Depressionen bei Krebspatienten: Integrativer Therapieansatz in Studien erfolgreich

Dr. Susanne Heinzl | 10. Oktober 2014

Autoren und Interessenkonflikte

Depressionen werden bei Krebspatienten oft nicht behandelt. Und dies, obwohl diese Patienten sogar häufiger als die übrige Bevölkerung unter schweren Depressionen leiden. Ein neues integriertes Therapieprogramm verbesserte sowohl bei Patienten mit relativ günstiger als auch bei denjenigen mit schlechter Krebsprognose die depressive Symptomatik und Lebensqualität.

Dies berichten 3 aktuelle Publikationen in Lancet Psychiatry, Lancet und Lancet Oncology. „Die Studien zeigen eindrucksvoll die Effektivität antidepressiver Therapien auch für diese Patientengruppen“, kommentiert Prof. Dr Hans-Peter Volz, Ärztlicher Direktor im Krankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Schloss Werneck.

Die Arbeitsgruppe um Dr. Jane Walker von der Universität Oxford hat die Daten von 21.151 Patienten mit verschiedenen Krebserkrankungen analysiert [1]. Die Krebspatienten hatten zwischen 2008 und 2011 in schottischen Kliniken an einem Routinescreening auf eine Depression teilgenommen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass man schwere Depressionen auch bei dieser Patientengruppe erfolgreich
behandeln kann.“
Dr. Jane Walker

Eine schwere Depression war bei Patienten mit Lungenkrebs am häufigsten (13,1%), gefolgt von Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen (10,9%) und Brustkrebs (9,3%). Bei Patienten mit Kolorektalkarzinom wurde eine schwere Depression in 7,0% und bei Patienten mit Genitalkrebs in 5,6% der Fälle nachgewiesen. Von den 1.538 depressiven Patienten erhielten 1.130 (73%) keine entsprechend wirksame Behandlung.

Integrativer Therapieansatz in der Prüfung

Die gleiche Arbeitsgruppe entwickelte für die Behandlung depressiver Krebspatienten einen integrativen Therapieansatz (Depression Care for People with Cancer, DCPC). Ein entsprechend ausgebildeter Psychiater und eine Krebskrankenschwester arbeiten mit dem Krebs-Behandlungsteam und dem Hausarzt zusammen. Das Therapieprogramm besteht aus verschiedenen Komponenten – auch Antidepressiva und Psychotherapie –, die individuell an die Situation des Patienten angepasst und in die Behandlung integriert werden.

Dieser integrative Therapieansatz wurde in 2 Studien bei depressiven Krebspatienten im Vergleich zur üblichen antidepressiven Therapie (Antidepressiva und/oder Psychotherapie) untersucht [2, 3]. Nach Aussage von Volz gibt es in Deutschland in der Psychoonkologie ähnliche Ansätze. Die Manualisierung sei jedoch noch nicht so weit vorangeschritten, wie in den beiden Interventionsstudien dargestellt.

In der SMaRT-Oncology-2-Studie (SMaRT = Symptom Management Research Trials) wurden 500 ambulante Krebspatienten randomisiert mit DCPC oder Standardtherapie behandelt. Sie hatten eine Überlebenswahrscheinlichkeit von mindestens einem Jahr und litten an einer schweren Depression [2].

In der DCPC-Gruppe sprachen nach 6 Monaten 62% der Patienten auf die Therapie an, in der Vergleichsgruppe waren es 17% (p < 0,0001). Die Patienten der DCPC-Gruppen litten weniger unter Depressionen, Angst und Fatigue, und ihre Lebensqualität war besser als bei den Patienten der Standardtherapie-Gruppe. Für die intensivierte Betreuung entstanden in der DCPC-Gruppe zusätzliche Kosten von 775 Euro pro Patient, was nach Ansicht der Autoren kosteneffektiv ist.

„Diese Therapie-
ansätze, die im Wesentlichen
Psycho- und Pharmakotherapie individualisiert verbinden, sind begrüßenswert.“
Prof. Dr Hans-Peter Volz

Auch bei Patienten mit schlechter Prognose wirksam

In der SMaRT-Oncology-3-Studie wurde bei 142 Patienten mit Lungenkrebs und schlechter Prognose eine modifizierte Version des DCPC im Vergleich zur Standardbehandlung untersucht.

Bei den Patienten der DCPC-Gruppe verbesserte sich die Depression signifikant stärker als durch Standardtherapie. Außerdem besserten sich durch die integrative Therapie beispielsweise Angst und Lebensqualität der Patienten signifikant stärker als durch die Standardbehandlung.

„Die Ergebnisse zeigen, dass man schwere Depressionen auch bei dieser Patientengruppe erfolgreich behandeln kann“, so die Schlussfolgerung von Walker. Allerdings seien nun größere Studien erforderlich, um die Wirksamkeit und Kosteneffektivität der Depressionsbehandlung bei Patienten mit Lungenkrebs weiter zu untersuchen [3]. „Diese Therapieansätze, die im Wesentlichen Psycho- und Pharmakotherapie individualisiert verbinden, sind begrüßenswert“, kommentiert auch Volz.

Referenzen

Referenzen

  1. Walker J, et al: Lancet Psych. (online) 28. August 2014
    http://dx.doi.org/10.1016/S2215-0366(14)70313-X
  2. Sharpe M, et al: Lancet 2014; 384(9948):1099-1108
    http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(14)61231-9
  3. Walker J, et al: Lancet Oncol. 2014; 15(10):1168–1176
    http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(14)70343-2

Autoren und Interessenkonflikte

Dr. Susanne Heinzl
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Walker J: Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Volz HP: Es liegen keine Erklärungen zu Interessenkonflikten vor.

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