Barorezeptorstimulation: Alternative für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz?

Axel Viola | 7. Mai 2014

Autoren und Interessenkonflikte

Mannheim – Die Barorezeptorstimulation gilt als ein Alternativverfahren zur renalen Denervierung (RDN) bei der Behandlung von Patienten mit therapierefraktärer Hypertonie. Sie hat allerdings bisher wenig breite Aufmerksamkeit erfahren. Das lag wohl vor allem an dem für Patienten stärker belastenden Eingriff im Vergleich zur katheterbasierten Ablation der Nierenarterien. Bis vor kurzem musste zur Positionierung der Stimulationselektroden ein größerer Schnitt am Hals getätigt werden, auch das schrittmacherähnliche Impuls- und Energiemodul war recht groß.


„Wir wissen auch, dass es durch eine vagale Stimulation
zu einer Reduktion der Herzfrequenz kommt.“
Prof. Dr. Martin Borggrefe

Beide Elemente wurden inzwischen so modifiziert, dass der notwendige Eingriff für die Patienten weniger belastend vorgenommen werden kann. Einen weiteren Auftrieb könnte die Barorezeptorstimulation nun aufgrund der für die renalen Denervierung (RDN) ernüchternden Ergebnisse aus der Symplicity-HTN-3-Studie erfahren (Medscape Deutschland berichtete). Außerdem werden dem Stimulationsverfahren über die blutdrucksenkende Wirkung hinaus weitere positive Effekte ähnlich der RDN zugesprochen: zum Beispiel bei der Therapie von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz.

Zwar stehe mit der kardialen Resynchronisationstherapie (CRT) eine wirksame Therapie zur Verfügung, sagte Prof. Dr. Martin Borggrefe, Direktor der I. Medizinischen Klinik am Universitätsklinikum Mannheim, auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, aber nicht alle Patienten profitierten von einer CRT [1]. „Wir wissen, dass bei Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz die CRT die Morbidität und Mortalität verringert. Auf der anderen Seite wissen wir aber heute auch, dass besonders nur die Patienten profitieren, die einen breiten QRS-Komplex haben. Die Responderraten bei einer geringeren QRS-Komplexbreite von 120 bis 150 Millisekunden sind weniger gut“, berichtete Borggrefe.

„Es gibt Hinweise, dass die Barorezeptor-
stimulation auch bei Herzinsuffizienz geeignet zu sein scheint.“
Prof. Dr. Martin Borggrefe

Stimulation des Vagus reduziert die Herzfrequenz

Aus diesen Gründen würden andere Verfahren getestet, „um Patienten mit einer Herzschwäche im Stadium chronischer Herzinsuffizienz zu verbessern“. Schon lange sei aus tierexperimentellen Befunden bekannt, dass eine vermehrte sympathische Aktivität und eine reduzierte vagale Aktivität mit einer erhöhten Sterblichkeit bei Herzinsuffizienz besonders nach Herzinfarkt verbunden ist.

„Wir wissen auch, dass es durch eine vagale Stimulation zu einer Reduktion der Herzfrequenz kommt. Aus vielen Arbeiten ist darüber hinaus bekannt, dass ein antiarrhythmischer Effekt besteht und dass es zu einer Dilatation der Koronargefäße kommt. Neuere Befunde aus den vergangenen zehn Jahren zeigen zudem einen antiinflammatorischen Effekt und eine Reduktion des plötzlichen Herztods im Tierexperiment“, verdeutlichte der Mannheimer Kardiologe.

In jüngerer Zeit wurde zudem, wie Borggrefe sagte, in einem „eleganten Tiermodell“ die vagale Stimulation bei chronischer Herzinsuffizienz untersucht. Bei Schweinen nach Infarkt konnte eine Zunahme der Ejektionsfraktion beobachtet werden, wenn sie vagal stimuliert wurden. Außerdem konnte die neurohumorale Situation verbessert werden, der CRP-Wert nahm ab und sowohl IL-6 als auch TNF-alpha wurden herunterreguliert.

Verbesserung der linksventrikulären Auswuffraktion

Die Barorezeptorstimulation sei deshalb für die Herzinsuffizienztherapie interessant, weil sie einerseits die Herzfrequenz vermindere und andererseits ein Effekt direkt an den Arterien zu beobachten sei: Diese Stimulation senkt den Blutdruck und verbessert auch die Nierenperfusion. „Erste bereits 2005 im Tiermodell gezeigte Daten zeigen, dass es unter Barorezeptorstimulation zu einer Verbesserung der linksventrikulären Auswurffraktion kommt. Damit gibt es Hinweise, dass dieses Verfahren auch bei Herzinsuffizienz geeignet zu sein scheint“, erklärte Borggrefe. Auch bei einem Herzinsuffizienzmodell bei „rapid pacing“ hätte gezeigt werden können, dass es „zu einer Zunahme der Überlebensrate unter Barorezeptorstimulation kam“.

„Bei Patienten
mit Herzschwäche wird befürchtet,
dass eine zu starke Blutdruckreduktion ungünstig sein könnte.“
Prof. Dr. Martin Borggrefe

Eine erste Studie mit 11 Patienten mit Herzschwäche konnte inzwischen zeigen, dass die Barorezeptorstimulation zu einer Verbesserung der NYHA-Klasse führt und die Zahl der Krankenhausaufnahmen reduziert werden kann. Borggrefe: „Untersucht wurde auch die Blutdruckabnahme. Die war bei diesen Patienten erfreulicherweise nicht so stark. Bei Patienten mit Herzschwäche wird befürchtet, dass eine zu starke Blutdruckreduktion ungünstig sein könnte.“ Die Herzfrequenz habe nur etwas abgenommen, aber dafür hätten die Patienten eine deutliche Reduktion ihrer Medikamente erreichen können.

Diese Daten würden nun in einer multizentrischen, prospektiven Studie weitergehend untersucht. Allerdings werde es noch keine Daten zur Überlebensrate geben, aber zur Frage der Lebensqualität und Belastbarkeit dieser Patienten soll die Studie neue Erkenntnisse beisteuern.

Referenzen

Referenzen

  1. 80. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologe (DGK), 23. bis 26. April 2014, Mannheim
    Sitzung des Tagungspräsidenten „Innovative Devicetherapie“, 26. April 2014
    http://ft2014.dgk.org/

Autoren und Interessenkonflikte

Axel Viola
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Borggrefe M: Es liegen keine Erklärungen zu Interessenkonflikten vor.

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