Biologikum in der Lupus-Therapie: Wie verändert es das Behandlungskonzept?

Dr. Erentraud Hömberg | 18. Oktober 2013

Autoren und Interessenkonflikte

Mannheim – Bis vor kurzem waren neben Glukokortikoiden nur Antimalariamittel, Azathioprin und Cyclophosphamid für die Behandlung des Systemischen Lupus erythematodes (SLE) zugelassen. Nach dem erfolgreichen Abschluss des AMNOG-Verfahrens steht nun mit Belimumab das erste Biologikum als Zweitlinientherapie zur Verfügung.



Prof. Dr. Martin Aringer

Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) ging Prof. Dr. Martin Aringer, Leiter des Bereichs Rheumatologie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik der Technischen Universität Dresden, der Frage nach, welche Änderungen sich dadurch für die Therapie des SLE ergeben [1].

Belimumab ist ein gentechnologisch hergestellter humaner monoklonaler Antikörper gegen den B-Lymphozytenstimulator BLyS, der 2011 als Zusatztherapie bei erwachsenen Patienten mit SLE zugelassen wurde. In der Fachinformation zur Zulassung von Belimumab (Benlysta®) heißt es wörtlich: „Benlysta® ist indiziert als Zusatztherapie bei erwachsenen Patienten mit aktivem, autoantikörperpositivem SLE, die trotz Standardtherapie eine hohe Krankheitsaktivität (z.B. positiver Test auf Anti-dsDNA-Antikörper und niedriges Komplement) aufweisen“.

Belimumab wirkt auf inflammatorische Prozesse in Organen

„Die entscheidende Frage ist: Haben wir eine immunologische Aktivität? Wenn wir diese nicht finden, wird Belimumab auch nichts bewirken.“
Prof. Dr. Martin Aringer

In 2 großen, doppelblinden, randomisierten klinischen Studien konnte Belimumab einen signifikanten Effekt auf SLE zeigen, berichtete der Rheumatologe Aringer. Um die Teilnehmer im Vergleichsarm nicht zu gefährden, wurden allerdings nur Patienten mit nicht lebensgefährlicher Erkrankung eingeschlossen. Das mache die Auswertung der Daten komplizierter, weil bei sehr milden Verläufen die Unterschiede zur herkömmlichen Behandlung kaum relevant seien. Tatsächlich schneidet Belimumab bei Patienten mit aktiver Krankheit besser ab. „Die entscheidende Frage ist: Haben wir eine immunologische Aktivität? Wenn wir diese nicht finden, wird Belimumab auch nichts bewirken“, betonte Aringer. Aber selbst bei hoher Aktivität, so zeigen die Daten, könne es ein halbes Jahr dauern, bis ein klinischer Effekt nachweisbar sei.

Bei den serologisch aktiven Patienten scheint Belimumab vor allem auf Organe zu wirken, die zu Entzündungen neigen, nicht aber bei hämatologischen Veränderungen wie Leukopenien, Lymphopenien oder Thrombopenien. Dies ergaben Subanalysen aus den entsprechenden Studien. „Aber das muss nicht unbedingt stimmen, denn die Fallzahlen sind hier sehr gering“, schränkte Aringer ein.

Aufgrund der Datenlage kommt Belimumab nicht für die Basistherapie des SLE in Frage. Dafür bleiben Hydroxychloroquin, wenn nötig Prednisolon (möglichst nicht mehr als 5 mg), Vitamin-D-Substitution und UV-Schutz der Goldstandard.

Bei Lupusnephritis und ZNS-Lupus gilt weiterhin die Standardtherapie

Die spärliche Studienlage lasse auch keine sicheren Rückschlüsse auf Belimumab-Effekte bei einer ausgeprägten Lupusnephritis oder des ZNS-Lupus zu, so der Dresdner Rheumatologe. Diese beiden Formen werden weiterhin standardgemäß mit Cyclophosphamid behandelt. „Doch wenn bei einer schweren Lupusnephritis Cyclophosphamid nicht wirkt, ist Mycophenolat-Mofetil (MMF) indiziert. Dasselbe gilt für die Erhaltungstherapie, wenn Azathiopren keinen Effekt zeigt“, erläuterte Aringer. Dazu lägen inzwischen „hervorragende Studiendaten“ vor, auch wenn es wegen des Patentablaufs keine Zulassungsbestrebungen für MMF mehr geben werde.

„Auch wenn Belimumab sicher kein Wundermittel ist, … stellt es doch einen echten neuen Schritt in der Lupus-
behandlung dar.“
Prof. Dr. Martin Aringer

Für die nicht lebensgefährlichen entzündlichen Organmanifestationen, wie Lupusarthritis, SLE-Hauterkrankungen oder Serositis, hat sich hingegen das Spektrum erweitert. Wenn Hydroxychloroquin und Azathioprin (oder eventuell Off-label Methotrexat) keine Therapieerfolge zeigen, ohne längerfristig Glukokortikoide oder Prednisolon einzusetzen, ist Belimumab die zugelassene Option. Das neue Biologikum zeige auch positive Effekte auf eine immunologisch bedingte Fatigue und die Raynaud-Symptomatik, betonte der Mediziner.

Aringer fasste die gegenwärtigen Therapieoptionen beim SLE folgendermaßen zusammen: „Auch wenn Belimumab sicher kein Wundermittel ist, das alle SLE-Probleme löst, stellt es doch einen echten neuen Schritt in der Lupusbehandlung dar, der eine zusätzliche Therapieeskalation ermöglicht. MMF wird weiterhin Off-Label bleiben, doch hat es sich bei der Lupus-Nephritis in der Induktionsphase als praktisch äquivalent zu Cyclophosphamid erwiesen. Außerdem ist klar gezeigt worden, dass MMF in der Erhaltungstherapie etwas besser ist als Azathioprin. Der etablierte Goldstandard der Basistherapie bleibt aber weiterhin gut und wichtig“.

Referenzen

Referenzen

  1. 41. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) gemeinsam mit der 27. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) und der 23. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR); 18. bis 21. September 2013, Heidelberg und Mannheim
    Sitzung: „Systemischer Lupus erythematodes“ (21.09.2013)
    http://www.dgrh-kongress.de/

Autoren und Interessenkonflikte

Dr. Erentraud Hömberg
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Aringer M: Es liegt keine Erklärung zu Interessenkonflikten vor.

Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.