Intensiver Ausdauersport lohnt für ältere Frauen – er beugt auch Vorhofflimmern vor

Julia Rommelfanger | 5. September 2014

Autoren und Interessenkonflikte

„In dieser multi-ethnischen Kohorte … waren niedriger BMI und körperliche Aktivität unabhängige Schutzfaktoren gegen die Entwicklung von Vorhofflimmern.“
Dr. Farnaz Azarbal und Kollegen

Wenn Frauen regelmäßig walken oder einen anderen Ausdauersport treiben, haben sie wesentlich seltener Vorhofflimmern als wenn sie keinen oder nur unregelmäßig Sport treiben. Zudem wirkt die körperliche Aktivität auch Übergewicht und einem dadurch erhöhten Risiko für Vorhofflimmern (Atrial Fibrillation, AF) entgegen. Dies hat eine Analyse der großen prospektiven Women’s Health Initiative (WHI) ergeben, die im Journal of the American Heart Association publiziert worden ist [1].

„In dieser multi-ethnischen Kohorte von 81.316 postmenopausalen Frauen waren niedriger BMI und körperliche Aktivität unabhängige Schutzfaktoren gegen die Entwicklung von Vorhofflimmern“, schreibt das Autorenkollektiv aus den USA um Erstautor Dr. Farnaz Azarbal vom Stanford Center for Inherited Cardiovascular Disease in Kalifornien.


Prof. Dr. Andreas Goette

In den USA leiden rund 1,1 Millionen Frauen an Vorhofflimmern. In den nächsten 50 Jahren wird diese Zahl voraussichtlich noch um das Zweieinhalbfache steigen, so die Autoren. „In Deutschland tritt die Arrhythmie aktuell bei etwa 1,7 Millionen Menschen auf, Tendenz stark steigend – aufgrund des demografischen Wandels und wahrscheinlich auch aufgrund der Zunahme von Übergewicht und Diabetes“, erläutert Prof. Dr. Andreas Goette, Kardiologe und Experte für Vorhofflimmern, vom St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn im Gespräch mit Medscape Deutschland.

Mit steigendem Alter nimmt bekanntlich das Risiko für diese häufigste kardiale Arrhythmie stark zu. Jedoch sind laut Goette andere Risikofaktoren und Mechanismen, die die Krankheit beeinflussen noch wenig erforscht. „Eindeutig ist eine Korrelation mit dem Body-Mass-Index (BMI). Ob es sich jedoch um eine Kausalität handelt, ist noch nicht ganz klar“, erklärt Goette. Moderate körperliche Bewegung dagegen sei für jede kardiovaskuläre Erkrankung gut – auch zur Senkung des AF-Risikos.

„Damit werden bisherige Bedenken zur Empfehlung sportlicher Aktivität für ältere Menschen, die Vorhofflimmern haben, in Frage gestellt.“
Dr. Farnaz Azarbal und Kollegen

Auch anstrengender Sport senkt das Risiko

Für die aktuelle Analyse hatten die Studienteilnehmerinnen von WHI (Durchschnittsalter: 63,4 Jahre) in einem Fragebogen angeben, wie oft sie sich draußen mehr als 10 Minuten am Stück bewegten und welche sportlichen Aktivitäten sie ausübten.

Nach diesen Angaben wurden sie in 4 Kategorien unterteilt:

  1. Eine „sitzende“ Gruppe (13,4%),
  2. Eine Gruppe mit niedrigem Niveau sportlicher Aktivität (11,4%),
  3. Eine mit mittlerem Niveau (22,8%),
  4. Und eine mit höherem Niveau (52,4%).

Entsprechend ihrem Body-Mass-Index (BMI) waren 25,1% adipös und 34,5% übergewichtig.

Insgesamt trat bei 9.792 Studienteilnehmerinnen während des Follow-ups von 11,5 Jahren Vorhofflimmern auf. Eher wahrscheinlich war die kardiale Arrhythmie bei Frauen mit höherem BMI und denjenigen, die weniger Sport trieben. Adipöse Frauen, die viel Sport trieben, hatten ein niedrigeres AF-Risiko als adipöse Frauen, die keinen oder wenig Sport trieben.

Der Zusammenhang von Sport und AF ist nicht so eindeutig. Sehr anstrengender Ausdauersport wird immer wieder in Zusammenhang mit einem erhöhten AF-Risiko gebracht, etwa aufgrund einer Studie mit älteren Skilangläufern, die viel trainierten (Medscape Deutschland berichtete).

„Ich würde
Patienten immer raten Ausdauersport zu treiben, auch zur Vorbeugung von Vorhofflimmern.“
Prof. Dr. Andreas Goette

Nun schreiben die Autoren der aktuellen Studie: „Wir konnten zeigen, dass ein höheres Aktivitätsniveau mit einer mäßigen, aber signifikanten Reduktion von Vorhofflimmern einhergeht. Damit werden bisherige Bedenken zur Empfehlung sportlicher Aktivität für ältere Menschen, die Vorhofflimmern haben, in Frage gestellt“, betonen Azarbal und Kollegen.

Vor allem im Alter nimmt die regelmäßige körperliche Aktivität oft ab, sagt Goette: „Ich würde Patienten immer raten Ausdauersport zu treiben – auch zur Vorbeugung von Vorhofflimmern. Insbesondere ein erhöhtes Risiko im Alter oder auch durch Übergewicht kann man so abpuffern.“

Beachten sollten Männer und Frauen jedoch, dass die körperliche Aktivität zwar belastend, jedoch nicht erschöpfend sein solle, das heißt, die anaerobe Schwelle nicht überschritten werde. „Sport treiben gerade ältere Frauen immer noch zu wenig“, fügt er an. Jeder Ausdauersport eigne sich zum Verbessern der kardiovaskulären Gesundheit und zur Vorbeugung von Vorhofflimmern. Im Gegensatz dazu wirke Krafttraining kontraproduktiv: „Gewichte stemmen erhöht den Blutdruck und das Risiko für Vorhofflimmern“, so Goette.

Referenzen

Referenzen

  1. Ararbal F, et al: JAHA (online) 20. August 2014
    http://dx.doi.org/10.1161/JAHA.114.001127

Autoren und Interessenkonflikte

Julia Rommelfanger
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Azarbal F: Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Goette A: Es liegen keine Erklärungen zu Interessenkonflikten vor.

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