Metaanalyse zur Behandlung der Knie-Arthrose: Hyaluronsäure schneidet gut ab, Celecoxib eher schlecht

Gerda Kneifel

Interessenkonflikte

21. Januar 2015

Prof. Dr. Jürgen Braun

Celecoxib ist bei Knie-Arthrose weniger effektiv ist als gemeinhin gedacht und Hyaluronsäure bringt am meisten. Dies sind Ergebnisse einer Netzwerk-Metaanalyse, die die Effektivität aller gängigen oralen und intraartikulären pharmakologischen Behandlungsmethoden bei dieser Erkrankung vergleichend untersucht hat [1].

„Bei dieser Studie geht es insgesamt um relativ geringe Effektstärken auf den Schmerz“, gibt Prof. Dr. Jürgen Braun, Ärztlicher Direktor des Rheumazentrums Ruhrgebiet in Herne, zu bedenken. „Das heißt, die untersuchten Interventionen haben einen eher mäßigen Effekt. Und die Vergleiche hinken zum Teil, weil die klinische Situation nicht wirklich vergleichbar ist.“

137 Untersuchungen im Vergleich

 
Dass intraartikuläre Therapien und insbesondere intraartikulär verabreichte Hyaluronsäure den stärksten Effekt gegen Schmerzen bei Knie-Arthrose haben, ist ein bemerkenswertes Ergebnis unserer Arbeit. Dr. Raveendhara R. Bannuru und Kollegen
 

Das Team um Dr. Raveendhara R. Bannuru, Center for Treatment Comparison and Integrative Analysis, Tufts Medical Center, Boston, hat aus insgesamt 137 Studien mit 33.243 randomisierten Teilnehmern orale Therapien mit Paracetamol, Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Celecoxib und Placebo sowie intraartikuläre (ia) Therapien mit Hyaluronsäure, Kortikosteroiden und ia Placebo nach ihren Effizienzen verglichen.
In den Studien war zum einen das Alter der Teilnehmer sehr unterschiedlich. Es betrug im Schnitt zwischen 45 und 76 Jahre; der Frauenanteil lag zwischen 3% und 100%. Auch die Qualität der einzelnen Studien schwankte deutlich. Die Basischarakteristika der Teilnehmer glichen sich in 86% der Untersuchungen, 34% der Studien wiesen weniger als 100 Teilnehmer auf. Nur bei 55% der in die Metaanalyse integrierten Studien war das Randomisierungsverfahren klar erläutert und angemessen und nur in jeder zweiten Untersuchung war die Zuordnung in die Gruppen ausreichend anonymisiert.

 
Bei dieser Studie geht es insgesamt um relativ geringe Effektstärken auf den Schmerz. Prof. Dr. Jürgen Braun
 

Hyaluronsäure am effektivsten

Zum Outcome bezüglich Schmerz konnten 129 Studien einbezogen werden. Dabei zeigte sich, dass sämtliche Interventionen wirkungsvoller waren als die orale Gabe von Placebo. Mit 0,18 hatte Paracetamol die niedrigste und ia Hyaluronsäure mit 0,63 die höchste Effektstärke. Nach Cohen indiziert 0,1 einen schwachen, 0,3 einen mittleren und 0,5 einen starken Effekt. Dass Paracetamol von den oralen Medikamenten am schlechtesten abschnitt, verwundert Braun nicht allzu sehr. Es sei ein Mittel, das vor allem für schwache bis mittlere Schmerzen geeignet ist. „Und da wirkt es dann auch.“

Die Autoren um Bannuru betonen, dass „viele der Therapien innerhalb dieses Netzwerks vorher noch nie miteinander verglichen worden waren. Insbesondere gab es nur wenige Vergleiche zwischen ia und oraler Therapie ... Dass intraartikuläre Therapien und insbesondere intraartikulär verabreichte Hyaluronsäure den stärksten Effekt gegen Schmerzen bei Knie-Arthrose haben, ist ein bemerkenswertes Ergebnis unserer Arbeit“, fassen die Autoren zusammen, „denn gerade die Hyaluronsäure-Behandlung ist nach Expertenmeinung die am wenigsten effektive“. Allerdings werde Hyaluronsäure im Rahmen einer Arthrose in der Regel weniger bei akuten als eher bei chronischen Schmerzzuständen eingesetzt wird, meint Braun hierzu.

 
Mit unserer Methode konnten wir nachweisen, dass allein schon die intraartikuläre Injektionsbehandlung für sich genommen im Vergleich zum oralen Placebo einen signifikanten Effekt hat … Dr. Raveendhara R. Bannuru und Kollegen
 

Das positive Ergebnis führen die Wissenschaftler auch auf die Art der Intervention selbst zurück. Es zeigte sich nämlich, dass intraartikuläres Placebo im Vergleich zu oralem Placebo signifikant besser abschnitt. „Mit unserer Methode konnten wir nachweisen, dass allein schon die intraartikuläre Injektionsbehandlung für sich genommen im Vergleich zum oralen Placebo einen signifikanten Effekt hat – ein Effekt, der sich mit den traditionellen Metaanalysen nicht nachweisen lässt.“ Den Placeboeffekt kann Braun nur bestätigen. „Eine lokale Intervention hat grundsätzlich schon eher einen Effekt beim Patienten.“

Celecoxib schneidet schlecht ab

Ein weiteres Resultat der Netzwerk-Analyse betrifft Celecoxib. „Entgegen der landläufigen Meinung zeigen unsere Ergebnisse, dass Celecoxib mit einer Effektstärke von 0,15 Paracetamol nicht überlegen ist“, so die Autoren. „Man beachte dabei allerdings, dass Celecoxib anderen oralen nichtsteroidalen Antirheumatika nicht unterlegen war.“ Trotzdem zeigt sich Braun verwundert: „Es ist schon etwas erstaunlich, dass Celecoxib nicht besser als Paracetamol sein soll, denn eigentlich ist es besser. Aber womöglich kommt es zu diesem Ergebnis, weil es oft unterdosiert wird.“

Braun hält Celecoxib gerade für ältere Patienten für durchaus geeignet, da es weniger Darmblutungen und Magenprobleme mit sich bringe. „Man muss natürlich bei der Wahl des Medikamentes auch den individuellen Patienten sehen, gegebenenfalls die Dosis anpassen und die Nierenfunktion im Blick haben. Bei Patienten ab 60 Jahren geben wir bei eingeschränkter Nierenfunktion gar keine nichtsteroidalen Antirheumatika mehr und geben zur Schmerztherapie grundsätzlich einen Säureblocker dazu, weil das Risiko für den Magen im Alter größer ist.“

Die Autoren selbst betonen: „Unsere Resultate negieren die Effizienz von Celecoxib nicht komplett, dennoch liefern sie ausreichend Gründe für eine vorsichtigere Risiko-Nutzen-Bewertung bei Patienten mit multiplen Komorbiditäten.“

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....