Nicht nur Schutz vor Osteoporose – deutlich weniger Gebärmutterkrebs unter Bisphosphonaten

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

8. Januar 2015

Bisphosphonate, die zur Therapie der Osteoporose eingesetzt werden, könnten auch einen antitumoralen Effekt haben. Dies geht aus präklinischen Studien hervor. Hinweise darauf, dass Bisphosphonate das Risiko für ein Endometriumkarzinom signifikant senken könnten, haben jetzt Dr. Sharon Hensley Alford und Kollegen vom Department of Public Health Sciences des Henry Ford Health Systems in Detroit, USA, gefunden [1].

„Eine Reduktion des Auftretens eines Endometriumkarzinoms um 50 Prozent ist schon eine relevante Aussage“, betont Prof. Dr. Andreas Kurth, Ärztlicher Direktor des Themistocles Gluck Hospitals in Ratingen, einer Fachklinik für Gelenk-, Wirbelsäulen- und Knochenerkrankungen, die Ergebnisse der Analyse. „Eine interessante Analyse aus einem riesigen Datenpool, die erneut Hinweise darauf gibt, dass der Einsatz eines Bisphosphonats protektive Effekte bei der Entstehung von soliden Tumoren hat“, so Kurth im Gespräch mit Medscape Deutschland.

 
Eine Reduktion des Auftretens eines Endometrium-karzinoms um 50 Prozent ist schon eine relevante Aussage. Prof. Dr. Andreas Kurth
 

Überzeugende Methodik

Hensley Alford und Kollegen nutzen für ihre Analyse Daten aus dem National Cancer Institute's PLCO (Prostata, Lunge, Kolorektal und Ovarialkarzinome) Screening Trial. Eingeschlossen wurden 29.254 Frauen im Alter von 55 bis 74 Jahren. Die Patientinnen wurden zwischen 1993 und 2001 in die Studie aufgenommen und beantworteten 7 Jahre nach Studieneinschluss Fragen über die Einnahme von Bisphosphonaten zur Osteoporose-TherapieUnter den Frauen, die zum Zeitpunkt des Ausfüllens der Fragebögen keine Krebsdiagnose hatten, wurden so diejenigen identifiziert, die früher oder gegenwärtig Bisphosphonate nahmen.

77 Fälle von Endometriumkrebs traten nach dem Ausfüllen der Fragebögen auf. Die Inzidenz unter den Frauen, die Bisphosphonate einnahmen oder eingenommen hatten, lag bei 8,7 Fällen auf 10.000 Personenjahre versus 17,7 Fälle bei Frauen, die nie Bisphosphonate eingenommen hatten (Inzidenzrate: 0,49; 95%-KI: 0,30–0,80). Das Risiko, ein Endometriumkarzinom zu entwickeln, war damit um die Hälfte reduziert. Kurth attestiert der Arbeit eine überzeugende Methodik.

Von den gynäkologischen Krebsarten entfallen in den USA 50% auf den Gebärmutterkrebs. Er sei die vierthäufigste Malignität bei Frauen und die achthäufigste Ursachen für krebsbedingten Tod, schreibt Erstautorin Alford und fügt hinzu: „Andere Studien haben gezeigt, dass Bisphosphonate das Risiko gewisser Krebsarten reduzieren können. Aber wir sind jetzt die Ersten, die nachweisen, dass nitrogenhaltige Bisphosphonate auch das Risiko für Gebärmutterkrebs reduzieren.“

 
Die Arbeit reiht sich ein in die Zahl guter – nicht nur präklinischer – Studien, die Effekte von Bisphosphonaten auf das Auftreten von soliden Tumoren nachgewiesen haben. Prof. Dr. Andreas Kurth
 

„Bei dieser riesigen Anzahl an Probanden kann man nur auf Instrumente wie Fragebögen zurückgreifen. Aber genau solche großen Zahlen benötigt man, um kleine Effekte von Therapien im ‚wirklichen Leben‘ beurteilen zu können“, erklärt Kurth und fügt hinzu: „Eine Selbstauskunft zu einer osteoprotektiven Substanz ist in der Regel sehr verlässlich, gerade bei Frauen.“ Schade sei lediglich, dass nicht die Dauer der Bisphosphonat-Einnahme evaluiert werden konnte.

Studienergebnisse zur Steigerung der Compliance nutzen

„Die Arbeit reiht sich ein in die Zahl guter – nicht nur präklinischer – Studien, die Effekte von Bisphosphonaten auf das Auftreten von soliden Tumoren nachgewiesen haben.“

Die aktuelle deutschsprachige Leitlinie zur Therapie der Osteoporose des Dachverbandes Osteologie e. V. (DVO) hat diese Erkenntnisse auch mit aufgenommen, zumindest für Mammakarzinome“, berichtet Kurth, der an der Erstellung der Leitlinie beteiligt war.

Natürlich sei jeder positive Effekt auf Tumoren von Substanzen, die man ohnehin einnehmen müsse, sehr gut, so Kurth. Er empfiehlt darüber hinaus, die Studienergebnisse zur Steigerung der Compliance der Patienten in der Osteoporose-Behandlung zu nutzen. „Den Patienten, die aufgrund einer Osteoporose eine Therapie mit Bisphosphonaten erhalten, sollte man diese Vorteile klar machen. Das kann die Therapietreue deutlich erhöhen. Denn gerade die Compliance von Patienten mit einer behandlungsbedürftigen Osteoporose ist ein ganz großes Problem.“

 

REFERENZEN:

1. Alford SH, et al: Cancer (online) 22. Dezember 2014

Kommentar

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