Zwei EGFR-Antikörper beim Kolorektalkarzinom – kein Sieger im Direktvergleich

Dr. Susanne Heinzl | 1. Oktober 2013

Autoren und Interessenkonflikte

Amsterdam – Die beiden EGFR-Antikörper Panitumumab und Cetuximab verlängern das Überleben bei Patienten mit Chemotherapie-refraktärem metastasiertem Kolorektalkarzinom vom KRAS-Wildtyp ähnlich gut. Dies ergab die randomisierte, multizentrische offene Phase-3-Studie ASPECCT, deren Ergebnisse Dr. Timothy Price vom Queen Elizabeth Hospital, Adelaide, Australien, beim europäischen Krebskongress 2013 vorgestellt hat [1].

Die Antikörper Panitumumab und Cetuximab gegen den EGF-Rezeptor (epidermal growth factor) sind in Monotherapie für die Behandlung von Patienten mit Chemotherapie-refraktärem metastasiertem Kolorektalkarzinom vom RAS- bzw. KRAS-Wildtyp zugelassen. Für Cetuximab war bereits prospektiv gezeigt worden, dass es in der Drittlinientherapie das Gesamtüberleben der Patienten verlängern kann. Für Panitumumab stand dieser Nachweis bislang aus, was nach Aussage von Price möglicherweise mit dem häufigen Cross-Over-Einsatz von EGFR-Antikörpern erklärt werden kann.

Daher wurden nun erstmals Wirksamkeit und Verträglichkeit der beiden Antikörper in der von Amgen finanzierten Studie ASPECCT verglichen [2]. Es sollte die Nichtunterlegenheit von Panitumumab im Vergleich zu Cetuximab bei Chemotherapie-refraktären Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom vom KRAS-Wildtyp nachgewiesen werden.

Eine der größten Head-to-Head-Studien

Die fast 1.000 in die Studie aufgenommenen erwachsenen Patienten waren zuvor mit Irinotecan, Oxaliplatin und einer Fluorouracil-basierten Therapie, nicht jedoch mit einem EGFR-Blocker behandelt worden. Sie wurden nach der geographischen Region (Nordamerika und Westeuropa und Rest der Welt) und nach dem ECOG Performance Status (0 oder 1 vs 2) stratifiziert. Die Patienten erhielten randomisiert Panitumumab (6 mg/kg alle 2 Wochen) oder Cetuximab (400 mg/m2, gefolgt von 250 mg/m2 wöchentlich) bis zur Krankheitsprogression, bis zum Auftreten von Unverträglichkeitsreaktionen oder bis zum Widerruf des Einverständnisses durch den Patienten.

Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben. Zu den sekundären Endpunkten gehörten das progressionsfreie Überleben, die Ansprechrate und die Verträglichkeit. 499 Patienten erhielten Panitumumab, 500 wurden mit Cetuximab behandelt. Die ASPECCT-Studie ist damit „eine der größten Vergleichsstudien“, so Price. Die demographischen Parameter der beiden Gruppen waren gut vergleichbar.

Primärer Endpunkt erreicht

Der primäre Endpunkt der Studie wurde erreicht, das Gesamtüberleben der Patienten in der Panitumumab-Gruppe war mit 10,4 (9,4 bis 11,6) Monaten dem Gesamtüberleben der Patienten in der Cetuximab-Gruppe mit 10,0 (9,3 bis 11,0) Monaten nicht unterlegen (p=0,0007). Das progressionsfreie Überleben betrug im Median 4,1 Monate (3,2 bis 4,8) unter Panitumumab und 4,4 Monate (3,2 bis 4,8) unter Cetuximab. Unter Panitumumab zeigten 22% (18,4 bis 26,0%) der Patienten ein objektives Ansprechen, unter Cetuximab waren es 19,8% (16,3 bis 23,6%).

Nebenwirkungen vom Grad 3, 4 bzw. 5 traten bei 36,3%, 7,5% bzw. 5,8% der Panitumumab-Patienten und bei 31,6%, 5,4% bzw. 9,9% der Cetuximab-Gruppe auf. 69% der Grad-5-Nebenwirkungen waren mit der Progression der Erkrankung assoziiert. Häufigste unerwünschte Wirkungen waren toxische Reaktionen an der Haut (12,5% Panitumumab, 9,5% Cetuximab), Hypomagnesiämie (7,3% bzw. 2,6%) und Infusionsreaktionen (0,2% bzw. 1,8%). Mit Panitumumab traten mehr Hypomagnesiämien auf. Die seltener als mit Cetuximab beobachteten Infusionsreaktionen können auf die vollhumane Struktur von Panitumumab zurückgeführt werden.

Dr. Josep Tabernero vom Vall D’Hebron Universitätskrankenhaus und Institut für Onkologie in Barcelona als Diskutant bezeichnete es als wichtig, dass diese Studie durchgeführt wurde. Mit fast 1.000 Teilnehmern sei sie sehr groß und liefere viele wichtige Informationen. Die Frage, ob Panitumumab und Cetuximab bei refraktären Patienten gleich gut wirksam wären, könne nun mit einem klaren Ja beantwortet werden. Dies gelte jedoch nicht für andere Tumortypen.

Tabernero wies auf pharmakologische Unterschiede der beiden Antikörper hin. So sei Cetuximab ein chimärer und Panitumumab ein vollhumaner Antikörper, womit die Unterschiede bei Überempfindlichkeitsreaktionen erklärt werden könnten. Die längere Halbwertszeit von Panitumumab erlaube längere Dosierungsintervalle. In weiteren Untersuchungen müssten jedoch noch Parameter – wie Zeit bis zum Therapieversagen, Dosisintensität, Dosismodifikationen und Wirkungen auf die Lebensqualität – verglichen werden.

Referenzen

Referenzen

  1. European Cancer Congress 2013 (ECCO – ESMO – ESTRO), 27. Sept. bis 1. Okt. 2013, Amsterdam
    Price T, et al: Abstract LBA18, vorgestellt am 28.9.2013
    http://www.esmo.org/Conferences/European-Cancer-Congress-2013
  2. ASPECCT: A Study of Panitumumab Efficacy and Safety Compared to Cetuximab in Subjects With KRAS Wild-Type Metastatic Colorectal Cancer
    http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01001377

Autoren und Interessenkonflikte

Dr. Susanne Heinzl
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Price T, Tabernero J: Finanzielle Unterstützung u.a. durch Amgen.

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