Körperlich aktiv zu sein, lohnt – selbst beim fortgeschrittenen Lungenkrebs

Manuela Arand | 12. September 2014

Autoren und Interessenkonflikte

München Das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom (NSCLC) wird nach wie vor häufig in einem Stadium diagnostiziert, in dem eine kurative Therapie nicht mehr möglich ist. Die meisten Patienten haben nur noch wenige Monate zu leben, wie aktuelle Statistiken aus den USA zeigen [1]. Zugleich leiden diese Patienten oft mehr unter Symptomen und Therapie-Nebenwirkungen als andere Krebskranke.

„Es ist vielleicht auch zu viel erwartet, dass ein sechswöchiges Training die Lebensqualität
bei diesen Patienten mit kurzer Lebenserwartung steigern kann.“
Dr. Morten Quist

Beobachtungen der letzten Jahre haben ergeben, dass körperliche Aktivität diese Beschwerden lindern können. Jedoch: Gilt das auch noch in diesem späten Stadium? Dieser Frage widmete sich Dr. Morten Quist vom Zentrum für integrierte Rehabilitation von Krebspatienten am Universitätsklinikum Kopenhagen beim Kongress der European Respiratory Society (ERS) in Leipzig [2].

Allerdings gibt es dazu für das NSCLC erstaunlich wenig wissenschaftliche Erkenntnisse, gemessen an dem großen Interesse, dass dem Thema Krebs und Sport in den letzten Jahren zuteil geworden ist, meint Quist. Lediglich 5 Interventionsstudien, darunter eine einzige kontrollierte, hat seine Literaturrecherche zutage gefördert. Die Patientenzahlen waren klein und die Abbruchraten hoch. Zusammenfassend lauteten die Ergebnisse: Es gibt gewisse Verbesserungen von körperlicher Belastbarkeit und Muskelkraft, nicht aber in Bezug auf die Lebensqualität.

Standardisiertes Training erhöht Muskelkraft und Belastbarkeit

„Die Patienten schließen sich
schon selbst aus, wenn sie nicht mehr mittrainieren können.“
Dr. Morten Quist

Quist hat mit EXHALE eine eigene einarmige Studie an Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC durchgeführt, um den Effekt eines standardisierten Trainingsprogramms prospektiv zu evaluieren [3]. Die Teilnehmer absolvierten über 6 Wochen zweimal wöchentlich anderthalb Stunden Sport, bestehend aus einer zehnminütigen Aufwärmphase, einem Krafttraining bei 70 bis 100% ihrer Maximalleistung und weiteren 10 Minuten aerobem Training bei 70 bis 100% der maximalen Herzfrequenz. Anschließend wurden diverse physiologische Parameter erhoben und die Lebensqualität anhand von Fragebögen gemessen.

In Leipzig stellte Quist jetzt erstmals Ergebnisse vor [3]. Auch in dieser Studie schieden mit 43 von 114 viele Patienten vorzeitig aus der Studie aus, teils aufgrund von Tumorprogression oder Energiemangel, teils aber auch, weil sie nicht mehr trainieren mochten.

Bei den verbliebenen 71 Patienten wurden dann allerdings hoch signifikante Verbesserungen registriert – sowohl hinsichtlich funktioneller Parameter wie Kraft, Sechsminutengehtest (6 MWD) und maximaler Sauerstoffaufnahme (VO2max), als auch beim sozialen und emotionalen Wohlbefinden. Der Lebensqualitätsscore FACT-L zeigte insgesamt aber keine wesentliche Verbesserung. „Es ist vielleicht auch zu viel erwartet, dass ein sechswöchiges Training die Lebensqualität bei diesen Patienten mit kurzer Lebenserwartung steigern kann“, räumte Quist ein. 

Zwar ist nicht klar, was eine Steigerung in Parametern wie dem Gehtest (6 MWD) und der Sauerstoffaufnahme (VO2max) bei inoperablem Lungenkrebs im Alltag wirklich für die Kranken bedeutet. Von anderen Tumorentitäten weiß man jedoch, dass sie unabhängige Prädiktoren für Krankheitsprogression und Überleben sein können.

Insofern lohnt sich eine weitere Überprüfung des Konzepts in größeren kontrollierten Studien, meint der dänische Kollege. Dass man Patienten mit dem Trainingsprogramm überfordern könnte, fürchtet er nicht: „Die Patienten schließen sich schon selbst aus, wenn sie nicht mehr mittrainieren können.“

Referenzen

Referenzen

  1. American Cancer Society / Statistiken von 2014
    www.cancer.org/research/cancerfactsstatistics/cancerfactsfigures2014/index
  2. Kongress der European Respiratory Society (ERS), 6 bis 10 September 2014, München
    www.erscongress.org
  3. Quist M, et al: BMC Cancer 2013,13:477
    http://dx.doi.org/10.1186/1471-2407-13-477

Autoren und Interessenkonflikte

Manuela Arand
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Quist M: Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

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