Philosophische Therapie: Yoga senkt das kardiovaskuläre Risiko ebenso gut wie Sport

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

30. Dezember 2014

Bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen und Metabolischem Syndrom wirkt sich Yoga positiv auf die Risikofaktoren aus, so das Ergebnis einer systematischen Übersicht. Die Analyse ist im Dezember im European Journal of Preventive Cardiology publiziert worden [1].

Yoga ist eine indische Philosophie mit geistigen und körperlichen Übungen, die es in unterschiedlichen Formen gibt. Das in westlichen Ländern weit verbreitete Hatha-Yoga legt beispielsweise viel Wert auf die körperlichen Übungen und Positionen. In verschiedenen Untersuchungen war ein günstiger Effekt von Yoga auf kardiovaskuläre Risikofaktoren festgestellt worden.

Yoga wirkt so gut wie Sport gegen Risikofaktoren

Eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Myriam Hunink vom Erasmus University Medical Center, Rotterdam, und der Harvard School of Public Health, Boston (USA), hat nun in einer systematischen Übersicht randomisierter klinischer Studien und einer Metaanalyse mit 37 Studien mit 2.768 Personen den Effekt von Yoga auf verschiedene kardiovaskuläre Risikofaktoren untersucht.

Im Vergleich zu Personen, die kein Yoga und keinen Sport betrieben, verbesserte Yoga signifikant alle primären kardiovaskuläre Risikofaktoren:
•           Body-Mass-Index: -0,77 kg/m²
•           Systolischer Blutdruck: -5,21 mm Hg
•           LDL-Cholesterin: -12,14 mg/dl
•           HDL-Cholesterin: +3,20 mg/dl

Yoga besserte auch alle untersuchten sekundären Risikofaktoren mit Ausnahme des Nüchtern-Blutglukosespiegels und des HbA1c-Wertes. Der Effekt von Yoga auf die Risikofaktoren war ähnlich gut wie der von vermehrter körperlicher Aktivität, wie z.B. Laufen oder Radfahren.

 
Unklar sind die Dosis-Wirkungs-Beziehung sowie Kosten und Nutzen von Yoga im Vergleich zu körperlicher Aktivität oder Medikation. Prof. Dr. Myriam Hunink
 

Additiver Effekt zur Medikation

Die Risikofaktoren besserten sich durch Yoga auch dann signifikant, wenn die Personen gleichzeitig medikamentös behandelt wurden. Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit konnte durch zusätzliche Yoga-Übungen der Nutzen von Lipidsenkern signifikant gesteigert werden. Hunink erläutert, dass die Evidenz für die günstigen Wirkungen von Yoga auf die kardiovaskuläre Gesundheit zunehme. Dennoch gäbe es derzeit hierfür keine physiologische Erklärung [2].

Yoga wirkt möglicherweise positiv auf den neuroendokrinen Status, auf metabolische und kardio-vagale Funktionen und beeinflusst damit assoziierte Entzündungsreaktionen günstig. Aufgrund des vergleichbaren Effekts von Yoga und körperlicher Aktivität vermuten die Autoren ähnliche Wirkungsmechanismen, wobei Yoga eventuell einen physiologischen aeroben Nutzen hat und aerobe Aktivitäten zur Stressreduktion und Entspannung beitragen.

Auch bei Bewegungseinschränkungen anwendbar

„Unklar sind die Dosis-Wirkungs-Beziehung sowie Kosten und Nutzen von Yoga im Vergleich zu körperlicher Aktivität oder Medikation“, so Hunink weiter. Wenngleich noch viele Fragen offen seien, die in die Analyse eingeschlossenen Studien sehr heterogen waren und ihre Qualität zum Teil verbesserungsfähig sei, habe diese systematische Übersicht doch den Nutzen von Yoga in der Verringerung kardiovaskulärer Risikofaktoren belegt.

Dabei hat Yoga den Vorteil, dass es auch von Personen ausgeführt werden kann, die älter oder/und gesundheitlich angeschlagen sind, also z.B. unter muskuloskeletalen Schmerzen leiden. Der Aufwand für Ausrüstung und Technik ist minimal, so dass mit Yoga eine kostengünstige Therapie- und Präventionsstrategie zur Verfügung steht.

 

REFERENZEN:

1. Chu P, et al: Eur J Prevent Cardiol (online) 15. Dezember 2014

 

Kommentar

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