Die richtige Sportdosis für‘s Herz: Lieber kurz und heftig als lang und moderat?

Axel Viola | 11. September 2013

Autoren und Interessenkonflikte

Amsterdam – Ausgleichssport ist hilfreich, sowohl zur kardiovaskulären Primärprävention als auch als sekundärpräventive Maßnahme für Patienten mit Herzerkrankungen. Das ist allgemein akzeptiert. Unklar ist jedoch nach wie vor, welche Sportarten besonders vorteilhaft sind und vor allem – wie soll man sie „dosieren“? Derzeit widmen sich verschiedene Untersuchungen der Aufgabe mehr über die beste Frequenz, Intensität, Zeitdauer und Sportart herauszufinden, um auf die Fragen „Wie intensiv?“ und „Wie lang?“ präziser antworten zu können.

Einen großen Erkenntnisgewinn erhoffen sich Fachleute nun von den Ergebnissen der beiden Studien SMARTEX-HF und SAINTEX-CAD [1, 2]. Dies berichtete Dr. Paul Jan Marie Beckers vom Universitätskrankenhaus Antwerpen/Belgien auf dem Symposium „Exercise training: Most gain with least pain“ beim Jahreskongress der European Society of Cardiology (ESC) in Amsterdam/Niederlande [3].

Die Auswertung der Studiendaten habe jedoch gerade erst begonnen. Aber allein schon die Trainingsmodalität  – also ob z.B. auf dem Fahrradergometer oder auf dem Laufband trainiert wird – beeinflusse bereits, wie stark die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2Peak) variiert.

Die Trainingsintensität ist der Schlüssel

Ausgleichssport kann bekanntermaßen die aerobe Kapazität verbessern und dabei helfen, kardiovaskuläre Risikofaktoren zu kontrollieren oder allgemein die Prognose eines Herzpatienten zu verbessern. Diese Effekte konnten in vielen Untersuchungen nachgewiesen werden. Darüber hinaus ist es laut Beckers jedoch von entscheidender Bedeutung für die Prävention, bei der Konzeption des Trainings die anaerobe Schwelle anzusteuern.

„Die maximale Sauerstoffaufnahme ist ein entscheidender Parameter zur Reduktion von kardialen Todesfällen.“
Prof. Dr. Martin Halle

Auch Prof. Dr. Martin Halle vom Zentrum für Prävention und Sportmedizin am Olympiapark, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, berichtete auf dem ESC-Kongress, dass die Trainingsintensität der Schlüssel zu einer besseren Primär- und Sekundärprävention darstellt. Lange Zeit habe ein moderates Ausdauertraining als bester Weg gegolten, um diese Zielsetzung bei Patienten mit einer kardiovaskulären Erkrankung zu forcieren [4].

Schon eine Studie von Wisløff und Kollegen aus dem Jahr 2007 habe allerdings ein anderes Bild gezeichnet, wie Halle in Amsterdam berichtete: Patienten unter optimaler medikamentöser Therapie, die nach einem Myokardinfarkt eine Herzinsuffizienz erlitten hatten, profitierten mehr von einem aeroben Intervalltraining (AIT) als von einem kontinuierlichen moderaten Training [5].

Patienten der AIT-Gruppe hatten einen größeren Anstieg der maximalen Sauerstoffaufnahme zu verzeichnen als jene Patienten, die ein moderates Training absolvierten (46% vs. 14%; p<0,001). „Die maximale Sauerstoffaufnahme ist ein entscheidender Parameter zur Reduktion von kardialen Todesfällen“, erklärte der Münchener Kardiologe.

Darüber hinaus konnte bei den AIT-Patienten eine Abnahme des linksventrikulären Remodelings
beobachtet werden. Ausschließlich bei Patienten nach aeroben Intervalltraining reduzierten sich die linksventrikulären enddiastolischen (-18%) und endsystolischen (-25%) Volumina, zeigte sich eine um 35% verbesserte linksventrikuläre Ejektionsfraktion, und die proBNP(B-Typ des natriuretischen Peptids)-Werte sanken um 40%.

Allerdings nahmen an dieser Studie nur insgesamt 27 Patienten teil. Dennoch seien auf Basis dieser Studie viele weitere Studien initiiert worden, um die Effektivität eines AIT bei kardiovaskulären Patienten zu belegen, sagte Halle. So konnte unter anderem bei Patienten mit Diabetes gezeigt werden, dass mit einem 3 Mal wöchentlich ausgeführten aeroben Intervalltraining ähnliche Verbesserungen erzielt werden konnten wie mit einem täglichen moderaten Ausdauertraining.

Ein solches Training verbesserte die Insulinsensitivität bei Erwachsenen mittleren Alters mit einem hohen Risiko für eine Insulinresistenz oder Typ-2-Diabeteserkrankung [6]. Es bleibt also abzuwarten, zu welchen Erkenntnissen die neuen Studien führen.

Referenzen

Referenzen

  1. Støylen A, et al: Eur J Prev Cardiol. 2012;19 (4): 813-21
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21450567
  2. Conraads VM, et al: Int J Cardiol (online) 24. Mai 2013
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23711446
  3. European Society of Cardiology:
    ESC Congress 2013 – 31. Aug. bis 4 Sep. 2013 Amsterdam/ Niederlande
    http://www.escardio.org/ESC2013
    Paul Beckers: Symposium 02.09.2013: Exercise training: most gain with least pain?
  4. European Society of Cardiology:
    ESC Congress 2013 – 31. Aug. bis 4 Sep. 2013 Amsterdam/ Niederlande
    http://www.escardio.org/ESC2013
    Martin Halle: Symposium 02.09.2013: Exercise testing and training: Rethinking exercise and exercise training
  5. Wisløff U, et al: Circulation 2007; 115:3086-3094
    http://dx.doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.106.675041
  6. Hawley JA, et al: Diabetologia 2012; 55(3):535-539
    http://dx.doi.org/10.1007/s00125-012-2460-1

Autoren und Interessenkonflikte

Axel Viola
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Beckers P, Halle M: Es liegen keine Erklärungen zu Interessenkonflikten vor.

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