Auf die Planung kommt es an – zum Wunschkind trotz rheumatischer Erkrankung

Sonja Böhm | 30. September 2013

Autoren und Interessenkonflikte

Mannheim – Die Angst ist oft noch groß. Kinderwunsch bei Frauen mit rheumatischen Erkrankungen? Drohen da nicht Fehlbildungen, Früh- und Fehlgeburten, Präeklampsien sowie untergewichtige bzw. Small-for-Gestational-Age-(SGA)-Kinder? Nicht selten wurde – und wird selbst heute noch – diesen Frauen von ihrem Arzt davon abgeraten, schwanger zu werden, so die Erfahrungen von Dr. Rebecca Fischer-Betz. Doch: „Die Angst ist unbegründet“, betonte die Sprecherin des Arbeitskreises „Schwangerschaft und rheumatische Erkrankungen“ der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) bei der Tagung der Gesellschaft in Mannheim.

Etwa jede fünfte Frau mit rheumatoider Arthritis (RA) erhält die Diagnose vor ihrer ersten Schwangerschaft. Die Diagnose bedeutet aber in der Regel nicht, dass sie nun auf Kinder verzichten muss, erläuterte Fischer-Betz. „Prinzipiell ist eine Schwangerschaft möglich; sie sollte nur geplant sein.“ Die Entzündung sollte zum Zeitpunkt der Konzeption kontrolliert und die Erkrankung in einer möglichst stabilen Phase sein. Eventuell muss die Therapie der rheumatischen Erkrankung umgestellt werden.

Diese Empfehlung betrifft vor allem Methotrexat (MTX). Schon länger ist bekannt, dass eine Behandlung mit MTX im 1. Trimenon teratogen wirken kann – das Muster an Fehlbildungen ist dabei sehr variabel, umfasst ZNS-Anomalien, Ossifikationsdefekte und Schädelanomalien, Gesichtsdysmorphien, Extremitätendefekte sowie prä- und postnatale Wachstumsretardierung.

Screening ja, Abbruch nein

Wie die Rheumatologin und Oberärztin vom Universitätsklinikum Düsseldorf mitteilte, ist das Fehlbildungsrisiko unter einer MTX-Therapie im 1. Trimenon dosisabhängig, beträgt aber im Mittel rund 7 bis 8%. Eine Rate, die nach ihrer Ansicht zwar ein ausgiebigeres Fehlbildungsscreening, aber – bei vorhandenem Kinderwunsch – in der Regel keinen Schwangerschaftsabbruch rechtfertigt.

Viele Frauen, die ungeplant unter MTX schwanger werden, ziehen aber nach ihrer Erfahrung einen Abbruch in Betracht. „Genau dies wollen wir durch eine umfassende Beratung im Vorfeld vermeiden!“ So sollte bei Kinderwunsch – und stabiler rheumatischer Erkrankung – MTX abgesetzt werden. „Nach drei Monaten kann man dann im Prinzip schwanger werden.“

„Prinzipiell ist eine Schwangerschaft möglich; sie sollte
nur geplant sein.“
Dr. Rebecca Fischer-Betz

Natürlich klappt dieses Timing nicht immer. Gerade bei Frauen mit rheumatischen Erkrankungen dauere es oft länger bis zur Konzeption. Sind alternative Basistherapeutika notwendig, kommen laut Fischer-Betz z.B. Sulfasalazin und Azathioprin in Betracht. Auch gegen die Therapie mit – niedrig dosierten – Glukokortikoiden, etwa Prednisolon, sei nichts einzuwenden. Zu den Biologika gebe es derzeit erst begrenzte Daten aus Registern – „aber es scheint so, dass man auch diese wohl während der Schwangerschaft geben kann“.

Noch ein Grund, warum Frauen mit RA nicht von einer Schwangerschaft abgeraten werden muss: Oft bessert sich die Gelenkarthritis sogar während der Gravidität, die Entzündungsaktivität lässt nach. Rund zwei Drittel der Frauen berichten über Besserungen der Gelenkbeschwerden. Meistens beginnt die Krankheitsaktivität schon im 1. Trimenon zurückzugehen – dies unabhängig von der Dauer und Schwere der Erkrankung. Allerdings wies die Rheumatologin auch darauf hin, dass sich bei 9 von 10 Frauen in den ersten 3 Monaten postpartal die Erkrankung wieder verschlechtert.

Vorsicht bei SLE

Die Situation bei Frauen mit systemischem Lupus erythematodes (SLE) ist völlig anders: „Bei 30 bis 40 % kommt es in der Schwangerschaft zu Krankheitsschüben“, berichtete Fischer-Betz. Dies gelte ganz besonders für diejenigen Frauen mit bereits fortgeschrittener Erkrankung und Nierenbeteiligung. Daher laute für diese Frauen die Empfehlung, eine immunologische Therapie auch während der Schwangerschaft fortzusetzen.

Insgesamt, so die Expertin, seien die Entwicklungen der vergangenen Jahre sehr positiv. So konnten noch Ende der 1990er-Jahre nur rund 60% der Schwangerschaften bei Rheuma-Patientinnen erfolgreich zu Ende geführt werden. „Heute werden bei einer geplanten Schwangerschaft rund 90% der Kinder lebend geboren!“

Referenzen

Referenzen

  1. 41. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) gemeinsam mit der 27. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) und der 23. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR); 18. – 21. September,  Heidelberg und Mannheim
    http://www.dgrh-kongress.de/

Autoren und Interessenkonflikte

Sonja Böhm
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Fischer-Betz R: Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.