Arthrose bei Älteren: Neue Biomarker für das Krankheitsrisiko

Dr. Erentraud Hömberg | 8. Juli 2014

Autoren und Interessenkonflikte

Paris – Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten zur Personalisierung der Medizin ist die Forschung zu prädisponierenden Faktoren in vollem Gange. Die Rheumatologie macht da keine Ausnahme. Auf dem Kongress der European League Against Rheumatism (EULAR) wurde über neue prognostische Biomarker berichtet [1]. Bevor sie in der Klinik eingesetzt werden können, sind allerdings noch Anschlussuntersuchungen nötig.

Dr. Christian Beyer vom Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg, Medizinische Klinik 3, Rheumatologie und Immunologie, stellte eine Studie vor, in der er und Kollegen eine Korrelation zwischen Biomarkern im Blut und einem erhöhten Risiko für eine schwere Arthrose gefunden hatten [2].


Dr. Christian Beyer

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung, die 20 bis 30% der Bevölkerung in den Industrieländern betrifft und durch Arbeitsausfälle ca. 2% des Bruttoinlandsproduktes verschlingt. Wirksame Therapien, um sie aufzuhalten, gibt es bisher nicht. Die effektivste Art, eine Arthrose zu verhindern bzw. zu behandeln, wären präventive Maßnahmen wie Lebenstiländerungen, Gewichtsabnahme und moderate Bewegungstherapien. Doch dazu müsste man die Krankheit bereits in einem Stadium erkennen, in dem sie noch keine Schmerzen verursacht.

Das Team von Beyer untersuchte Serumproben von Menschen mit schwerer Arthrose und konnte dabei 3 micro-RNA-Marker identifizieren, die mit einem erhöhten Risiko für diese Krankheit einhergingen. Micro-RNAs sind kleine Moleküle, die regeln, welche Proteine in einer Zelle an- oder abgeschaltet werden sollen, diese aber nicht direkt selbst herstellen. Sie sind stabil, lassen sich im Blut bestimmen und können Krankheitsprozesse wiedergeben. 

Dazu nutzten die Forscher die Daten Bruneck-Studie, eine populationsbasierte epidemiologische Studie mit 816 per se gesunden Teilnehmern. Die Probanden waren über 15 Jahre (von 1995-2010) begleitet worden [3]. Als Patienten mit schwerer Arthrose definierten die Wissenschaftler jene, die im Verlauf der Follow-up-Periode einen Gelenkersatz (Total-Endoprothese, TEP) für Hüfte oder Knie benötigten. Von den 816 Probanden waren das 67 Personen. Sie waren signifikant älter und hatten einen höheren Body-Mass-Index als der Durchschnitt der Studienteilnehmer.

Je weniger let-7e-micro-RNA im Blut, desto größer die Gelenkschäden

„Wir fanden, dass drei der circa 400 analysierten micro-RNAs die Entstehung einer schweren Arthrose von Knie- oder Hüftgelenk vorhersagen konnten“, berichtete Beyer. Die 3 micro-RNAs heißen let-7e, miR-454 und miR-885-5p. Die aussagekräftigsten Ergebnisse erzielten die Wissenschaftler mit let-7e, bei denen sie einen dosisabhängigen Effekt fanden: Je niedriger die let-7e-Konzentration war, desto höher war das Risiko für die Entwicklung einer Arthrose in mehr als einem Gelenk.

„Arthrose-spezifische Biomarker könnten es Ärzten ermöglichen, präventive Behandlungen … jenen Patienten zu verschreiben, die den größten Nutzen davon haben.“
Dr. Christian Beyer

„Arthrose-spezifische Biomarker könnten es Ärzten ermöglichen, präventive Behandlungen wie Physiotherapien jenen Patienten zu verschreiben, die den größten Nutzen davon haben. Durch die Früherkennung könnte man die Auswirkungen auf die Patienten vermindern und die ökonomische Last verringern“, so Beyer hoffnungsvoll.

Doch der Rheumatologe fügte einschränkend hinzu: „Bevor unsere Arbeit reif für die klinische Anwendung wird, möchten wir die Biologie der micro-RNAs noch besser verstehen und unsere Ergebnisse in weiteren Kohorten bestätigen. Entsprechende Forschungsprojekte mit Kollegen aus Großbritannien, den Niederlanden und Frankreich haben wir bereits angestoßen“.

Referenzen

Referenzen

  1. Annual European Congress of Rheumatology, 11. bis 14. Juni 2014, Paris
    Abstract Session: “Emerging concepts in genomics and genetics” (13. Juni 2014)
    http://www.eular.org
  2. Beyer C, et al: Ann Rheum Dis (online) 10. Februar 2014
    http://dx.doi.org/10.1136/annrheumdis-2013-204698
  3. Informationen zur Bruneck-Studie
    https://www.yumpu.com/de/document/view/9355659/bruneck-studie-pdf-medizinische-universitat-innsbruck

Autoren und Interessenkonflikte

Dr. Erentraud Hömberg
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Beyer C: Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

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