Hilfe für den Hausarzt: VERAHs kommen jetzt auch nach Sachsen

Claudia Steinert | 13. August 2014

Autoren und Interessenkonflikte

Die sächsischen Hausärzte erhalten ab sofort Unterstützung von nicht-ärztlichen Praxisassistenten. Sie können dafür aus dem Honorartopf der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsens eine Vergütung beantragen. Ob die Praxis in einem unterversorgten Gebiet liegt oder nicht, spielt dabei keine Rolle mehr. Darauf haben sich die sächsischen Krankenkassen und die KV Sachsen bei ihren Gesamtvergütungsverhandlungen geeinigt [1].

„Wir hätten uns
sogar gewünscht,
die Mitarbeiterinnen nicht nur im Haus-
besuch einzusetzen, sondern auch in Zweitpraxen im ländlichen Gebiet, aber es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.“
Ingrid Dänschel

„Diese Entscheidung war lange überfällig, es wird allerhöchste Zeit“, kommentiert Ingrid Dänschel, Vorsitzende des Sächsischen Hausärzteverbands. Sachsen war im Jahr 2007 Vorreiter auf dem Gebiet der Praxisassistenten und bildete gemeinsam mit der Universität Greifswald die ersten Praxisassistentinnen aus. Doch erst jetzt, 7 Jahre später, kommt die Einigung über die flächendeckende Finanzierung. „Wir hätten uns sogar gewünscht, die Mitarbeiterinnen nicht nur im Hausbesuch einzusetzen, sondern auch in Zweitpraxen im ländlichen Gebiet, aber es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagt Dänschel.

Niemand muss, jeder kann

Die Praxisassistentinnen sollen vor allem in ländlichen Regionen die Hausärzte bei Arbeiten außerhalb der Praxis entlasten. Das ist immer dann möglich, wenn ein Arztbesuch medizinisch nicht notwendig ist.

Die speziell ausgebildeten medizinischen Fachkräfte könnten zum Beispiel ein Langzeit-EKG anlegen, Blutdruck messen oder Laborparameter bestimmen, heißt es dazu in der gemeinsamen Pressemitteilung der Krankenkassen und der KV Sachsen. „Der Einsatz einer Praxisassistentin bleibt dem Arzt jedoch selbst vorbehalten“, erklärt Klaus Schumann von der KV Sachsen auf Anfrage von Medscape Deutschland.

„In Thüringen
hat sich das
,System VERAH‘ über unseren Hausarztvertrag bereits bewährt, aber in Sachsen sind solche Praxisassistentinnen etwas ganz Neues.“
Hannelore Strobel

„Wir finden es gut, dass diese Neuerung jetzt auch in Sachsen praktiziert werden kann“, sagt Hannelore Strobel, Pressesprecherin der AOK PLUS, die für 2,7 Millionen Versicherte in Sachsen und Thüringen zuständig ist. „In Thüringen hat sich das ,System VERAH‘ über unseren Hausarztvertrag bereits bewährt, aber in Sachsen sind solche Praxisassistentinnen etwas ganz Neues.“

Mehrere Fortbildungen führen zum Ziel

Neben der Qualifikation am Institut für hausärztliche Fortbildung zur VERAH, kurz für VERsorgungsAssistentin in der Hausarztpraxis, gibt es auch eine von der Sächsischen Landesärztekammer entwickelte Weiterbildung zur nicht-ärztlichen Praxisassistentin. Beide Abschlüsse werden gegenseitig anerkannt, lediglich einige Module müssen nachgeholt werden. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein qualifizierender Berufsabschluss wie Krankenpfleger/-in oder Medizinische/-r Fachangestellte/-r und mindestens 3 Jahren Berufserfahrung in einer hausärztlichen Praxis.

Der Sächsische Pflegerat, der nicht in die Beratungen zum Einsatz von Praxisassistenten einbezogen wurde, äußert sich weit weniger euphorisch über die anstehende Änderung in der Patientenversorgung. „Es ist zu befürchten, dass mit den Praxisassistenten Doppelstrukturen zu ambulanten Pflegediensten geschaffen werden“, heißt es aus der Pressestelle. „Gleichzeitig wird die Chance vertan, das Know-how von beruflich Pflegenden sinnvoll und prozessorientiert in die Versorgung einzubinden.“

Praxisassistentinnen bilden die Schnittstelle

„Der Arzt ist
den Pflegediensten nicht weisungs-
berechtigt, den Praxisassistentinnen schon.“
Ingrid Dänschel

Das sieht Dänschel anders. „Der Arzt ist den Pflegediensten nicht weisungsberechtigt, den Praxisassistentinnen schon“, erläutert sie den Unterschied. Die Praxisassistenten sollen die Schnittstelle zwischen Arzt und Patient bilden und fest an eine Praxis angegliedert sein. Freiberuflichkeit, wie bei den Pflegediensten üblich, soll es nicht geben. „Oftmals stellen Praxisassistenten überhaupt erst einen Pflegebedarf fest.“

In Sachsen gebe es derzeit etwa 70 Praxisassistentinnen, der nächste Kurs mit 25 Teilnehmern startet im September. „Wir sind etwas ins Hintertreffen geraten, aber werden jetzt schnell aufholen“, ist sich Dänschel sicher.

Referenzen

Referenzen

  1. Gemeinsame Pressemitteilung der KV Sachsen und mehrerer Krankenkassen: „Entlastung für Hausärzte: Versorgungsverbesserung für sächsische Patienten“, 28. Juli 2014
    http://www.kvs-sachsen.de/aktuell/aktuelle-nachrichten-und-themen/entlastung-fuer-hausaerzte-versorgungsverbesserung-fuer-saechsische-patienten

Autoren und Interessenkonflikte

Claudia Steinert
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Dänschel I, Schuman K, Strobel H: Es liegen keine Angaben zu Interessenkonflikten vor.

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