Name, ernste Krankheit

Miriam E. Tucker

Interessenkonflikte

23. Februar 2015

In diesem Artikel

Eine reale Krankheit

Für Kliniker ist der erste Schritt in die richtige Richtung, ME/CFS als reale Krankheit zu erkennen. „Ich denke es ist wichtig, dass die Ärzte die reichlich vorhandenen Anzeichen für einen zugrunde liegenden biologischen Prozess bei den Patienten für diese Krankheit erkennen, obwohl es kein diagnostisches Testverfahren oder eine nachgewiesene Behandlungsmethode gibt. Die Symptome sind nicht imaginär“, sagt Dr. Anthony L. Komaroff, Chefredakteur der Harvard Health Publications gegenüber Medscape. Dr. Komaroff ist Professor für Medizin an der medizinischen Fakultät in Harvard und Chefarzt am Birmingham Women's Hospital in Boston, USA. Er erforscht die Krankheit seit den 1980er Jahren.

Dr. Jose G. Montoya, Professor für Infektionskrankheiten und medizinische Geographie an der Stanford Universität, der auch der ME/CFS-Initiative von Stanford vorsteht, sagte zu Medscape: „Offensichtlich muss man zuerst einmal einsehen, dass die Krankheit real ist. Wenn man erst einmal erkannt hat, dass es sich um eine richtige Krankheit handelt, geht es darum mit den neuesten Technologien zu arbeiten – genauso wie man eine multidisziplinäre Herangehensweise anstreben sollte.“

Für Prof. Ronald W. Davis ist die Krankheit traurige Realität [8]. Der 31-jährige Sohn des Professors für Biochemie und Genetik an der Stanford Universität, dessen Arbeit zur Genkopplung das Human Genome Projekt ermöglichte, ist vor drei Jahren an CFS erkrankt. Er ist nun bettlägerig und nicht mehr in der Lage zu sprechen.

„Ich glaube nicht, dass die Leute verstehen, wie furchtbar diese Krankheit ist. Die Patienten sehen nicht krank aus. Selbst mein Sohn, der physisch extrem geschwächt ist, sieht nicht wirklich krank aus“, sagte Prof. Davis zu Medscape.

In seiner neuen Stellung als Direktor des wissenschaftlichen Beirats für ME/CFS der Open Medicine Foundation, OMF, hat Prof. Davis die Nobelpreisträger Dr. James D. Watson und Dr. Mario R. Capecchi, sowie andere hochrangige Wissenschaftler angeworben, um eine dem Human Genome Projekt ähnliche, kollaborative MR/CFS-Forschung zu betreiben.

„Ich denke, dass wir die Krankheit in den Griff bekommen können, wenn wir ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt bekommen. Da heißt es eine harte Nuss zu knacken – ich sehe das natürlich als längerfristige Forschungsarbeit. Mir gefällt nicht, dass es so lange dauert, weil mein Sohn krank ist, aber ich bin mir auch bewusst, dass sich das nicht von heute auf morgen ändern wird“, erläuterte Prof. Davis Medscape.

Kommentar

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