Obstruktive Schlafapnoe: CPAP schlägt Sauerstofftherapie – doch Abnehmen bleibt entscheidend

Nadine Eckert | 15. Juli 2014

Autoren und Interessenkonflikte

Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe (OSA) haben bekanntlich ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Wie es sich senken lässt, haben 2 aktuelle Studien untersucht.


Prof. Dr. Tobias Welte

Das Ergebnis der einen Studie: Die CPAP (Continuous Positive Airway Pressure)-Beatmung reduziert signifikant den wichtigen kardiovaskulären Risikofaktor Bluthochdruck. Dagegen reicht eine nächtliche Sauerstofftherapie – für die Patienten die weitaus angenehmere Variante – dafür nicht aus [1].

Die zweite Studie hat den Effekt der CPAP – hier im Vergleich zur Gewichtsreduktion – auf Entzündungs- und Stoffwechselparameter untersucht. Dabei schnitt die CPAP schlecht ab – es ließen sich keine positiven Effekte feststellen [2]. Hier scheine nur eine Gewichtsreduktion zum Erfolg zu führen, kommentiert Prof. Dr. Tobias Welte, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, im Gespräch mit Medscape Deutschland. „Um den Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und kardiovaskulärer Morbidität wissen wir schon lange“, ergänzteder Direktor der Klinik für Pneumologie an der MHH Hannover. „Es gibt Daten, die explizit zeigen, dass die Behandlung der OSA kardiovaskulären Erkrankungen vorbeugt.“

OSA, OSA-Therapie und kardiovaskuläres Risiko – komplizierte Zusammenhänge

„Es gibt Daten, die explizit zeigen, dass die Behandlung der OSA kardiovaskulären Erkrankungen vorbeugt.“
Prof. Dr. Tobias Welte

Allerdings haben typischerweise OSA-Patienten fast immer auch kardiovaskuläre, metabolische und entzündliche Erkrankungen. Dies erschwert die Interpretation, welchen Einfluss die OSA-Behandlung tatsächlich auf das kardiovaskuläre Risiko hat, kommentiert Prof. Dr. Robert Basner in einem Editorial, das die beiden Veröffentlichungen begleitet [3]. Die beiden im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studien „liefern nun neue Daten, die bei der Interpretation dieses Zusammenhangs helfen“, so der Pneumologe und Schlafmediziner von der Columbia University in New York.

In der ersten Studie prüften die Schlafmediziner um Dr. Daniel Gottlieb vom Brigham and Women’s Hospital in Boston, ob die im Vergleich zur CPAP-Beatmung weniger unangenehme Sauerstofftherapie ausreicht, um das kardiovaskuläre Risiko bei OSA-Patienten zu reduzieren. „Die CPAP-Therapie ist bei den Patienten extrem unbeliebt und die Compliance deshalb sehr schlecht“, erläutert Welte.

Rund 300 Patienten – alle adipös, mit moderater bis schwerer OSA und kardiovaskulären oder metabolischen Risikofaktoren oder Vorerkrankungen – erhielten eine 12-wöchige Schulung zu gesundem Schlaf und Lebensstil. Ein Teil der Patienten erhielt zusätzlich eine CPAP-Therapie, ein anderer Teil erhielt zusätzlich eine nächtliche Sauerstofftherapie mit einem Sauerstoffkonzentrator.

„Die CPAP-Therapie ist bei den Patienten extrem unbeliebt und die Compliance deshalb sehr schlecht.“
Prof. Dr. Tobias Welte

CPAP senkt den Blutdruck, Sauerstoffzufuhr nicht

Nach 12 Wochen war der Blutdruck bei den Patienten in der CPAP-Gruppe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe, die nur die Schulung erhalten hatte, und auch als in der Gruppe, die eine nächtliche Sauerstofftherapie bekommen hatte. In Kontroll- und Sauerstofftherapie-Gruppe unterschied sich dagegen der Blutdruck nicht.

„Bei der Schlafapnoe sind zwei Mechanismen am Werk: zum einen der nächtliche Sauerstoffmangel und zum anderen die als Arousals bezeichneten Weckreaktionen“, erklärt Welte. „Die nun von Gottlieb und Kollegen veröffentlichte Studie zeigt, dass es nicht ausreicht, nur an einem der beiden Mechanismen, in diesem Fall der nächtlichen Entsättigung, anzugreifen, um den Blutdruck zu senken und Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko zu nehmen.“

Reduzierte Entzündungsmarker nur mit Gewichtsreduktion

In der zweiten Studie der University of Pennsylvania untersuchten Kardiologen um Dr. Julio Chirinos den kardiovaskulären Effekt von CPAP und Gewichtsreduktion bei Patienten mit OSA. „Adipositas ist einer der Hauptrisikofaktoren für eine obstruktive Schlafapnoe“, erklärt Welte.

„Die Studie hebt noch einmal hervor, dass bei adipösen OSA-Patienten eine Gewichtsreduktion entscheidend ist, um das kardiovaskuläre Risiko zu senken.“
Prof. Dr. Tobias Welte

180 adipöse Patienten mit moderater bis schwerer OSA erhielten entweder eine CPAP-Therapie oder eine Intervention zu Gewichtsreduktion oder beides. Die Studie dauerte 6 Monate. Die Wirksamkeit der therapeutischen Interventionen beurteilten die Autoren anhand der Veränderung des systemischen Entzündungsmarkers CRP (C-reaktives Protein), der zu Studienbeginn bei den Teilnehmern erhöht war (über 1 mg/l).

Bei den Patienten, die an der Gewichtsreduktionsintervention – mit oder ohne CPAP – teilgenommen hatten, sank die CRP-Konzentration. Auch die sekundären Endpunkte Insulinresistenz und Blutfettwerte wurden günstig beeinflusst. In beiden Gruppen nahmen die Teilnehmer durchschnittlich 7 Kilo ab.

In der Gruppe, die nur die CPAP-Beatmung erhalten hatte, veränderte sich dagegen keiner dieser Endpunkte. Die CPAP verstärkte auch nicht den Effekt der Gewichtsreduktion in der Gruppe mit der Kombinationstherapie. Der Blutdruck sank in allen 3 Gruppen. „Die Studie hebt noch einmal hervor, dass bei adipösen OSA-Patienten eine Gewichtsreduktion entscheidend ist, um das kardiovaskuläre Risiko zu senken“, resümiert Welte.

Referenzen

Referenzen

  1. Gottlieb D, et al: NEJM 2014;370:2276-2285
    http://dx.doi.org/10.1056/NEJMoa1306766
  2. Chirinos J, et al: NEJM 2014;370: 2265-2275
    http://dx.doi.org/10.1056/NEJMoa1306187
  3. Basner R, et al: NEJM 2014;370: 2339-2341
    http://dx.doi.org/10.1056/NEJMe1404501

Autoren und Interessenkonflikte

Nadine Eckert
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Welte T: Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

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