Metastasiertes Nierenzellkarzinom: Sunitinib bleibt erste Wahl, Everolimus in der Zweitlinie

Dr. Susanne Heinzl | 18. August 2014

Autoren und Interessenkonflikte

Erstmals sind in einem Direktvergleich Wirksamkeit und Verträglichkeit von Sunitinib und Everolimus in der Erstlinientherapie bei Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom (mRCC) geprüft worden. Das Ergebnis: Everolimus erwies sich als nicht gleichwertig zum Standard Sunitinib. Eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Robert J. Motzer vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York hat die Studie RECORD-3 vorgenommen und nun im Journal of Clinical Oncology online publiziert.

„Der Praktiker bekommt mit dieser Studie Klarheit, was zu tun ist“, sagt Prof. Dr. Mark Dominik Alscher, Ärztlicher Direktor der Robert-Bosch-Krankenhaus GmbH, Stuttgart. „Die Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms war früher von großen Frustrationen geprägt. In den letzten Jahren konnten jedoch beachtliche Erfolge erzielt werden“, erinnert er.

„Der Praktiker bekommt mit dieser Studie Klarheit, was zu tun ist.“
Prof. Dr. Mark Dominik Alscher

Standard in der Behandlung von Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom (mRCC) sind heute Inhibitoren des Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF), des VEGF-Rezeptors (VEGFR) oder des mammalian Target of Rapamycin (mTOR). In Leitlinien wird als First-Line-Therapie ein VEGF-Inhibitor wie Sunitinib empfohlen, gefolgt vom mTOR-Hemmer Everolimus bei Progression der Erkrankung.

Direkter Vergleich von Everolimus und Sunitinib

Nun testeten Motzer und Kollegen erstmals die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Everolimus direkt gegen Sunitinib in der Erstlinientherapie bei Patienten mit mRCC. In die offene, multizentrische, von Novartis Pharma finanzierte Phase-2-Studie RECORD-3 (Renal Cell Cancer Treatment With Oral RAD001 Given Daily) wurden 471 Erwachsene mit mRCC aufgenommen. Sie erhielten randomisiert als First-Line-Therapie entweder Everolimus gefolgt von Sunitinib bei Progression (n = 238) oder Sunitinib gefolgt von Everolimus (n = 233).

Die Studie sollte nachweisen, dass die Everolimus-Sunitinib-Sequenz der Sunitinib-Everolimus-Abfolge nicht unterlegen ist. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS) in der Erstlinientherapie. Zu den sekundären Endpunkten gehörten z. B. die objektive Ansprechrate in der Erstlinienherapie, das Gesamtüberleben und die Verträglichkeit.

Everolinus in der Erstlinientherapie Sunitinib unterlegen

Doch der primäre Endpunkt wurde nicht erreicht. Das heißt: Everolimus war dem Sunitinib beim progressionsfreien Überleben unterlegen. Die mediane progressionsfreie Überlebenszeit betrug 7,9 Monaten in der Everolimus-Gruppe und war damit kürzer als in der Sunitinib-Gruppe mit 10,7 Monaten.

„Die Therapie
des metastasierten Nierenzellkarzinoms war früher von großen Frustrationen geprägt. In den letzten Jahren konnten jedoch beachtliche Erfolge erzielt werden.“
Prof. Dr. Mark Dominik Alscher

Das mediane PFS nach Erstlinientherapie mit Everolimus und Zweitlinienbehandlung mit Sunitinib betrug 21,1 Monate; für die Erstlinientherapie mit Sunitinib und Zweitlinientherapie mit Everolimus wurden dagegen 25,8 Monate erreicht.

Die mediane Gesamt-Überlebenszeit lag in der Everolimus-Sunitinib-Gruppe bei 22,4 Monaten, in der Sunitinib-Everolimus-Gruppe bei 32 Monaten. Motzer und Kollegen betonen, dass dieser Überlebensunterschied klinisch relevant ist. Nach Aussage von Alscher sind allerdings sowohl 22 als auch 32 Monate Überlebenszeiträume, die früher bei dieser Erkrankung undenkbar gewesen sind.

Die Patienten der Everolimus-Sunitinib-Gruppe wurden im Median über 5,6 Monate mit Everolimus und 4,2 Monate mit Sunitinib behandelt. In der Sunitinib-Everolimus-Gruppe erhielten sie 8,3 Monate Sunitinib und 2,8 Monate Everolimus. Häufige unerwünschte Wirkungen waren unter beiden Wirkstoffen in der Erstlinientherapie Stomatitis (53 bzw. 57%), Fatigue (45 bzw. 51%) und Durchfall (38 bzw. 57%).

Fazit des Vergleichs: Die Ergebnisse der RECORD-3-Studie bestätigen damit das in der Praxis bereits etablierte Vorgehen, den mTOR-Inhibitor als Zweitlinienbehandlung nach einer Erstlinientherapie mit Sunitinib einzusetzen.

Referenzen

Referenzen

  1. Motzer RJ, et al: J Clin Oncol (online) 21. Juli 2014
    http://dx.doi.org/10.1200/JCO.2013.54.6911

Autoren und Interessenkonflikte

Dr. Susanne Heinzl
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Motzer RJ: Beratungshonorare und Forschungsgelder u.a. von Pfizer, Genentech, Novartis, GSK

Allescher MD: Es liegen keine Angaben zu Interessenkonflikten vor.

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