Wenn sonst nichts hilft – Biologika für Kinder mit Rheuma und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Petra Plaum

Interessenkonflikte

17. Oktober 2014

Leipzig – Welche Biologika helfen Kindern mit schwerem Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa? Welche bewähren sich bereits oder könnten bald in der Kinder- und Jugendrheumatologie zum Einsatz kommen? Antworten gab es auf einem Symposium der Gesellschaften für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE), für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR) und für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) [1]. Denn bei schwerkranken Patienten gilt oft: „Außerhalb der Biologika haben wir keine effektive Therapie“, so Prof. Dr. Gerd Horneff, Direktor und Chefarzt des Zentrums für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie an der Asklepios Klinik Sankt Augustin.

Colitis ulcerosa und Morbus Crohn: Mit TNF-alpha-Blockern in die Remission

„Bei Morbus Crohn gibt es zwei Therapiekonzepte“, betonte Prof. Dr. Philip Bufler, Oberarzt in der Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital, Klinikum der Universität München: „Schübe behandeln und eine Remission erreichen. Die mukosale Heilung ist der wichtigste Endpunkt der Therapie.“ Bei schwer Erkrankten kommen häufig neben Steroiden zunächst Immunmodulatoren zum Einsatz, z.B. Azathioprin. Die Wirkung von Azathioprin sei aber überschätzt, so Bufler.  

Außerhalb der Biologika haben wir oft keine effektive Therapie. Prof. Dr. Gerd Horneff

Wo andere Therapien versagen oder nicht vertragen werden, können Biologika Besserung bringen – auch um Steroide einzusparen und Operationen zu verhindern. Aktuell sind für Kinder mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) im Alter ab 6 Jahren 2 monoklonale Antikörper zugelassen: Adalimumab (ADA) und Infliximab (IFX). Beide binden an den Tumor-Nekrose-Faktor alpha und schalten ihn aus.

Infliximab (IFX) ist das älteste Biologikum – seit 1998 ist es in den USA, seit 1999 hierzulande auf dem Markt. Speziell bei Kindern mit Morbus Crohn überzeugte es u. a. in einer internationalen Multicenterstudie. 10 Wochen nach Beginn der Therapie war bei 88% der Teilnehmer eine Response nachweisbar, bei 59% sogar eine Remission. Nach einem Jahr gab es allerdings Wirkverluste. Je nach Dosis maximal 64% der Teilnehmer waren zu diesem Zeitpunkt noch Responder, 56% in Remission [2].

Eine weitere Studie – teilweise von denselben Wissenschaftlern – stellte Bufler zur Wirkung von IFX bei Kindern mit Colitis ulcerosa vor. Hier zeigten nach 8 Wochen 73% der Patienten eine Response, 29% waren – bei optimaler Dosierung – nach einem Jahr in Remission [3]. Die Verträglichkeit wurde in beiden Studien als gut beschrieben.

ADA ist für Kinder und Jugendliche mit mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn möglicherweise eine Alternative. Prof. Dr. Philip Bufler

Was tun bei Wirkverlust?

„ADA ist für Kinder und Jugendliche mit mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn möglicherweise eine Alternative“, berichtete Bufler mit Verweis auf eine dritte Studie. Unter Teilnehmern, die noch kein IFX bekommen hatten, sprachen nach einem halben Jahr je nach Dosis bis zu 69%, nach einem Jahr abhängig von der Dosis bis zu 55% auf diese Behandlung an. Niedriger war der Erfolg bei Patienten, die schon unter IFX Non-Responder geblieben waren: Auch mit ADA kam es je nach Dosis bei maximal 48% (nach 26 Wochen) bzw. 26% (nach 52 Wochen) zu einer Response. Von der gesamten Kohorte war nach 26 Wochen jeder Dritte in Remission [4].  

Wirkverluste blieben ein Problem, so Bufler. Bei IFX betrafen sie in einer niederländischen Studie nach 5 Jahren jeden zweiten Teilnehmer [5]. Vorab lasse sich nicht abschätzen, welcher Patient einen Wirkverlust bei IFX habe. Kommt es aber dazu, könne im Serum der IFX-Spiegel, bei negativem oder niedrigem Ergebnis auch der IFX-Antikörper-Spiegel, Auskunft geben, ob die Intensivierung der Therapie sinnvoll sei oder eher der Wechsel auf einen anderen TNF-alpha-Blocker bzw. eine andere Medikation.

Kommentar

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