Metastasiertes Kolorektalkarzinom: Nun vier Alternativen bei der Erstlinientherapie

Dr. Susanne Heinzl | 4. Juni 2014

Autoren und Interessenkonflikte

Chicago – Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom und KRAS-Wildtyp erreichen bei der Erstlinientherapie mit dem Angiogenesehemmer Bevacizumab und dem Tyrosinkinase-Inhibitor Cetuximab jeweils zusammen mit Chemotherapie (FOLFIRI oder FOLFOX) ein ähnliches Gesamtüberleben von etwa 29 Monaten, so die beim ASCO vorgestellten Ergebnisse einer Phase-3-Studie (CALGB/SWOG-80405) [1]. Damit stehen nach Aussage von Prof. Dr. Alan P. Venook, Department of Medicine (Hematology/Oncology), University of California, San Francisco, für die Erstlinienbehandlung dieser Patienten nun 4 Alternativen zur Verfügung.


Prof. Dr. Alan P. Venook
Photo by © ASCO/Silas Crews 2014

In den USA werden etwa 75% der Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom initial mit einen Bevacizumab-basierten Therapie behandelt, während in Europa eher Cetuximab-basierte Regime verwendet werden. Unter den Chemotherapien wird in den USA FOLFOX (Oxaliplatin/Fluorouracil/Leucovorin) bevorzugt, während die Europäer häufiger FOLFIRI (Irinotecan/Fluorouracil/Leucovorin) einsetzen. FOLFIRI löst häufiger Durchfälle und Haarausfall aus, während bei FOLFOX Neuropathien öfters zum Therapieabbruch zwingen.

2004 begonnen – CALGB/SWOG-80405-Studie

Die im Jahr 2004 begonnene Phase-3-Studie sollte die Frage nach der optimalen Erstlinientherapie bei Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom untersuchen. Für FOLFOX und FOLFIRI war eine ähnliche Wirksamkeit nachgewiesen worden. Bevacizumab war damals zur Erstlinientherapie und Cetuximab zur Zweit- oder Drittlinienbehandlung zugelassen. In Studien erreichten die Patienten maximal ein Gesamtüberleben von 20 bis 22 Monaten. „In zehn Jahren kann viel passieren“, so Venook, „aber die optimale Erstlinientherapie ist immer noch nicht bekannt.“

In der von den National Institutes of Health (NIH) finanzierten Head-to-Head-Studie der Phase 3 erhielten im endgültigen Design 1.140 bislang unbehandelte Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom und KRAS-Wildtyp nach Entscheidung des Arztes eine Chemotherapie mit FOLFIRI (26,6%) oder FOLFOX (73,4%). Randomisiert wurden sie mit Cetuximab und Bevacizumab bis zur Progression, bis zum Tod oder bis zum Auftreten nicht akzeptabler Nebenwirkungen behandelt. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben. Die Studie sollte die Überlegenheit der einen oder anderen Therapie belegen. Welcher Arm besser sein sollte, war offen.

Wirkung von Bevacizumab = Wirkung von Cetuximab

In der in Chicago vorgestellten 11. Interimsanalyse betrug das Gesamtüberleben in der Cetuximab-Gruppe 29,9 Monate, in der Bevacizumab-Gruppe 29,0 Monate (Hazard Ratio: 0,925; 95%-Konfidenzintervall: 0,78–1,09; p = 0,34). Ein Gesamtüberleben von mehr als 29 Monaten sei eine neue, bislang nicht erreichte Bestmarke in der Behandlung solcher Patienten, betonte Venook.

Auch das progressionsfreie Überleben unterschied sich zwischen den beiden Gruppen mit 10,8 Monaten unter Bevacizumab und 10,4 Monaten unter Cetuximab nicht (HR: 1,04; 95%-KI: 0,91–1,17; p = 0,55). Damit war die Studie negativ, dennoch „liefert sie wertvolle Informationen“, so Prof. Dr. Josep Tabernero, Vall d’Hebron Hospital und Institut für Onkologie (VHIO), Barcelona, in seinem Diskussionsvortrag in der Plenary Session beim ASCO 2014 [2].

Daten noch unvollständig

Venook wies darauf hin, dass für die endgültige Beurteilung der Ergebnisse noch eine Reihe von Daten fehlten wie Ansprechraten, Dauer und Intensität der Therapie, Details zur Operation sowie Details zu nachfolgenden Therapien. Denn rund 88% der Patienten waren im weiteren Verlauf ihrer Erkrankung mit anderen Therapien behandelt worden.

Weil das Überleben in beiden Gruppen ähnlich war, komme der Beurteilung der Lebensqualität durch die Patienten eine besondere Bedeutung zu, erläuterte Venook weiter. Auch hier unterschieden sich die beiden Gruppen nicht signifikant, wenngleich in der Cetuximab-Gruppe erheblich mehr Hautreaktionen beobachtet wurden. Diese wurden von den Patienten vermutlich deshalb relativ gut toleriert, weil ihnen bekannt war, dass das Auftreten des Hautausschlags mit einem guten Ansprechen assoziiert ist.In der Studie wurden keine neuen, bislang nicht bekannten unerwünschten Wirkungen der verschiedenen Therapieformen beobachtet.

Venook und Tabernero wiesen darauf hin, dass eine solche Head-to-Head-Studie ohne die Finanzierung aus öffentlichen Mitteln vermutlich nicht möglich gewesen wäre. Venooks Take-Home-Message lautete, dass Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom vom KRAS-Wildtyp nun eine Wahl haben. Die Auswahl der Erstlinientherapie sollte die Vorlieben des Patienten und das Risiko der verschiedenen Nebenwirkungen berücksichtigen. So könnten etwa 10% der Patienten länger als 5 Jahre überleben.

Referenzen

Referenzen

  1. ASCO Annual Meeting, 30. Mai bis 3. Juni 2014, Chicago
    http://am.asco.org
    Venook AP, et al: Abstract LBA3
    http://meetinglibrary.asco.org/content/126013-144
  2. ASCO, Plenary Session, Tabernero J: „The Puzzle of the Treatment of the First-Line mCRC“

Autoren und Interessenkonflikte

Dr. Susanne Heinzl
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Venook AP: Beraterhonorare und Forschungsgelder von verschiedenen pharmazeutischen Firmen

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