Fortschritt beim Radioiod-resistenten Schilddrüsenkarzinom: Lenvatinib bewährt sich

Dr. Susanne Heinzl | 6. Juni 2014

Autoren und Interessenkonflikte

Chicago – Der Tyrosinkinase-Inhibitor Lenvatinib verlängerte bei Patienten mit 131Iod-refraktärem, differenziertem Schilddrüsenkarzinom im Vergleich zu Placebo das progressionsfreie Überleben (PFS) signifikant um 14,7 Monate. Dies ist das Ergebnis der beim ASCO 2014 von Prof. Dr. Martin Schlumberger, Institut Gustave Roussy und Universität Paris-Süd, präsentierten Ergebnisse der Phase-3-Studie SELECT (Study of [E7080] Lenvatinib in Differentiated Cancer of the Thyroid).


Prof. Dr. Martin Schlumberger
Photo by © ASCO/Silas Crews 2014

Nur 10% der Patienten mit progressivem Radioiod-refraktärem differenziertem Schilddrüsenkarzinom (RR-DTC) leben noch 10 Jahre nach Entdeckung der Metastasen. Die Behandlungsmöglichkeiten für diese Patienten sind derzeit begrenzt. Mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor Sorafenib waren im Jahr 2013 auf dem ASCO gute Ergebnisse berichtet worden. Die amerikanische FDA hat Sorafenib im November 2013 für die Behandlung von Patienten mit RR-DTC zugelassen. Die Europäische Zulassungsbehörde hat im April 2014 die Zulassung empfohlen.

14,7 Monate längeres progressionsfreies Überleben mit Lenvatinib

Lenvatinib ist ein oraler Multikinase-Hemmer, der VEGFR1-3, FGFR1-4, PDGRF, RET und KIT hemmt. In einer Phase-2-Studie hatte er sich als wirksam bei RR-DTC-Patienten erwiesen. Daher wurden in der von der Pharmafirma Eisai unterstützten Phase-3-Studie SELECT Wirksamkeit und Verträglichkeit von Lenvatinib im Vergleich zu Placebo untersucht.

In die Studie wurden 392 Patienten mit RR-DTC aufgenommen, die teilweise schon eine gezielte Therapie erhalten hatten. Sie wurden 2:1 randomisiert mit Lenvatinib (n = 261) in einer Dosierung von 24 mg täglich oral oder Placebo (n = 131) bis zur Krankheitsprogression behandelt. Patienten der Placebo-Gruppe konnten bei Progression offen mit Lenvatinib weiterbehandelt werden.

Primärer Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben (PFS), zu den sekundären Endpunkten gehörten die Ansprechraten, das Gesamtüberleben sowie die Verträglichkeit. In der Lenvatinib-Gruppe wurden die Patienten im Median über 13,8 Monate behandelt, in der Placebo-Gruppe über 3,9 Monate.

„Wir sind zuversichtlich,
dass Lenvatinib aufgrund unserer Ergebnisse möglicherweise eine Standardtherapie beim Radioiod-resistenten Schilddrüsen-
karzinom wird.“
Prof. Dr. Martin Schlumberger

Lenvatinib verlängerte das PFS signifikant von 3,6 auf 18,3 Monate (Hazard Ratio: 0,21; 95%-Konfidenzintervall: 0,14–0,31, p < 0,0001). Der Effekt war bereits nach 2 Monaten Behandlung sichtbar. Auch in der Subgruppe der Patienten, die bereits zuvor eine gegen VEGF gerichtete Therapie erhalten hatten, verlängerte Lenvatinib das PFS von 3,6 auf 15,1 Monate signifikant. Die Wirksamkeit des Multikinasehemmers war auch in allen anderen Subgruppen von Patienten, die zuvor schon eine Therapie erhalten hatten, zu sehen. Die objektive Ansprechrate lag bei 65% (Placebo 2%), 4 Patienten (2%) sprachen komplett an. Die Daten zum medianen Gesamtüberleben liegen noch nicht vor.

Viele unerwünschte Wirkungen

Unerwünschte Wirkungen von Lenvatinib waren häufig, vor allem Hypertonie, Durchfall, verminderter Appetit, Gewichtsverlust und Übelkeit. Wegen der unerwünschten Wirkungen musste bei 78,5% der Lenvatinib-Patienten die Dosis reduziert werden.

„Wir sind zuversichtlich, dass Lenvatinib aufgrund unserer Ergebnisse möglicherweise eine Standardtherapie beim Radioiod-resistenten Schilddrüsenkarzinom wird“, sagte Schlumberger. Vor gut einem Jahr habe es noch keine Therapieoption gegeben. Das habe sich geändert, denn mit Sorafenib und Lenvatinib stünden nun 2 Tyrosinkinase-Inhibitoren zur Verfügung.

Referenzen

Referenzen

  1. ASCO Annual Meeting, 30. Mai bis 3. Juni 2014, Chicago
    http://am.asco.org
    Schlumberger M, et al: Abstract #LBA6008
    http://meetinglibrary.asco.org/content/132694-144

Autoren und Interessenkonflikte

Dr. Susanne Heinzl
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Schlumberger M: Forschungsgelder und Beratungshonorare

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