Große Kohortenstudie gibt Entwarnung: HPV-Impfung ist nicht mit MS assoziiert

Nadine Eckert

Interessenkonflikte

12. Januar 2015

Eine große Kohortenstudie aus Skandinavien hat bestätigt, dass die HPV-Impfung wohl nicht mit einem erhöhten Risiko für Multiple Sklerose (MS) und anderen demyelinisierende Erkrankungen einhergeht [1].

Seit die Impfung gegen das humane Papillomvirus (HPV) eingeführt worden ist, gibt es immer wieder Diskussionen um die Sicherheit, die das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Impfung beträchtlich geschwächt haben. Eine Sorge ist, dass der Impfstoff die Entstehung von MS begünstigen könnte. Befeuert wurde diese Sorge durch zahlreiche Medienberichte, aber auch Fallberichte in der Fachliteratur über MS-Erkrankungen, die nach HPV-Impfungen aufgetreten sind.

In dieser Studie … war die quadrivalente HPV-Impfung bei Mädchen und Frauen nicht mit der Entstehung von MS oder anderen demyelinisierenden Erkrankungen assoziiert. Nikolai Madrid Scheller und Kollegen

Unsicherheit über tatsächlichen Zusammenhang

„Ob das Auftreten dieser Erkrankungen nach der HPV-Impfung schlicht die Hintergrundraten bei Mädchen und jungen Frauen widerspiegelt oder ob es sich um ein echtes erhöhtes Risiko handelt, ist jedoch nicht bekannt“, schreiben die Autoren der aktuell in JAMA erschienen Studie um den Epidemiologen Nikolai Madrid Scheller vomStatens Serum Institut in Kopenhagen.

Die wenigen analytischen Studien, die es gibt, fanden größtenteils keine signifikante Risikoerhöhung. Sie hatten allerdings, so Scheller und Kollegen, nicht einmal genug statistische Power, um moderat bis stark erhöhte Erkrankungsrisiken auszuschließen.

In einer großen Registerstudie untersuchten die Kopenhagener Forscher deshalb fast 4 Millionen Mädchen und Frauen (10-44 Jahre alt) aus Schweden und Dänemark, die von 2006 bis 2013 nachbeobachtet wurden. Knapp 800.000 von ihnen wurden in diesem Zeitraum mit dem tetravalenten HPV-Impfstoff Gardasil® geimpft. Die Assoziation zwischen dem bivalenten Impfstoff Cervarix® und dem MS-Risiko wurde nicht untersucht, da dieser in Dänemark und Schweden kaum eingesetzt wird.

Vergleichbare Inzidenzraten vor und nach Impfung

Verglichen wurde die Inzidenz von MS und demyelinisierenden Erkrankungen wie Neuritis nervi optici, Neuromyelitis optica, transverse Myelitis und akute disseminierte Enzephalomyelitis in den Zeiträumen vor und nach HPV-Impfung.

„Durch die Kombination von Daten aus Schweden und Dänemark, 2 Ländern mit vergleichbaren Gesundheitssystemen und Patientenregistern, hatte unsere Studie ausreichend statistische Power, um bedeutsame Risikoerhöhungen auszuschließen“, ergänzen die Autoren.

Im Zeitraum vor der Impfung lag die Inzidenzrate bei 21,54 MS-Erkrankungen pro 100.000 Personenjahre, im Zeitraum nach Impfung bei 6,12 MS-Erkrankungen pro 100.000 Personenjahre. Vergleichbare Inzidenzraten (16,14 vor versus 7,54 nach Impfung) fanden die Autoren auch für die anderen demyelinisierenden Erkrankungen.

Scheller und Kollegen schlussfolgern: „In dieser Studie, die zwei skandinavische Länder abdeckt, war die quadrivalente HPV-Impfung bei Mädchen und Frauen nicht mit der Entstehung von MS oder anderen demyelinisierenden Erkrankungen assoziiert. Unsere Ergebnisse untermauern die Bedenken in Hinblick auf einen kausalen Zusammenhang zwischen der HPV-Impfung und demyelinisierenden Erkrankungen nicht.“

REFERENZEN:

1. Scheller NM, et al: JAMA 2015;313(1):54-61

Kommentar

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