Lungenkrebs: Thorax-Bestrahlung verlängert das Überleben

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

31. Oktober 2014

San Francisco – Die Bestrahlung des Thorax zusätzlich zur Standardtherapie kann bei Patienten mit fortgeschrittenem kleinzelligen Lungenkarzinom (SCLC) das Überleben nach 2 Jahren signifikant verlängern. Dies ist das Ergebnis einer Studie unter Federführung von Prof. Dr. Ben Slotman, onkologischer Radiologe am Medizinischen Zentrum der Universität Amsterdam, beim ASTRO 2014 Kongress in San Francisco vorgestellten und zeitgleich im Lancet publizierten Studie [1,2].

Prof. Dr. Thomas Hehr

„In Deutschland werden die informativen und logischen Daten der holländischen Arbeitsgruppe intensiv diskutiert“, sagt Prof. Dr. Thomas Hehr, Ärztlicher Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Palliativmedizin am Marienhospital, Stuttgart. Beim lokoregionär begrenzten SCLC sei die Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie der etablierte Standard, erläutert er.

Etwa 13% der Patienten mit Lungenkrebs sind an einem kleinzelligen Lungenkarzinom (SCLC) erkrankt, einem sehr aggressiven Tumor, der häufig stark metastasiert. Chemotherapeutika sind derzeit Standard der Behandlung. Die Überlebenschancen von Patienten mit ausgedehnter Erkrankung sind jedoch schlecht und haben sich in den letzten Jahrzehnten auch nicht verbessert.

Die mediane Zeit bis zur Progression liegt bei 4 bis 6 Monaten, die mediane Überlebenszeit beträgt zwischen 7 und 11 Monate. Bei Patienten, die auf eine Induktionstherapie angesprochen haben, wird derzeit routinemäßig der Schädel bestrahlt, weil dadurch das Risiko für Hirnmetastasen signifikant gesenkt und die Überlebenszeit verlängert werden kann.

Intrathorakales Tumorwachstum: Schwierig zu kontrollieren

 
In Deutschland werden die informativen und logischen Daten der holländischen Arbeitsgruppe intensiv diskutiert. Prof. Dr. Thomas Hehr
 

Sehr schwierig ist jedoch die Kontrolle des intrathorakalen Tumorwachstums. Eine multizentrische randomisierte Phase-3-Studie hat deshalb untersucht, wie sich neben einer Schädelbestrahlung eine zusätzliche Bestrahlung des Thorax bei Patienten mit fortgeschrittenem SCLC auswirkt, die auf eine Chemotherapie angesprochen hatten. 248 Patienten wurden in die Kontrollgruppe ohne Thoraxbestrahlung randomisiert. Bei 247 Patienten wurde der Thorax mit 30 Gy in 10 Sitzungen bestrahlt. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben nach einem Jahr.

Die Nachbeobachtungszeit betrug 24 Monate im Median. Nach dem ersten Jahr unterschied sich das Gesamtüberleben in beiden Gruppen mit 33% in der bestrahlten Gruppe und 28% in der unbestrahlten Gruppe nicht (Hazard-Ratio 0,84; p = 0,066). Nach 2 Jahren waren in der Thorax-bestrahlten Gruppen noch 13% der Patienten am Leben, in der nicht bestrahlten Gruppe lebten nur noch 3% (p = 0,004). Eine Progression war mit Bestrahlung seltener als ohne (HR 0,73, p = 0,001).

Nach 6 Monaten war das progressionsfreie Leben (PFS) bei den Thorax-bestrahlten Patienten mit 24% signifikant besser als bei den Nicht-Bestrahlten mit 7% (p = 0,001). Von den bestrahlten Patienten entwickelten nur 20% ein Rezidiv im Thorax, während es in der Vergleichsgruppe 46% waren. Die Bestrahlung des Thorax wurde gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher waren Fatigue und Dyspnoe.

Therapie für ausgewählte Patienten

In einem begleitenden Kommentar zur Studie weisen Prof. Dr. Jan P van Meerbeeck von der Ghent und Antwerpen Universität, Belgien, und Prof. Dr. David Ball von der Universität von Melbourne, Australien, darauf hin, dass die von Slotman und Kollegen eingesetzte Radiotherapie technisch nicht aufwändig ist und kostengünstig auch in weniger gut ausgestatteten radiologischen Abteilungen ausgeführt werden könne [3]. Während die Autoren der Studie sich für eine routinemäßige Anwendung der Bestrahlung aussprechen, halten sie die Kommentatoren nur für ausgewählte Patienten für geeignet.

 
Für einige (wenige) Patienten kann die Strahlentherapie die Prognose erheblich verbessern. Prof. Dr. Thomas Hehr
 

Hehr erläuterte, dass die hier untersuchte Patientengruppe mit weit fortgeschrittenem und metastasiertem Tumorstadium IV typischerweise zunächst mit einer Kombinationschemotherapie behandelt wird: „Das palliative Therapieziel ist die Symptomlinderung, so dass therapieassoziierte Toxizitäten wie Schluckbeschwerden kritisch bewertet werden. Im Interdisziplinären Tumorzentrum sollte jeder einzelne Patient bezüglich des Stellenwerts einer prophylaktischen Ganzhirn-Bestrahlung und der konsolidierenden thorakalen Strahlentherapie beraten werden. Für einige wenige Patienten kann die Strahlentherapie die Prognose erheblich verbessern.“

Antworten auf einen Teil der noch offenen Fragen kann möglicherweise eine ähnliche US-amerikanische Studie geben, deren Ergebnisse derzeit aber noch nicht vorliegen.

 

REFERENZEN:

  1. 1. Kongress der American Society for Therapeutic Radiology and Onkology (ASTRO), 14. - 17. September 2014, San Francisco

  2. 2. Slotman BJ, et al. Lancet (online) 14. September  2014

  3. 3. Van Meerbeeck JP, et al.: Lancet (online) 14. September  2014

 

Kommentar

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