Kombi-Therapie mit Obinutuzumab schlägt Standardbehandlung bei CLL

Roxanne Nelson | 27. Dezember 2013

Autoren und Interessenkonflikte

New Orleans – Die Kombination des neuen monoklonalen Antikörpers Obinutuzumab mit Chlorambucil ist bei der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) der Standardtherapie aus Rituximab plus Chlorambucil überlegen. Das zeigen klinische Daten, die aktuell beim 55. Jahreskongress der American Society of Hematology präsentiert wurden. Obinutuzumab ist Anfang November 2013 von der Food and Drug Administration (FDA) für die Therapie von nicht vorbehandelten CLL-Patienten zugelassen worden.

Neu sind die Ergebnisse einer Studie an älteren CLL-Patienten mit Begleiterkrankungen, in der Patienten auf die Kombinationstherapie aus Obinutuzumab und Chlorambucil häufiger komplett ansprachen und annähernd doppelt so lange progressionsfrei überlebten wie unter der Kombination aus Rituximab und Chlorambucil.

„Meiner Meinung nach ist dies eine Therapie, die die klinische Praxis für diese Patientengruppe verändern kann“, sagte Studienautor Dr. Valentin Goede von der Universitätsklinik Köln bei einer Pressekonferenz. „Wir werden diese Ergebnisse noch über eine längere Zeit nachbeobachten. Sie legen jedoch nahe, dass Obinutuzumab das Potential hat, Rituximab bei der Behandlung von CLL-Patienten zu ersetzen.“

Dauer des progressionsfreien Überlebens fast verdoppelt

Goede präsentierte die Ergebnisse der CLL11-Studie in der Plenarsitzung. Erste Ergebnisse waren bereits bekannt gewesen, denn eine vorgeplante Interimsanalyse hatte gezeigt, dass der primäre Endpunkt früh erreicht worden war.

„Meiner Meinung nach ist dies eine Therapie, die die klinische Praxis für diese Patientengruppe verändern kann.“
Dr. Valentin Goede

In die Studie waren 781 Patienten im Durchschnittsalter von 73 Jahren aufgenommen worden, die randomisiert in 3 Armen behandelt wurden: Chlorambucil allein (0,5 mg/kg oral Tag 1, Tag 15, alle 28 Tage, 6 Zyklen), Obinutuzumab plus Chlorambucil (100 mg i.v. Tag 1, 900 mg Tag 2, 1000 mg Tag 8, Tag 15 in Zyklus 1, 1000 mg Tag 1 in Zyklus 2-6) oder Rituximab plus Chlorambucil (375 mg/m2 i.v. Tag 1 Zyklus 1, 500 mg/m2 Tag 1 in Zyklus 2-6). Im Median wurden die Patienten 19 Monate nachbeobachtet.

Goede wies darauf hin, dass fast 40% der Patienten älter als 75 Jahre waren und unter einer Vielzahl von Begleiterkrankungen litten. „Sie wiesen die typischen Komorbiditäten dieser Population wie Hypertonie, koronare Herzkrankheit, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, Diabetes mellitus und muskuloskelettale Erkrankungen auf.“ Diese Begleiterkrankungen behandelten sie in der Regel medikamentös.

In Kombination mit Chlorambucil zeigte Obinutuzumab eine stärkere antileukämische Aktivität als Rituximab. Daten zum Gesamtüberleben liegen noch nicht vor. Das progressionsfreie Überleben (PFS) wurde statistisch signifikant und klinisch bedeutsam verlängert von 15 Monaten mit Rituximab auf 27 Monate mit Obinutuzumab. Auch die Gesamtansprechrate war mit Obinutuzumab höher (78% vs 65%).

Im Hinblick auf die minimale Resterkrankung (minimal residual disease – MRD) war die Zahl der Patienten mit negativen Blutproben am Ende der Behandlung mit Obinutuzumab rund 10-mal höher als mit Rituximab (MRD im Knochenmark 19,5% vs 2,6 %, im Blut 37,7% vs 3,3%).

Bei Behandlung mit Obinutuzumab traten häufiger Nebenwirkungen vom Grad 3–5 auf (70% vs 55%), insbesondere Infusions-bedingte Reaktionen (20% vs 4%). Die Autoren wiesen jedoch darauf hin, dass Infusionsreaktionen vom Grad 3-4 mit Obinutuzumab nur bei der ersten Infusion beobachtet wurden.

