Mit einem Jahr Ausdauertraining vom Couch-Potato zum Sportler mit Olympionikenherzen?

Innerhalb eines Jahres vom Bewegungsmuffel zum Athleten mit dem Herz eines Leistungssportlers? Wissenschaftlern vom Texas Health Presbyterian Hospital in Dallas zufolge ist genau das möglich. Ein zuvor untrainierter Mensch kann mit weniger als einem Jahr konsequenten Ausdauertrainings dieselbe Art von links- und rechtsventrikulärer struktureller Veränderung des Herzens erreichen, die man sonst nur bei Profisportlern findet. Ein Manko gibt es jedoch: Die verbesserte Herz-Compliance und sportliche Leistung, die mit vielen Jahren passionierten Trainings einhergeht, bleibt dem Profiathleten vorbehalten.

Dr. John Mandrola, niedergelassener Herzelektrophysiologe aus Louisville, USA, und Medscape-Autor, kommentiert die Ergebnisse der Studie: „Hätte ein Medikament eine solche Wirkung, würde diese Neuigkeit hohe Wellen schlagen – die Presse wäre wie elektrisiert. Das wäre ein Aufmacher für die Titelseite – unter der Überschrift: Medikament verwandelt Herz eines Faulpelzes in das eines Extremsportlers.“

Bei niedriger Belastung gilt für Vetrikelwachstum: rechts vor links

Die texanischen Forscher haben für ihre Studie 12 zu Beginn untrainierte Erwachsene mit Echokardiographie, Herz-Kernspin und anderen Methoden ein Jahr lang in 3-monatigen Abständen untersucht. Die Studienteilnehmer bereiteten sich währenddessen mit einem einjährigen Ausdauertrainingsprogramm auf einen Marathon oder eine ähnlich anstrengende sportliche Herausforderung vor. Am Ende diesen Jahres waren sowohl die rechten als auch linken Ventrikel der Studienteilnehmer in Masse und Volumen proportional zueinander gewachsen. Interessanter Weise jedoch in unterschiedlichen Wachstumsraten.

Während des Trainingsprogramms, welches sich über die Zeit intensivierte, vergrößerten sich rechtsventrikuläres Volumen und Masse progressiv und konsistent. Der Prozess der exzentrischen Remodellierung setzte sofort ein: Die Ventrikel dilatieren unter der erhöhten Volumenbelastung und begannen in der Dicke nach außen zuzunehmen ( exzentrische Hypertrophie). Die Veränderungen waren bereits bei der ersten Untersuchung nach 3 Monaten deutlich zu erkennen, wie die Forschergruppe um Dr. Armin Arbab-Zadeh in einer Publikation in der Zeitschrift Circulation mitteilt [1].

Selbst ein Training, bei dem nur gegangen wird, würde diesen Prozess (exzentrische Remodelierung) auslösen. Dr. Benjamin D. Levine

Dagegen reagierte der linke Ventrikel auf das Training mit einem Prozess der konzentrischen Remodelierung, einer Dickenzunahme nach innen mit Verkleinerung des Ventrikellumens innerhalb der ersten 6 Monate. Danach veränderte sich das Wachstumsverhalten: „Erst als wir längere oder intensivere Trainingseinheiten ansetzten, begann sich auch der linke Ventrikel auszudehnen“ erläuterte Dr. Benjamin D. Levine vom University of Texas Southwestern Medical Center, Dallas, gegenüber heartwire .„Gegen Ende des Programms wiesen die Herzen der Teilnehmer denselben Phänotyp auf, wie man ihn bei Ausdauersportlern findet – eine exzentrische Hypertrophie beider Ventrikel.“

Levine sagt, er sei „überrascht und fasziniert“, wie rasch der rechte Ventrikel mit dem Masse-Volumen-Wachstum der exzentrischen Remodelierung beginne. „Selbst ein Training, bei dem nur gegangen wird, würde diesen Prozess auslösen. Und der linke Ventrikel? Da muss man schon ein bisschen mehr tun, bevor er anfängt, sich auszudehnen. Obwohl er, wenn man seine Beanspruchung erhöht, sofort Muskelmasse aufzubauen beginnt.“

Ein mehrstufiger Veränderungsprozess

Diese Beobachtungen könnten bedeuten, dass die rasch einsetzenden Veränderungen in Masse und Volumen des rechten Ventrikels als Reaktion auf intensives Training erst die Voraussetzung dafür sind, dass sich auch der linke Ventrikel in Form und Struktur anpassen kann. Nach Beobachtung der Forschergruppe verliefen die Veränderungen in mehreren Schritten.
Die linke Herzkammer:

  • • Zunächst nimmt die mittlere linksventrikuläre Wanddicke sowie -masse in den ersten 6 Monaten rapide zu; anschließend verlangsamt sich das Wachstum.

  • • Das linkventrikuläre enddiastolische Volumen (LVEDV)bleibt in den ersten 3 Monaten fast unverändert. Nach 6 Monaten war es um nur 8% gestiegen und stieg weiter nach dem Beginn der Intervalltrainingsphase des Sportprogramms.

  • • Das linksventrikuläre Masse-zu-Volumen-Verhältnis stieg vom Ausgangswert 1,44 auf 1,58 zum Messzeitpunkt 3 und 6 Monate – um dann nach Angaben der Autoren wieder auf Werte nahe des Ausgangswertes nach 9- und 12-monatigem Training abzunehmen.

Die rechte Herzkammer:

  • • Die Wandmasse des rechten Ventrikels vergrößerte sich um 30% und das rechtsventrikuläre Volumen stieg um 27% an. Der Anstieg war deutlich stärker als im linken Ventrikel. Dort betrug die Steigerung 22% und 20%.

  • • Die rechtsventrikuläre Masse und das Volumen nahmen während aller Trainingsstufen innerhalb der 12 Monate zu, wobei das Wachstumsmuster einer exzentrischen Hypertrophie entsprach. Das Masse-Volumen-Verhältnis blieb ungefähr gleich.

Kommentar

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