Länger leben nach Herzinfarkt – dank einem Plus an Ballaststoffen, vor allem aus Getreide

Nadine Eckert | 22. Mai 2014

Autoren und Interessenkonflikte

Nach einem Herzinfarkt kann eine relativ leicht umzusetzende Veränderung in der Ernährung das Überleben drastisch verbessern. Pro 10 g Ballaststoffe mehr am Tag sank die Gesamtmortalität in einer Auswertung der Nurses’ Health Study und der Health Professional Follow-up Study um 15%. Die Teilnehmer mit der ballaststoffreichsten Ernährung nach Herzinfarkt konnten ihr Sterberisiko damit um bis zu 25% senken.


Prof. Dr. Helmut Gohlke

Die Epidemiologen um Shanshan Li von der Harvard School of Public Health in Boston werteten 9 Jahre Follow-up aus. „Das ist eine enorm lange Nachbeobachtungszeit“, betont Prof. Dr. Helmut Gohlke, der ehemalige Chefarzt des Herz-Zentrums Bad Krozingen gegenüber Medscape Deutschland. Hinzu kommt, dass die inverse Beziehung zwischen Ballaststoffaufnahme und Sterberisiko unabhängig von Risikofaktoren wie Gewicht und Diabetes waren.

 „Profitiert haben besonders diejenigen, die sich vor dem Herzinfarkt ballaststoffärmer ernährt haben, die also noch Spielraum nach oben hatten“, sagt Gohlke. „Bei Patienten, die trotz ballaststoffreicher Ernährung einen Herzinfarkt bekommen hatten, spielte die Ernährungsumstellung eine weniger große Rolle. Sie hatten den Nutzen der Ballaststoffe schon vorher weitgehend ausgeschöpft“, erklärt er.

Grundlage der Studie waren mehr 4.000 Teilnehmer der Nurses’ Health Study und der Health Professional Follow-up Study, die während des Follow-up von fast einem Jahrzehnt einen Herzinfarkt erlitten. 1.133 von ihnen starben in diesem Zeitraum.


„Profitiert haben besonders diejenigen, die sich vor dem Herzinfarkt ballaststoffärmer ernährt haben.“
Prof. Dr. Helmut Gohlke

Mehr Ballaststoffe, längeres Leben

Die Patienten wurden nach ihrem Ballaststoffkonsum in 5 verschiedene Gruppen eingeteilt. Diejenigen, die sich nach dem Herzinfarkt  am ballaststoffreichsten ernährten, hatten das geringste Sterberisiko. Die Gesamtmortalität war bei ihnen um fast ein Viertel niedriger als bei denjenigen Patienten, die am wenigsten Ballaststoffe konsumierten. Die kardiovaskuläre Mortalität unterschied sich bei dem Vergleich zwischen diesen beiden Gruppen um 13%.

Eine zweite Auswertung erfolgte nach dem Kriterium der Steigerungsdynamik: Nach dem Herzinfarkt aßen viele Patienten mehr Ballaststoffe, und je größer die Steigerung war, desto geringer war das anschließende Mortalitätsrisiko, berichten die Studienautoren. Diejenigen Patienten, die ihren Ballaststoffkonsum nach dem Herzinfarkt am deutlichsten steigern konnten, hatten eine um 31% geringere Gesamtmortalität und eine um 35% niedrigere kardiovaskuläre Mortalität.

Studien zeigen, dass ein vermehrter Verzehr von Ballaststoffen die Blutzuckerkontrolle und Insulinsensitivität verbessert, die Produktion kurzkettiger Fettsäuren erhöht und die Sättigung fördert, so dass insgesamt weniger Energie aufgenommen wird.

„Herz-Kreislauf-Patienten sollten
sich so eng wie möglich an das Ernährungskonzept der mediterranen Kost halten.“
Prof. Dr. Helmut Gohlke

„Immer mehr Menschen überleben einen Herzinfarkt”, schreiben die Autoren. „Es wird deshalb immer wichtiger herauszufinden, was sie abgesehen von der Medikation unternehmen können, um ihre Gesundheit langfristig zu verbessern.“  Bislang liege der Fokus der Sekundärprävention vor allem auf der medikamentösen Behandlung, da es an Evidenz für Empfehlung zu Lebensstil und Ernährung nach Herzinfarkt mangele.

Ballaststoffe müssen Teil eines Ernährungskonzeptes sein

Gohlke rät allerdings davon ab, sich nur auf eine Komponente der Ernährung zu versteifen. „Man kommt mehr und mehr davon ab, grammgenaue Angaben zu machen, wie viel von bestimmten Ernährungskomponenten verzehrt werden sollte. Vielmehr sollten Herz-Kreislauf-Patienten sich so eng wie möglich an das von den kardiologischen Fachgesellschaften empfohlene Ernährungskonzept der mediterranen Kost halten – in dem Ballaststoffe natürlich eine wichtige Rolle spielen“, sagte der auf Prävention und Rehabilitation spezialisierte Kardiologe, der auch Mitglied im Vorstand der Deutschen Herzstiftung ist.


„Dass Ballaststoffe
aus Getreide die wohl günstigste Wirkung haben, wurde bereits in mehreren Studien gezeigt.“
Prof. Dr. Helmut Gohlke

In der mediterranen Küche stammen diese vor allem aus Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten. Li und Kollegen bestätigten in ihrer Studie, dass vor allem Ballaststoffe aus Getreide mit einer verringerten Mortalität assoziiert sind. Frühstückscerealien waren in beiden Studien die Hauptquelle für Ballaststoffe.

 „Ob eine Ballaststoffquelle besser ist als andere, ist von Studie zu Studie unterschiedlich“, berichtet Gohlke. „Dass Ballaststoffe aus Getreide die wohl günstigste Wirkung haben, wurde aber bereits in mehreren Studien gezeigt.“

 „Herzinfarktpatienten haben ein höheres Risiko zu sterben als die Allgemeinbevölkerung und sind sich diese Risikos durch den erlebten Infarkt bewusst geworden“, schreiben Li und seine Kollegen. Sie seien deshalb eher gewillt, etwas an ihrem Lebensstil zu ändern, schreiben die Autoren. Und Gohlke fügt hinzu: „Die jetzt publizierte Nachbeobachtung zeigt, dass eine ballaststoffreiche Kost nach einem Herzinfarkt eine wichtige Nahrungskomponente ist, die langfristig zu einer Verbesserung des Überlebens beiträgt.“

Referenzen

Referenzen

  1. Shanshan L, et al: BMJ 2014;348:g2659
    http://dx.doi.org/10.1136/bmj.g2659

Autoren und Interessenkonflikte

Nadine Eckert
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Shanshan L, Gohlke H: Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

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