Bedeutung der Studie

Als Erstlinientherapie für ältere CLL-Patienten mit Begleiterkrankungen, also die typischen CLL-Patienten in der täglichen klinischen Praxis, habe diese Kombination ein akzeptables Sicherheitsprofil und sie verlängere das Gesamtüberleben, so Goede: „Sie ist Rituximab plus Chlorambucil überlegen.“

Die Studie zeige, dass Patienten in klinische Studien aufgenommen werden könnten, die den klinischen Alltag besser widerspiegelten, so Dr. John Gribben vom Barts Cancer Institute, London. Dies sei ein wichtiger Aspekt der Studie. „Sehr häufig sind nämlich ältere Patienten mit Begleiterkrankungen aus klinischen Studien ausgeschlossen“, betonte Gribbin. Deshalb kann es für den Arzt schwierig sein, aus Studienergebnissen direkt Schlussfolgerungen für die Patienten zu ziehen, die er in der täglichen Praxis behandelt.

„Bisher war dies aber nicht so wichtig, weil es für die Behandlung der CLL nur wenige therapeutische Möglichkeiten gab“, sagte Gribben. Dies habe sich aber geändert und es gäbe nun eine neue, vielversprechende Therapie. Darüber hinaus müssten auch Parameter zur Beurteilung der Komorbiditäten gefunden werden, damit eine bessere Therapieentscheidung möglich sei.

„Das Ziel war immer, wirksamere und besser verträgliche monoklonale
CD20-Antikörper
zu entwickeln,
insofern ist das Studienergebnis sicher ermutigend.“
Dr. Saad Usmani

„Die Behandlung sollte nicht nur orientiert am Lebensalter durchgeführt werden“, so Gribben. Diese Studie erbringe den Nachweis, dass Chemotherapie die Therapie der Wahl für alle CLL-Patienten und dass Obinutuzumab und Chlorambucil als neue Kombination für die morbideren Patienten geeignet sei. „Ich gehe davon aus, dass wir uns auch auf die Ergebnisse dieses neu zugelassenen Antikörpers in Kombination mit gezielten Therapien freuen können,“ sagte Gribben.

Zur Übertragung der Ergebnisse auf jüngere Patienten sagte Gribben: „Wir wissen, dass Obinutuzumab bei älteren Patienten mit Begleiterkrankungen Rituximab überlegen ist und ich vermute, dass er Rituximab ersetzen kann. Aber es ist schwierig, dies für jüngere Patienten zu beurteilen.“ Bei jüngeren Patienten wird Rituximab mit sehr viel aggressiveren Chemotherapien kombiniert „und wir wissen, dass diese Therapien sehr wirksam sind“, sagte er. „Wir wissen nicht, wie viel zusätzliche Wirksamkeit Obinutuzumab hat, wenn wir es bei diesen Patienten gegen Rituximab austauschen“, fuhr er fort.

Bedarf an besser verträglichen und wirksameren Medikamenten

„Es gibt eine Reihe von neuen monoklonalen CD20-Antikörpern, die auf dem Erfolg von Rituximab aufbauen“, kommentierte Dr. Saad Usmani, Direktor des Programms zu Plasmazellerkrankungen und Direktor der klinischen Forschung bei hämatologischen Neoplasien vom Levine Cancer Institute/Carolinas Healthcare System, Charlotte, North Carolina, auf Anfrage von Medscape Medical News. „Das Ziel war immer, wirksamere und besser verträgliche monoklonale CD20-Antikörper zu entwickeln, insofern ist das Studienergebnis sicher ermutigend“, so Usmani.

Die kritischen Punkte sind seiner Ansicht nach die Kosten und die erforderliche Zeit, bis die Ärzte im Umgang mit den neuen Substanzen ausreichend vertraut sind. „So wird es vermutlich ein oder zwei Jahre dauern, bis es in der klinischen Praxis verwendet wird“, sagte Usmani. „Darüber hinaus ist es wichtig, den Ärzten die Unterschiede zwischen den verschiedenen monoklonalen Antikörpern klar zu machen und warum es sinnvoll ist, den einen oder den anderen zu verwenden.“

Dieser Text wurde übersetzt von Dr. Susanne Heinzl.

Referenzen

Referenzen

  1. 55. Jahreskongress der American Society of Hematology (ASH), 7. bis 10. Dezember 2012, New Orleans, USA
    http://www.hematology.org/meetings/annual-meeting
    Abstract 6 (8.12.2013)
    https://ash.confex.com/ash/2013/webprogram/Paper60276.html

Autoren und Interessenkonflikte

Roxanne Nelson
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Goede V, Gibben J: Honorar von Mundipharma, Hoffmann La Roche

Usmadi S: Es liegen keine Angaben zu Interessenkonflikten vor.

Dieser Artikel wurde von Dr. Susanne Heinzl aus www.medscape.com übersetzt : Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.